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Genau, Gülsha!

Das Leben ist seltsam. Autorin und Moderatorin Gülsha Adilji über die Kuriositäten dieser Welt.

Moral der Geschicht: Vergiss das Handy auf dem Klo nicht

Bloggerin Gülsha Adilji schreibt über die Angewohnheiten ihrer Freunde auf öffentlichen Toiletten. Sie erklärt, dass es ihr zu anstrengend ist, fünf Zentimeter über der Schüssel zu squaten und weshalb man das Handy auf keinen Fall auf dem Klo vergessen darf.

Kennen Sie diesen einen spezifischen Geruch von alten Zugtoiletten? Diese Duftmoleküle müssen während Jahrzehnten ausreifen, um genau diese Komposition in der Nase zu erkitzeln. Eine Mischung aus __________ und __________ (ich werde es hier nicht schreiben, Sie müssen es in Gedanken selber einsetzen).

Jetzt wäre noch genügend Zeit auf Instagram zu wechseln und Ihren Lieblingsinfluencern bei der Pédicure zuzuschauen, oder wie sie ihre Acai-Bowl drapieren. Wobei, ekliger wird es auch nicht mehr, ich möchte Sie aber dennoch kurz briefen: Es geht hier grundsätzlich einfach nur um öffentliche Toiletten, ihr Interieur und ihren emotionalen Einfluss auf uns.

Toiletten-Ranking

Mein guter Freund Simon Monaco – er heisst wirklich so – hat nicht nur eine mentale Inventar-Karte von allen öffentlichen WCs in Zürich und Paris, die er abrufen kann; er hat auch ein spezifisches Ranking, wo er am liebsten zur Toilette geht. Ihm fällt auf, wenn sie in einer Bar auf den Klos die Seife ausgewechselt haben, und weiss, wo sie das teure Toilettenpapier haben und nicht dieses nonsense halbdurchsichtige. Eine andere Freundin hält sich in Flugzeug-Toiletten immer irgendwo fest, wenn sie spült, weil sie so es biz Angst hat, dass sie rausgesaugt werden könnte. Ja, das cha sicher passiere, Xenia! Meine Schwester atmet ab dem ersten Schritt, den sie in eine öffentliche Toilette macht, nur noch durch den Mund. (Dasselbe tut sie eigentlich auch immer, wenn sie im Ausland ist). Manchmal kommt sie angewidert vom Klo zurück und kommentiert mit nasaler Stimme, dass sie den Geruch durch ihren Mund in ihren Körper habe einflössen lassen und dass dies irgendwie noch schlimmer sei, weil ungefiltert von Nasenhaaren.

Für Klobrillen-Akrobatik bin ich zu faul

Und ich, ich gehöre zum Typ Mensch, der sich auf absolut jede Toilette setzt. Atmen tu ich tendenziell auch eher nicht durch die Nase, aber für alles andere bin ich einfach zu faul. Keine Klobrillen-Akrobatik (ich hasse die, die das an den Festivals machen und nicht treffen), kein Toilettenpapier-Schutzfort und kein Squat fünf Zentimeter über der Schüssel. Dass ich aber mindestens den Caveman machen müsste – nicht nur in öffentlichen, sondern auch in den heimischen Porzellan-Räumlichkeiten – wüsste ich ja grundsätzlich von der grandiosen Giulia Enders und ihrem Bestseller „Darm mit Charme“. Sie hat uns schon vor Jahren erklärt, dass wir falsch sitzen und die Naturdränge abklemmen, wenn wir nicht die Knie oberhalb der Hüfte haben, während wir uns von festen Körperinhalten verabschieden. Aber das ist wükki einfach viel zu anstrengend.

Ich muss häufig an Giulia denken, wenn ich aufm Klo bin. Also dann, wenn ich mein Handy vergessen habe und das Shampoo zu weit weg ist, um auf ihm nachzulesen, wie seine Anwendung korrekt wäre. Und manchmal muss ich so ganz ohne Internet – gefangen auf der Schüssel – auch an unser sinnfreies Abwasser-System denken. Wir Idioten spülen unsere Geschäfte mit knapp neun Litern sauberem Trinkwasser in eine Kläranlage, wo wir dann mit grossem Energieaufwand das Wasser wieder zurückreinigen. Wie dumm. Weil mich unsere Schwarmblödheit so traurig und hässig macht, versuche ich so oft wie möglich, das Handy NICHT zu vergessen: Das ist in meinen Augen das absolut wichtigste Gadget für Toiletten-Gänge, so eine wichtige Rolle spielen weder die Seife noch die Faserung des Toilettenpapiers.

Giulia Enders - Darm mit Charme