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Songkraaaaaaaan!

Lanz feiert Silvester, mal wieder. Und weil ein einzelner Feiertag in Thailand niemals reicht, befindet sich Bangkok bereits seit Mittwoch im Ausnahmezustand. Warum ohne Wasserpistole hier nichts mehr geht und wieso eine Stadt eben doch kollektiv glücklich sein kann.

«Was? Du bleibst echt in Bangkok?», fragten mich meine Thai-Freunde diese Woche immer wieder. Die meisten haben das Epizentrum Bangkok schon vor Tagen verlassen, liegen irgendwo wo’s schön ruhig ist am Strand oder verschanzen sich in irgendeiner Hütte im Nirgendwo. Der Grund: Thailand feiert Songkran (Neujahr). Vom 13. – 15. April.

Im Gegensatz zum Schweizer Silvester herrschen hier allerdings 40 Grad und statt irgendwo dick eingepackt mit Prosecco anzustossen, zieht man am besten so wenig wie möglich an. Trocken bleibt dieser Tage hier nämlich keiner. Die Stadt hat sich sozusagen über Nacht in ein lebendiges Lager an Wasserpistolen verwandelt, Autos mit Wassertanks lassen es regnen, Schlamm verwandelt die Feiernden in graugesichtige Gestalten – die Tradition will es so.

Wie im Krieg


Seit Donnerstagnachmittag gehöre ich dazu. Habe mir eine Wasserpistole gekauft, Plastikhüllen für Handy, Kamera etc. und mich ins Getümmel gestürzt. Todesmutig pilgere ich alleine zur Khao San Road, um mich innert Sekunden im schieren Wahnsinn wieder zu finden. Ja, man hat mich gewarnt, hat mir gesagt, was ich alles tun muss (eben: Pistole und Plastikzeugs), und trotzdem trifft mich der erste Kübel Eiswasser wie aus dem Nichts. Es folgen gefühlte 1000 weitere Liter.

Hier herrscht Krieg, bin ich mir ganz schnell sicher. Eine ganz absurde Form von Krieg. Eine, in der ich im wahrsten Sinne des Wortes abgeschossen werde und danach mit dem Feind in den Armen liege, Bier trinke und lache. Ich bedanke mich sogar, wenn mir hunderte fremde Hände immer und immer wieder Schlamm ins Gesicht schmieren. Ich «kämpfe» im Team Thailand, wechsle kurzerhand ins Team Korea und liefere mir eine äusserst amüsante Schlacht mit Team Switzerland.

Blasen und Bier

Niemals hätte ich erwartet, so viel Spass zu haben. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich wie Lara Croft fühlen könnte. Mit meiner Wasserpistole im Hauseingang wartend auf die nächsten «Opfer». Ich schiesse auf Tuktuk-Fahrer, auf Taxifahrer, die ein Fenster offen haben, auf Senioren und auf Kinder! Man könnte meinen, ich sei durchgedreht. Aber: Bangkok ist durchgedreht. Wir alle sind im Songkran-Fieber, wir alle sehen aus wie aufgeweichte Mumien und wir alle haben mittlerweile ausgeprägte Blasen an den Händen und Muskelkater im rechten (Abzug ziehen) sowie im linken (nachladen) Arm.

Und nach drei Tagen Dauergefecht, viel zu viel Bier sowie massivem Schlafentzug glaube ich sogar, dass wir alle froh sind, wenn wir unsere Waffen irgendwann weglegen können. Am allermeisten und vor allem anderen aber glaube ich, dass wir alle saumässig glücklich sind. Und zwar so richtig.

Also, liebe «Oh, Silvester ist voll nicht mein Ding, da immer so gekünstelt fröhlich»-Freunde. Lasst euch bekehren, kauft ne Wasserpistole und konvertiert zum Thai-Kalender. Nie wieder würdet ihr es vorziehen, Neujahr zu Hause zu verbringen statt auf der Strasse, das garantiere ich euch. In diesem Sinne: Happy New Year, again!