Eat Pay Live

So geht Songkran

Während in Zürich ein künstlicher Schneemann dem Feuer zum Opfer fällt, setzt Bangkok auf das Element Wasser. Es ist Songkran - und das mehrtägige Thai-Neujahrsfest übersteht man gemäss Bloggerin Barbara Lanz am besten mit ein paar Tricks.

Glück gehabt! Die Wohnung putzen müsst ihr nicht mehr, das haben wir in Bangkok schon am Freitag gemacht. In Thailand macht man das nämlich dann, wenn Neujahr gefeiert wird: Songkran. Und zwar von Freitag, 12. April bis am Montag, 15. April. Mit einem saloppen «am 12i schnell astosse» ist es hier nicht getan. Nein, hier geht das so:

Buddha baden
Songkran ist nicht nur Silvester, sondern auch Grund, sich selbst und seine Umgebung gründlich zu reinigen. Neben den Buddha-Statuen in der ganzen Stadt stehen während des Fests Wasserbehälter mit Kellen, damit übergiesst man den Buddha. Die Statuen werden danach durch die Stadt gefahren, dann sind Feierwütige aber meist woanders.

Wasser marsch
Die Wohnung ist sauber, der Buddha auch - und jetzt sind wir dran. Wer dieser Tage ahnungslos in Bangkok ankommt, sollte sich ganz schnell folgendes besorgen:

  • Wasserpistole(n)
  • Kleider, die man nicht vermissen wird
  • Dry Bag für Wertsachen (und trockene Sachen)
  • Bargeld, kleine Noten


Überall, und ich meine wirklich überall, in der Stadt liefern sich die Menschen während Songkran Wasserschlachten. Sie schiessen mit Wasserpistolen, warten mit Kübeln in Hauseingängen oder fahren mit Wasserschläuchen auf ihren Pick-ups durch die Strassen und lassen es regnen. Spontan mitmachen klingt nett, ist aber eine denkbar schlechte Idee. Denn:

  1. gibt es ab Songkran-Start keine guten Wasserpistolen mehr. Und mit einer Füdli-Einstrahl-Knarre bringt man die Thais höchstens zum Lachen, deshalb unbedingt, wenn irgendwie möglich, frühzeitig Waffen kaufen.
     
  2. wird man nicht nur nass, sondern vor allem sau dreckig. Kinder lieben es, einen mit Schlamm einzureiben. So, dass man sich von Zeit zu Zeit freiwillig abspritzen lässt... um nicht wie ein Terrakottakrieger zu enden.
     
  3. gibt es kein Entrinnen. Die Handtasche unters T-Shirt zu nehmen bringt in etwa gleich viel wie einfach schneller zu laufen. Nämlich gar nichts. Es wird alles nass und: Vor allem Ledertaschen saugen sich schnell mit Wasser voll und entpuppen sich als unnötiger Ballast, der gezieltes Schiessen verunmöglicht.
     
  4. geht nichts ohne Cash. Gerade an den Songkran-Schauplätzen wie Khao-San-Road, Siam Square etc. ist nichts gratis. Nicht mal das Nachladewasser fürs Gewehr. Mit einer 1000-Baht-Note ein 10-Baht-Refill zu bezahlen kommt aber trotzdem äusserst schlecht an und wird auch gerne mit einer (Gratis)-Ladung Eiswasser ins Gesicht belohnt.
     
  5. muss man ja irgendwann nach Hause. Selbst wenn der Heimweg erst in den frühen Morgenstunden erfolgt, der Taxifahrer dankt, wenn man dies in einigermassen trockenen Kleidern tut. Die Suche nach einem Transportmittel dauert an Songkran generell ewig, pflotschnass und verschlammt kann sie aber gar unmöglich werden. «Opfer» findet man dann jeweils schlafend am Strassenrand.


Was jetzt nach viel Organisation klingen mag, ist in der Realität relativ einfach zu überstehen. Befolgt man die goldenen Regeln «Nimm nichts mit, was dir wichtig ist» und «Reg dich bloss nicht auf», hat man Spass ohne Ende. Und als Wahl-Zürcherin und Wahl-Bangkokerin kann ich guten Gewissens sagen: Es ist unzählbar viel besser, bei 40 Grad selber den Wilden zu geben, als im Möchtegern-Frühling wildgewordene Pferde beim Ritt um einen creepy Schneemann zu beobachten. Versprochen.

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