Eat Pay Live

Taxi, Taxi

Der Verkehr nervt in Bangkok zwar eigentlich immer, trotzdem muss Bloggerin Barbara Lanz zwanghaft Taxifahren. Schliesslich ist es so bequem, so billig und so belustigend.

Heute ist es wieder passiert. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause hat mich mein Taxifahrer unterhalten, wie es sonst nur «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» tut: mit Drama, überschlechten Dialogen und viel Nonsens. Im Detail lief das so ab:

Das Einsteigen
Mein Thai ist wirklich amateurhaft, aber immer wenn ich einem Taxi sage, wo ich wohne (es klingt ausgesprochen ungefähr so: «Chalon Nakooon, soi saaam sip-jet»), freut sich der Mann am Steuer wie ein Kind und stellt - freundlicherweise auf Englisch - immer die gleiche Frage: «You speak Thai?» Es folgt meine Standardantwort: «Nid noi ka» (ein bisschen). Dann folgen immer, wirklich immer viele Sätze auf Thai, lange Monologe, bis ich irgendwann sage: «Mai kau djai ka» (ich verstehe nicht).

Das Kennenlernen
Da ich offenbar auch das «ich verstehe nicht» authentisch rüberbringe, glaubt mir der Fahrer in der Regel nicht und redet weiter. Manchmal verstehe ich etwas, manchmal nicht. So lächle ich mich Kilometer um Kilometer vorwärts, bis der Mann irgendwann aufgibt und immer, wirklich immer beginnt, manisch meine Adresse zu wiederholen:
Er: «Chalon Nakooooon»
Ich: «Chai» (Ja)
Er: «Chalon Nakoooon»
Ich: «Chai»
Er: «Number soi?»
Ich: «Soi saaam sip-jet»
Er: «Chalon Nakoooon, soi saaam sip-jet»
Ich: «Chalon Nakooon, soi saaam sip-jet»
Er: «You speak Thai!»
...

Das Telefon
Mein Glück bei diesen Fahrten sind die Frauen der Fahrer. Wer eine hat, wird immer, wirklich immer von ihr angerufen. Mehrmals. Ebenfalls immer ertönt Thai-Pop, wenn das Handy klingelt und meistens findet der Mann den Song so gut, dass er es erst einmal klingeln lässt und mitsingt. Wenn er dann beim zweiten Mal antwortet, ist die Frau am anderen Ende schon ziemlich hässig. Und da ich sie zwar höre, aber natürlich nicht verstehe, reime ich mir gerne - unter Einbezug dessen, was ich verstehe - etwas zusammen:

Er: «Ja»
Sie: «Wo bist du?»
Er: «Ich fahre an die Chalon Nakooon.»
Sie: «Warum?»
Er: «Ich habe einen Gast.»
Sie: «Wen?»
Er: «Eine Frau.»
Sie: «Eine Thai?»
Er: «Nein, eine Farang, sie spricht Englisch.»
(bis hier lassen seine Antworten auf eindeutige Fragen schliessen, ab jetzt brauchts Fantasie)
Sie: «Ist sie hübsch?»
Er: «Nein.»
Sie: «Ist sie jung?»
Er: «Nein.»
Sie: «Redest du mit ihr?»
Er: «Sie spricht kein Thai.»
Sie: «Warum weisst du das?»
Er: «Sie hat gesagt, sie versteht mich nicht.»
Sie: «Also hast du doch mit ihr gesprochen.»
Er: «Nein.»
Sie (wird immer lauter): «Doch!»
Er: «Nein.»
Sie: «Du findest sie hübsch.»
Er: «Nein, ich muss jetzt die Highway-Gebühr bezahlen, ciao.»

Dank des ewigen Staus in Bangkok dauern die Fahrten gerne länger, und die Frauen können entsprechend oft anrufen. Spricht der Fahrer ein wenig Englisch, macht er meistens zwischen den Gesprächen Bemerkungen wie: «Uuuuuuh, Girlfriend not happy», oder «wife at home, no work, always talk talk talk». Hat der Fahrer keine Frau, wird er entweder von Kollegen angerufen, oder aber er vertreibt sich die Zeit mit dem Kommentieren seines Fahrstils. Es klingt dann so, wenn er bei Grün durchfahren kann: «tschiuuuuuu», so, wenn er knapp vor Rot noch durchgeht: «tschiu tschiu tschiuuuuuuu» und so, wenn er im letzten Moment noch bremsen muss: «tsch».

Wer also irgendwann in Bangkok in ein Taxi steigt, der achte sich auf die beschriebenen Verhaltensmuster. Ein Versuch, die gewünschte Adresse in Thai zu sagen, bringt in den meisten Fällen Erfolg. Und nicht erschrecken, wenn der Fahrer laut lacht und einfach weiterfährt. Das heisst übersetzt: «keine Ahnung, wo du hin willst», «viel zu weit», oder «hat mir zu viel Stau da». Oder vielleicht auch: «Sorry, du bist viel zu hübsch und ich ertrage die Telefone meiner Frau nicht mehr»...

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