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Genau, Gülsha!

Das Leben ist seltsam. Autorin und Moderatorin Gülsha Adilji über die Kuriositäten dieser Welt.

WWAMD – What Would A Millennial Do

Millennials bringen entweder meine Augen zum Rollen – so, dass man für eine ungesund lange Dauer nur noch das Weisse sieht – oder sie pushen mein Selbstvertrauen in die Stratosphäre. Etwas dazwischen kann ich für sie nicht empfinden. 

Vermutlich bin ich nicht gaaaanz sicher, ob ich Millennials unendlich nervig finde oder ob ich diese Mittzwanziger in die Ablage «sehrinspirierende-steh-auf-Menschlein» stellen will, wo ich sie dann im Zweifel immer fragen kann: «Was würdest Du jetzt tun an meiner Stelle?»

Nix können sie zu Ende bringen, noch nicht mal eine Auszeit oder eine Netflix-Serie

Diese Gruppe ist manchmal einfach massiv schwer auszuhalten. Wenn sie zum Beispiel komplett überrascht werden von der Tatsache, dass sie noch keine Millionäre wurden durch ihre T-ShirtSpruch-Idee… augenroll. Nix können sie zu Ende bringen, noch nicht mal eine Auszeit oder eine Netflix-Serie. Hinzu kommt dieses affektierte Interesse an absurden Dingen wie Designermöbeln, Jazz-Schlagzeugsolos und japanischen Aal-Rezepten.

Und diese mitleidigen Blicke, die sie monogamen Paaren zuwerfen, weil Monogamie in ihrem Mikrokosmos eine «überholte konservative Beziehungskonstruktion» ist. Denn die Generation Y hat das Zauberrezept für die Partner-Erfüllung gefunden: Dank den Tipps und Tricks aus dem Buch «Ethical Slut» suhlen sie sich freudigst in der Polygamie und halten sich neuste Mutationen von komplexen Geschlechtskrankheiten und mehrstufigem Liebeskummer wie Haustiere.

Als würden sie jeden Morgen in Selbstvertrauen baden

Gleichzeitig finde ich es aber faszinierend, mit welcher Nonchalance und Leichtigkeit sie auf Instagram Werbung machen für ihre selfmade Toilettenpapierrollen-Überzüge aus Lederresten; als würden sie jeden Morgen in Selbstvertrauen baden und dann die ganze Wanne auch noch austrinken. Und in meinen Augen haben sie perfekt verstanden, dass man nicht etwas zu Ende studieren braucht, was man nicht inspirierend genug findet.

Es ist nicht ganz dumm, genau so lange das Studium zu wechseln, bis man etwas Sinnstiftendes gefunden hat, oder nach der Lehre etwas komplett Anderes und Selbsterfüllendes zu machen, ohne irrationale Ängste vor finanzieller Unzulänglichkeit.

Mit der nächsten Influencer-Marketing-Strategie klappts

Ihnen raubt MDMA den Schlaf in der Nacht und sicher nicht Geldsorgen. Es ist der Generation Y scheissegal, wenn sie zwei bis acht Monate auf Pump lebt, weil sie weiss: Mit der nächsten Influencer-Marketing-Strategie oder einer neuen Gourmet-App knackt sie den Markt und wird sowieso unangenehm reich. Diese Angst vor «Ich-kann-meine-Miete-nicht-zahlen» wurde Millennials nicht in die Genetik genäht; im Gegenteil, die Wohnung nicht bezahlen zu können, verwandeln sie dann zu einer Systemkritik und politisieren auf Social Media gegen Gentrifizierung und zu hohe Mieten. Immer haben sie was Spannendes zu tun und wenn man sie zu lange unbeschäftigt lässt, zack, haben sie sich zu einer neuen Sprayer-Crew formiert oder sind dank zwei TED-Talks zu Experten von irgendwas geworden.

Wenn ich ehrlich bin, nerven sie mehr, als dass sie tatsächlich als Vorbild dienen. Und das grenzenlos Nervigste, also das absolut Allerschlimmste, sind Millennials, die sich über Millennals aufregen, eine Kolumne darüber schreiben und selber absolut zu diesen Millennials gehören. Wuak.