Eat Pay Live

Tempel-Tage

Es ist Ostern, man hat Zeit - und plant vielleicht die Flucht aus dem grauen Schweizer Elend. Deshalb verrät Bloggerin Barbara Lanz, welche Tempel in Bangkok unbedingt aufs Sightseeing-Programm gehören.

Was haben wir Tempel in diesem Bangkok! Kulturinteressierte Menschen könnten bestimmt locker zwei Wochen in der Stadt verbringen. Und zwar nur in Tempeln. Sogar schlafen könnten sie da. Wirklich. Nun gehöre ich definitiv nicht zur Kategorie Tourist, der in einer Stadt zuerst die Sehenswürdigkeiten abgrast, aber ich gelte ja in Thailand auch nicht mehr nur als Besucher. Nach einem Jahr in Bangkok kann ich deshalb guten Gewissens, oder vielmehr muss ich für das gute Gewissen, endlich mal ein paar Kultur-Tipps bringen. Thema: Tempel für Tage.

WAT PHO
Um diesen «Königlichen Tempel erster Klasse» kommt man schlicht nicht herum. Er liegt direkt neben dem Königspalast und ist gross und toll. Das sind natürlich die meisten Tempel, aber dieser ist halt einfach einer, den es zu besuchen gilt. Oder gibt es jemanden, der nicht den 46 Meter langen und 15 Meter hohen liegenden Buddha in Gold sehen möchte? Eben. Es gibt auch ganz ganz viele bunte Chedis und dazu ganz ganz viele bunte Touristen. In der Hochsaison gleicht der Besuch des Wat Pho einem Besuch eines Coop oder Migros am 24. Dezember kurz vor Ladenschluss. Und weil man das daheim schliesslich auch jedes Jahr aufs Neue über sich ergehen lässt, kann man das also durchaus auch mal im Ausland tun.

WAT SAKET
Der Tempel des Goldenen Berges ist einer der ältesten in Bangkok. Und er ist wirklich goldig. Die Chedi thront zwar auf einem künstlich aufgeschütteten Hügelchen, dafür ist das ganze Drumherum einfach allerliebst. Es gibt Tierchen und Glöckchen und verhältnismässig wenig Menschen, die die 318 Stufen zum goldenen Höhepunkt nehmen wollen. Ich muss zugeben, ich bin so gar nicht objektiv, wenn es um Wat Saket geht. Denn wenn liebe Menschen etwas liebgewonnen haben, dann tu ich das ihnen gerne gleich. Trotzdem: Wat Saket ist herzig und herrlich entspannend. Und sozusagen um die Ecke vom Wat Pho, also hopp.

WAT ARUN
Der Tempel der Morgenröte liegt direkt am Chao Phraya (Fluss) und ist eine äusserst nervige Touristenattraktion. Der Prang in der Mitte der Anlage ist zwar ein optisches Highlight, besteigen sollte das Teil aber nur, wer wirklich fit und furchtlos ist. An einem sonnigen Tag kann man durchaus schon nach der ersten von vier Treppen einen Kreislaufkollaps erleiden. Wer die Besteigung überstanden hat, erleidet den Kollaps spätestens, wenn er versehentlich den Tempel durch einen der zahlreichen Ausgänge verlassen hat und nicht mehr reinkommt. Vorschlagen tue ich Wat Arun trotzdem. Weil er eben so superwunderschön anzuschauen ist. Am besten geht das aber von der anderen Flussseite, in der Dämmerung. Im Dachstock des Hotels «Arun Residence» gibts teure Drinks - und den besten Blick auf den Tempel. Dusk statt Dawn halt. 

WAT PRAYOON
Lonely Planet stellt den Tempel auf Platz 606 von 792 Sehenswürdigkeiten in Bangkok und wahrscheinlich genau deshalb ist es der beste überhaupt! Direkt neben der Memorial Bridge steht die wunderbar verlassene weisse Chedi. Ein Sicherheitsmann erklärt in Thai Dinge, die der Tourist zwar nicht versteht, aber instinktiv macht. Per Handzeichen wird man ins Innere der Chedi geführt, den Ausgang muss man alleine finden. Und kriechend (unter dem Mini-Buddha durch) bestreiten. Ganz ehrlich, in zehn Minuten hat man das Teil gesehen, aber spätestens wenn man dann ins Gästebuch schreiben darf, kann man sich innerlich zum Tempelritter schlagen. Zumindest war ich bisher die einzige, die in «unserer» Schrift ein Dankeschön geschrieben hat.

Und wenn man sich dann eigentlich schon fast auf den Weg in den Apéro machen würde, kommt einem der kleine «Turtle Mountain» in die Quere. In diesem Pärklein gibt es Schildkröten, Geisterhäuschen und meditierende Mönche. Es ist irgendwie wie dieses Swiss Miniatur – nur ganz ganz viel besser, schöner, wärmer und sowieso. Wenn es etwas gibt, das all die Reiseführer komplett unterbewerten, dann ist es Wat Prayoon und Co.!

WAT KALAYANAMIT
Ein Tempel für Fortgeschrittene. Wehe dem, der auf die Idee kommt, sich per Taxi chauffieren zu lassen. Nein. Vom Wat Prayoon gibts einen wunderbaren Spazierweg durchs portugiesische Viertel Bangkoks bis hin zum verlassensten aller Tempel, denn momentan ist Wat Kalayanamtr eine Baustelle. Vielleicht ist es genau deshalb so schön dort. Keine Menschenseele verirrt sich dahin, alles ist irgendwie verwunschen und verlebt. Kurz: Wat Kalayanamit ist die perfekte Endstation nach einem heissen Tempeltag.

Apropos Endstation. Wer sich eigentlich gerne in der Backpacker-Szene um die Khao San Road aufhält, aber trotzdem kein 5-Dollar-Zimmer ohne Fenster haben will, der sollte das «Bamboo Guesthouse» ausprobieren. Das Thai-Haus liegt nämlich, natürlich, direkt bei einem Tempelchen...

Alle «Eat Pay Live»-Blogs von Barabara Lanz finden Sie im SI-online-Dossier.