Eat Pay Live

Verreist doch, ihr Weihnachtshasser!

Lanz ist genervt. Von der ewigen Fragerei nach dem Grund des Heimaturlaubs. Es ist Weihnachten und ich liebe meine Familie, das muss reichen. Und für alle, die es trotzdem nicht wahrhaben wollen, hier ein paar Tipps für Feiertagsflucht.

Singapur
Die spinnen da so richtig. Selten habe ich mehr Weihnachtsdeko in einer Stadt gesehen – nicht einmal in Amerika. Theoretisch könnte man Heiligabend auch direkt am Flughafen feiern, der Baum da drin kann locker mit dem vom Rockefeller Center in New York mithalten. Und die Swarovski-Tanne am Zürcher HB ist ein trostloses Bäumchen dagegen. Wer also findet, er brauche Wärme und trotzdem so etwas wie Besinnlichkeit, der reist nach Singapur. Das kann man übrigens auch schon Anfang Dezember tun, also nächstes Jahr.

Bali
Wer am Montag in den Flieger steigt, schafft es rechtzeitig zu Heiligabend ins Partymekka Kuta. Sehr zu empfehlen für alle, die sich ständig über die Familienfeiern in der Schweiz beklagen. Familien findet man da nicht. Nur Besoffene. Ob es irgendwo einen geschmückten Baum gibt, weiss ich nicht. Letztes Jahr bin ich am 23. Dezember geflüchtet, nachdem eine Gruppe Männer mit Samichlausmütze sich wohl mit den Chippendales verwechselt und zum Striptease – leider auf Deutsch - «Süsser die Glocken nie klingen» gesungen hat. 

Alternative 1: Ubud
Im Künstlerdörfchen wird glücklich, wer gerne alternative Weihnachten hat. Gehäkelter Baumschmuck und geflochtene Engel gehören zu Programm. Man macht Yoga da oder starrt meditierend auf Reisfelder. Oder man erkundet die Reisfelder. Oder man geht in eine der unzähligen Bäckerein und trifft sich dort mit Aussteigern, die ihre Kinder zu Selbstversorgern erziehen. Und man isst. Sehr sehr gut sogar. Zum Beispiel im «Black Beach», einem italienischen Restaurant, dessen Besitzerfamilie seinem balinesischen Personal beigebracht hat, die besten Bucatini Amatriciana der Welt zu zaubern und diese mit der Lasagne sogar noch zu toppen. Wer also keine Lust auf Fondue Chinoise hat und trotzdem nicht auf Völlerei über die Feiertage verzichten möchte, der muss nach Ubud.

Alternative 2: Gili Trawangan
Auf der 3 Kilometer langen und 2 Kilometer breiten Insel ist schon so mancher hängengeblieben. Trotzdem beläuft sich die Population meist nur auf rund 700 Menschen – bis diese sich am Morgen des 24. Dezembers auf erschreckende Art und Weise vermehrt. Im Minutentakt legen Boote an und spucken Touristen aus. Wem Kuta zu viel ist und Ubud zu wenig, der findet auf Gili T. die perfekte Mitte. Und Lametta, und «Last Christmas», und grösstenteils freundliche Menschen, die gerne zusammen Weihnachten feiern möchten. Nur einer stellt sich da quer, der Muezzin. Sein Gebetsruf kommt vom 24. – 26. Dezember stündlich. Man schenkt sich übrigens da auch etwas. Im «Tir Na Nog» verabreichen sich die Gäste gegenseitig Wodka-Joss, einen Shot, den jeder Tourist am Ende seines Urlaubs von der Insel schmuggeln wird.

Kuala Lumpur
Ähnlich wie in Singapur schmücken auch die Malaysier gerne alles, was schmückbar ist. Aber: Ein Grossteil der Bevölkerung ist muslimisch und hält somit nichts von Weihnachten, wie wir es kennen. Jeder, der sich also ganz grundsätzlich über diese religiöse Feier beklagt, findet in Kuala Lumpur diverse Ablenkung. Und kann so crazy Sachen machen wie Chapathi essen an Heiligabend.

Bangkok
Hier ist eigentlich alles ein wenig wie in der Schweiz auch. Die Ladenbesitzer werden schon im November nervös und hängen erste Deko auf, ab Dezember läuft Wham und Co. auf Repeat. Jeden Abend findet irgendwo ein Weihnachts-Apéro statt und am 22. Dezember halbiert sich die Bevölkerung der Stadt praktisch, da alle Expats nach Phuket und Co. reisen, um dort in einem schicken Resort mit Freunden und Familie Weihnachten zu feiern und ganz viele Strandbilder auf Facebook zu posten, um den armen Menschen in der Kälte zu zeigen, wie toll es in der Wärme ist. Wer also einen Geltungsdrang hat, der findet eigentlich an jedem Ort in Thailand ein passendes Sujet für die sozialen Netzwerke.

Also ihr Lieben, ihr müsst mich nicht mehr fragen: «Wie kannst du dir Weihnachten zu Hause antun, wenn du doch im Paradies wohnst?» Ich hatte Weihnachten im Paradies. Und es war schön und warm und billig. Und wenn ihr das so unbedingt auch haben wollt, dann verreist doch einfach. Mein Paradies ist dieses Jahr zu Hause. So. Und jetzt bitte, feiert schön, wo und wie auch immer.