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Genau, Gülsha!

Michelle Obama und mein verstopftes Gehirn

Bloggerin Gülsha Adilji schreibt darüber, wie überfordert ihr Gehirn so kurz vor Jahresende ist, und warum ihr Leben dem von Michelle Obama gleicht.

Mandatory Credit: Photo by Suzanne Cordeiro/REX/Shutterstock (10124087k)Michelle Obama joins the new YouTube Original learning special 'BookTube' to discuss her best-selling memoir 'Becoming' with a panel of YouTube Creators, including John Green, Jouelzy, Ariel Bissett, Kat O'Keeffe, Jesse George and Franchesca Ramsey.Michelle Obama 'Becoming' book discussion, Austin, USA - 28 Feb 2019
(c) Dukas

Dezember: eine Mischung aus zu viel Guetzli, Glühwein und Jahresrückblicken. Alle Sender und Magazine, sowie Spotify und YouTube recyceln zum Jahresende ihre High- und Lowlights und füllen Sendungen und Playlists mit den lustigsten Katzenvideos und Cum-Ex Zusammenfassungen.

Für mich ist das Jahr so schnell vorbeigeraaaaaast, dass ich mich noch gar nicht daran gewöhnt habe, «2018» zu schreiben, geschweige denn, an Rückblicke zu denken. Ausserdem geht es mir wie Michelle Obama während ihrer Amtszeit: Ich habe so viel erlebt, dass ich Ende Woche vergessen habe, was am Montag war. Ich kann mich vage daran erinnern, dass ich vor den Sommerferien immer spätestens (!) um sechs Uhr aufstehen, Drehbücher schreiben und am Set von «heute&hier» gute Laune verbreiten durfte.

Nach diesem arbeitsintensiven Projekt kam der Sommer, der mich beinahe in ein Badi-Burnout trieb, weil man einfach jeden Tag in die Limmat springen musste, um nicht in Flammen aufzugehen. Danach war ich gefühlt einen Monat am Burning Man. (Nein, ich war nicht im Gangbang-Zelt, und ich habe auch sonst keine wirren Sex-Yoga-Workshops besucht.)

Was nach dem Festival war, weiss ich irgendwie gar nicht mehr genau. In Zürich rumtummeln und Sachen machen. So Kleinkunst-Zeug halt: Ich bin mit «D’ Gülsha Adilji zeigt ihren Schnägg» von Thurn bis Ilanz und zurück getourt und habe mir für meine Kolumnen die Finger wund getippt. Momentan kämpfe ich mich vom einen X-Mas-Bash zum anderen, was den Hirnzellen, bzw. dem Speichersystem, auch keinen Gefallen tut.

Verstopftes Hirn

Nebst der Glühwein-Verneblung ist mein Kopf auch einfach ziemlich überfordert: Mein Hirn ist absolut verstopft von all den Tide Pod Challenge-Videos und was ich mir sonst noch so im Internet aktiv oder indirekt reinknalle. Ich kann als knapp noch Digital Nativ nicht nur eine Sache machen, spinnsch: Parallel zum Serien-Bingen, setze ich einen Tweet ab und like mich auf Instagram durch die neusten Bilder, wenn ich nicht grad Insta-Storys durchklicke.

Informationen, Podcast-Inhalte und echte Erlebnisse teilen sich eine achtspurige Autobahn und wollen alle die Ausfahrt «Gülshas-Hirnspeicherhausen» nehmen, welche aber, wie bei Ausfahrten so üblich, nur einspurig ist. Die meisten Infos schaffen die Kurve nicht, Dutzende mit Erlebnissen bepackte Lastwagen überschlagen sich auf der Synapsen-Strasse und verteilen ihre gesamte Ladung auf dem Asphalt, welche dann absolut rücksichtslos von den anderen Fahrzeugen überfahren und bis ins Unkenntliche zermanscht wird. Ich weiss auch nicht, weshalb ich eine Autobahn-Metapher bemühe, ich kann noch nicht mal Auto fahren, ich hatte irgendwie nie Zeit den Führerschein zu machen, ich musste ja Sachen erleben und sie wieder vergessen.

Ich wünschte, mein Leben wäre um 50% langweiliger, damit ich alles mehr zu schätzen und mir die spannenden Sachen überhaupt merken könnte. Wenn ich halb so viel erleben würde, könnte ich mir doppelt so viel merken und hätte am Ende 100% mehr grandiose Erinnerungen als vorher. Ich sollte Michelle Obama antwittern und ihr von meiner grandiosen These erzählen. Vor allem sollte ich mir aber eine Doku über diesen Steuerskandal ansehen, ohne parallel auf WhatsApp zu chatten. Zumindest nehme ich mir das jetzt mal so vor für das nächste Jahr.

am 14. Dezember 2018