Exit - Wenn Sterben kein privater Entscheid mehr ist.

Ist die Art zu sterben verhandelbar? Die Blogerin findet: nein.

Schlimm genug, dass sie mit 60 Jahren weiss: es geht nicht weiter.

Schlimm genug, dass sie sterben muss. Viel zu früh. Endstation.

 

Es gibt wenige Menschen, die sich mit dieser Situation im Guten auseinander setzen können.

 

Luise, die Mama meiner Freundin, konnte es. Sie wusste genau, dass sie den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Sie wusste, was auf sie wartete. Und sie formulierte, dass sie selber entscheiden wolle, wann es zu Ende geht.

 

Wenn sie es für nicht mehr würdig empfinden würde, wollte sie selber aus dem Leben scheiden. Mit Exit.

 

Nachdem sie nur noch wenige Tage zu leben hatte, nur noch 45 Kilogramm auf die Waage brachte, sie mit Schmerzmedikamenten gefüttert wurde, wählte sie ihren Todestag und freute sich darauf. Sie fand, es war Zeit zu gehen. Sie wollte nicht mehr länger leiden.

 

Dies ist ihr gutes Recht, würde man denken. Aber weit gefehlt: Kaum fällt das Wort Sterbehilfe mischen sich hier und dort Menschen ein, als ob es eine Verhandlungssache wäre, als ob die Sterbende nicht selber entscheiden könnte, wie und wann sie sterben möchte.

 

Dass es nicht nur Menschen aus dem privaten Umfeld sind, die ihre Meinung ungefragt kundtun, erstaunt. Und dass es ausgerechnet der Leiter des Pflegeheimes ist, der den nächsten Angehörigen am Todestag der Mutter sagt, er werde sie wegen Mordes 'vor Gericht zerren', wenn sie am Exit-Termin festhalten und die kranke Mutter nach Zürich transportieren, ist … mir fehlen die Worte.

 

Es war der grosse Wunsch der Mutter, mit Exit in Frieden zu sterben. Aber als ob sie geahnt hätte, dass es so zum Gerangel um ihren Tod kommen würde, verstarb sie wenige Stunden vor ihrem selbstbestimmten Sterbetag.

 

Ruhe in Frieden, Luise.