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Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Im Herzen herzlich sein

Freundlich sind die meisten. Aber richtig herzlich? Gerade für Gastro-Angestellte eigentlich eine wichtige Eigenschaft. Spitzenkoch Dario Cadonau weiss aber: Antrainieren kann er sie seinen Leuten nicht.
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© Getty Images

Herzlichkeit auf dem Teller: Enweder man besitzt die Leidenschaft für seinen Job oder nicht.

Als Hotelier und Gastgeber schaue ich immer wieder und natürlich auch total unbewusst auf herzliche Menschen. Gerade war ich mit meiner Frau ein paar Tage in einem tollen Hotel. Freundlich waren Sie alle. Doch was uns zwischendurch immer wieder störte, sind eben die «nur» freundlichen Menschen. Wir sind gerne umgeben von Herzlichkeit, von Wärme und von Leidenschaft.

Der Duden beschreibt Herzlichkeit so: Aufrichtigkeit, Echtheit, Ehrlichkeit, von innen kommende Freundlichkeit, herzliche Verhaltensweisen.

Genau das ist es. Doch sehr viele Menschen, gerade in der Gastronomie, sind sich nicht bewusst, dass sie zwar freundlich sind, jedoch keinesfalls herzlich. Das ist sehr schade. Ich bin der Meinung, dass es viele Menschen gibt, die im falschen Beruf arbeiten und nicht an die Front beziehungsweise in die Gastronomie gehören. Ein Mensch, der von sich aus im Gastro-Bereich tätig ist, der schon in sein «Freunde-Buch» als Berufswunsch Hotelier, Servicefachangestellte oder Gastgeber geschrieben hat, der ist mit Garantie in seinem Innern ein herzlicher Mensch. Er liebt seinen Job, er liebt die Menschen, und er hat Freude zur Arbeit zu gehen. Er zieht sich gerne schön an für die Gäste und kommt gepflegt daher. Ein sogenannter Traum-Mitarbeiter.

Ein herzlicher Mitarbeiter, ein herzlicher Mensch, ist für ein Unternehmen äusserst wichtig. Er steckt mit seiner Art die anderen Mitarbeitenden an, er ist beliebt bei den Gästen, er schaut nicht minutengenau auf die Uhr, und er sieht gut aus - ganz automatisch, wenn jemand grosse Freude am Beruf hat.

Kann man das den Mitarbeitenden beibringen? Einige sagen Ja andere sagen Nein. Ich glaube nicht, dass echte Herzlichkeit geschult werden kann. Entweder ein Mensch hat Freude am Beruf und ist automatisch herzlich - oder eben nicht.

Ich glaube, dass wir die Herzlichkeit relativ schnell spüren. Wenn ich neue Mitarbeitende einstelle, kann sogar ein erstes Telefongespräch zu einem klaren Ja oder zu einer Absage führen. Gerade bei Mitarbeitenden, die im Betrieb oft Telefonanrufe entgegennehmen müssen, ist die Entscheidung innert Sekunden getätigt. Viele Bewerber sind sich dessen gar nicht bewusst. Aus Mitarbeiter-Not, habe ich auch schon drüber hinweg geschaut. Doch die Realität holt einen schnell ein, sobald die Person vor Ort und bei den Gästen ist. Schulen, schulen, schulen, heisst die Devise. Die Mitarbeiter muss man so formen, wie man sie haben will.

Bestimmt gibt es viele Dinge, die man schulen und lernen kann. Die echte Herzlichkeit lernen, klappt jedoch in den seltensten Fällen. Und zum Schluss ein kleiner Tipp, wie man eben doch herzlich werden kann, wenn man dies von Herzen möchte:

Die Tugend der Herzlichkeit hilft, zu einem Menschen aus Herz zu werden. Die Herzlichkeit wird auch als Wesen der Freundschaft benannt. Es ist eine Freundschaft, die im Herzen wurzelt, weil die Liebe eben ihren Sitz im Herzen hat.

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