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Genau, Gülsha!

Das Leben ist seltsam. Autorin und Moderatorin Gülsha Adilji über die Kuriositäten dieser Welt.

Wander-Tabata

Bloggerin Gülsha Adilji schreibt über präzise Zeitangaben, Albert Einsteins Relativitätstheorie und was man beim Wandern mit ihr unbedingt beachten soll. 

Die Zeitangaben meiner Mitmenschen - ich verdrehe die Augen - betragen immer «15» oder «30 Minuten» und stimmen, dreimal dürfen Sie raten, nie. Deshalb möchte ich hier für meine Mitmenschen (Domi und Speido, ihr seid gemeint) eine Abhandlung verfassen, wie man sinnvollere Angaben machen kann (muss).

Der alte, lustige Mann mit der verrückten Frisur und trockenen Zunge hat uns ja bereits erklärt, dass Zeit relativ ist. Seine theoretischen Abhandlungen muss man nicht gelesen haben, um zu wissen, was er damit gemeint hat. Ich erkläre es sonst gerne noch in meinen Worten: 20 Sekunden während des Tabata-Intervall- Trainings fühlen sich relativ lange an im Vergleich zu einer 20-minütigen Kopfmassage.

«Wieso kommt man immer fünf, zehn oder fünfzehn Minuten zu spät?»

Diesen Aspekt kann oder muss man aber grundsätzlich nicht berücksichtigen, wenn man z.B eine WhatsApp verfasst – ich verdrehe wieder die Augen – mit Inhalt «Sorry, aber i chume 15 Min zspat». Wieso? Wieso kommt man immer fünf, zehn oder fünfzehn Minuten zu spät? Nie sind es siebeneinhalb oder zwölf Minuten. Es ist eine Lüge und alle Beteiligten willigen stillschweigend in sie ein. Wie gesagt, ich verlange noch nicht mal, dass man die Albert-Sache in die Zeitrechnung nimmt à la «Sorry, ich bin 15 Min zu spät, aber sie werden sich für dich so anfühlen wie 28 Minuten, weil Du bei 32 Grad im Schatten an der Bushaltestelle auf mich warten musst», NEIN! Ich will ja nur, dass ich eine realitätsnahe Einschätzung der Verspätung erhalte.

Oder wenn ich wandern gehe – trrrrrrrrrrrrrr (das Geräusch meiner Augen) – und einen meiner Wanderfreunde, Domi, nach fünf Stunden und 43 Minuten Berg-Kraxeln frage, wie lange es denn noch dauern würde, und er mir ohne Umschweife und ohne gross zu überlegen antwortet, es dauere noch 30 Minuten bis zum nächsten Dorf und von dort aus nochmal 30 Minuten bis zur Berghütte. Aha! Was für ein absurder Zufall, dass ich genau in der Sekunde gefragt habe, in der wir noch exakt zweimal eine halbe Stunde Wandern vor uns haben. Und die Gesamtstrecke perfekt durch ein random Dorf in der Mitte in zwei identisch lange Wanderwege geteilt ist! Hätte ich nur ein paar Meter vorher oder nachher gefragt, phaa! Verrückt, nicht wahr?! Interessant ist auch, dass ich einen Murmeltier-Bau vorher meinen anderen Wanderfreund, Speido, gefragt habe, wie lange ich denn noch dieses Wandern im Regen und bei sieben Grad im August ertragen müsse, dieser genau das Selbe geantwortet hat! VERRÜCKT!!

Bitte nur realistische Zeitangaben! 

Nein, nicht verrückt, aber grausam. Gülsha bei unter zehn Grad und nach über fünf Stunden laufen so derbe anzulügen, das kann nicht gut gehen. Wenn ich also das nächste Mal wieder mitkommen sollte auf irgendwelche Geröll-Wege und weiss-rot-weisse Steilhänge (not gonna happen the next 230 years), dann bitte ich höflichst darum, mir realistische Zeitangaben zu geben, wenn ich danach frage. Damit ich die Möglichkeit habe zu entscheiden, ob ich die Rega rufe, um mich aus dem Schlamassel rauszuholen, oder ob ich das Ganze nochmal 20 Sekunden durchziehe, wie beim Tabata, und dann nochmal 20 Sekunden und nochmal.

Was apropos mein Rezept ist für perfekte Zeitangaben, wenn jemand fragt, wie weit weg irgendeine Berghütte/Grillstelle/Toilette denn noch sei: «Nicht so lange wie sich ein Tabata-Workout anfühlt.»