Golden Moment

Musiker Bobby McFerrin sagt, JEDE Stunde unseres Lebens enthalte einen Golden Moment. Ist dem wirklich so?

Selten hatte ich solch zittrige Knie wie vor dem Interview mit Musiker Bobby McFerrin am letzten Samstag.

(Kleine Zwischenbemerkung: Jaaa, Bobby McFerrin, das ist der "Don't worry be happy"-Typ.)

Der Grund: Vor Publikum ein einstündiges Gespräch zu führen (das spannend und unterhaltsam sein soll, ohne langfädige Momente) ist ein hochgestecktes Ziel.

Erst einmal habe ich ein solches geführt - mit dem Journalisten Ulrich Tilgner, einem wandelnden Lexikon, der mir in bunten Farben, eloquent und witzig und nachdenklich und mahnend, über sein Leben in Teheran berichtete.

Nun also Bobby McFerrin, der Musiker und Vokalkünstler, der auf der Bühne am liebsten Acapella-Improvisationen zeigt.

Man hatte mich schon im Vorfeld ermahnt, "Don't worry be happy" nicht zu erwähnen. Klar, wer seit über 30 Jahren auf den grossen Bühnen dieser Welt auftritt, Musikstücke schreibt, die ihresgleichen suchen, als Dozent tätig ist und alles ausprobiert, was auf irgendeine Art und Weise mit Musik zu tun hat, der möchte nicht mit einem banalen "One-Hit-Wonder" in Verbindung gebracht werden.

Muss er auch nicht: Bobby McFerrin ist mehr und kann mehr.

Auch wenn er zunächst etwas gar abtastend vorsichtig mich beäugte (hat sie sich genug auf mich vorbereitet?), entstand ein erquickendes Gespräch, das sich wie ein Fluss durch die Stunde schlängelte, da und dort einen Lacher verursachte, aber auch zum Nachdenken anstimmte.

Zum Beispiel, als er mit einer unbeirrbaren Bestimmtheit sagte, dass JEDE Stunde des Lebens einen "Golden Moment" in sich trage. Man müsse nur mal den Tag mit dieser Vorgabe Revue passieren lassen.

Hm. In JEDER Stunde des Lebens? Gibt es wirklich alle 60 Minuten einen Glücksmoment, ein Lächeln, ein Zufriedensein, etwas, das wir als "Golden Moment" bezeichnen könnten?

Wenn man sich eine Viertelstunde hinsetzt und mal darüber nachdenkt, wirbeln spannende Erinnerungen, Gedanken, Fragen durch den Kopf.

Für mich war diese Aussage der Golden Moment der Stunde.

Danke Bobby (und danke an all die unbekannten Freiwilligen, die abends auf der Bühne mit ihm spontan als Tänzer und Sänger performten. Die einen unglaublich toll, die andern unglaublich ... mutig. Ein einzigartiger Abend. Und ganz weit weg von irgendwas normalem, banalem.)

Und irgendwie erinnerte mich diese Aussage aber doch wieder an McFerrins "Don't worry, be happy." Sorgenfalten weg, Miesepetrigkeit adieu, etwas mehr lächeln - und die Golden Moments kommen von alleine... oder?