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Genau, Gülsha!

Das Leben ist seltsam. Autorin und Moderatorin Gülsha Adilji über die Kuriositäten dieser Welt.

Plastik-Hell

Bloggerin Gülsha Adilji schreibt über Mutter Natur und wie die Gesellschaft sie langsam erstickt. Sie verrät, woran sie einen Delfin-Mörder erkennt und welche Diät sie lieber macht.

Ich weiss nicht, ob Sie es schon wissen, aber ich bin ein latenter Öko! Ständig den Sünden ausweichend, die unserer Welt noch Kopf und Kragen kosten werden. Für mich ist die Menschheit wie ein Kissen, das zärtlich auf das Gesicht von Mutter Natur gelegt wurde, um sie langsam zu ersticken.

Wehrlos zappelt sie nach Luft ringend herum und wünscht sich vermutlich nichts sehnlicher, als dass wir ihr den Gnadenschuss geben, oder dass WIR endlich aussterben. Wohl eher das Zweite.

Da mein Gewissen (und meine PMS) mein Leben und alle meine Entscheidungen bestimmen, versuche ich so wenig wie möglich ein Arschloch zu sein. Auch weil ich glaube, Mother Nature merkt sich, wer nett war.

Die Netten lässt sie dann nicht so lange leiden vor dem Jüngsten Karma-Gericht. Deshalb kaufe ich keine neuen Kleider, halte mich an vegane Ernährung und Kosmetika und natürlich, NATÜRLICH (!) landet nur Bio bzw. Demeter-Gemüse in meinem Einkaufskorb (in meinem Einkaufskorb aus Hartplastik).

Auch mit dem letzten Vergnügen ist nun Schluss

Als ob das nicht schon genügend anstrengend wäre und alle abnerven würde, musste ich vor zwei Wochen auch noch auf das letzte Vergnügen verzichten, was mir noch geblieben war: veganes Eis! Weil diese Idioten da jetzt teilweise Palmöl reinpantschen – oder wie ich es nenne: das Blut von Orang-Utan-Babys – verzichtete ich auf die Gelati.

Aber diese Bastarde machen da ja Plastik drumherum!

Um dann aber doch beim kollektiven Sommer-Feeling mitzumachen, holte ich mir einen Wassermelone-Schnitz beim Grossverteiler. Aber diese Bastarde machen da ja Plastik drumherum! So liess ich auch das Eis der Natur links liegen, wegen dem Ozean und so, und lief weiter gen Joghurt-Regal. Aber ein Soja Joghurt – exgüsi, ich meine natürlich Soyurt – zu löffeln auf der Fritschiwiese neben meinen Freunden, das war mir dann irgendwie doch eins zu öko und es ist ja auch in so einen verdammten Plastikbecher gefüllt.

Seit einiger Zeit muss ich also auch fast auf den Boden erbrechen, wenn es um das Thema Plastik geht. Plastik ist das Fleisch von 2018. Und es ist einfach fckin überall und niemanden scheint es zu scheren: Das Barpersonal steckt die Schildkröten-Mordinstrumente ohne mit der Wimper zu zucken in meinen Gin Tonic.

Der Strohhalm verrät, wer ein Delfin-Mörder ist

Letztes Jahr noch musste man sich einen Spezial-Nagellack kaufen, um die Vergewaltiger ausfindig zu machen; jetzt sieht man anhand vom Strohhalm im Getränk, wer ein Douchebag und Delfin-Mörder ist. Meine Haar-, Zahn- und Toilettenbürste – alles Plastik. Jedes Shampoo und Putzmittel, jede Schuhcreme und Nussmischung wohnt auch im Stoff, aus dem die Albträume der Karma-Jägerinnen gemacht sind. Dieser elende Kapitalismus macht es einfach unmöglich in den Himmel zu kommen!

Man darf nicht mehr fliegen, seinen Kaffee nicht to go nehmen und keine Möbel Sie-wissen-schon-wo kaufen. Und jetzt muss man auch noch heimlich seine iPhone Plastik-Hülle durch eine aus nachwachsendem Bambus ersetzten. Aber was soll’s, dann mache ich halt Plastik-Diät. Die ist mir dann doch lieber, als auf Pizza und Pasta zu verzichten, dort hat es auch kein Palmöl drin. Bis jetzt zumindest.

Und sonst lege ich mich langsam einfach zu Mutter Natur unters Kissen.