haus und herd

Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Die heutige Jugend

Blogger und Gourmetkoch Beat Stofer bereitet es Freude, mit Jugendlichen zusammenarbeiten zu können. Deshalb bildet er im Hotel Balm in Meggen jedes Jahr zwei bis drei Lehrlinge aus.

Unsere Familie bildet nun schon seit 35 Jahren Lehrlinge im Hotel Restaurant Balm aus. Mit Stolz können wir sagen, dass ausnahmslos alle die Abschlussprüfungen erfolgreich abgeschlossen haben. Viele konnten sogar das Abschlussdiplom mit Ehrenmeldung entgegennehmen. Aber wieso bilden wir in unserem Betrieb überhaupt junge Menschen zu Berufsleuten aus?

Ich bin der festen Überzeugung, dass man in einem Hochlohnland wie der Schweiz nur mit Qualität im heutigen Markt bestehen kann. Um dies zu erreichen, benötigen wir gut ausgebildete Fachkräfte - deshalb nehmen wir jedes Jahr zwei bis drei Lehrlinge in unserer Brigade auf. Ausserdem profitieren der Betrieb und ich selbst von den Auszubildenden. Es tut mir gut, junge Menschen um mich zu haben, denn ich habe das Gefühl, dass man auf diese Art und Weise im Geiste aufgeschlossener und moderner bleibt.

Wenn ich mich aber mit Berufskollegen austausche, höre ich von Zeit zu Zeit Kommentare wie: «Ich bilde keine Lehrlinge mehr aus!» oder «Die heutige Jungend ist nicht mehr wie früher!»

Solche Kommentare gingen mir früher, als ich noch Lehrling war, gewaltig auf die Nerven. Und auch heute noch gehen sie mir auf die Nerven. Denn ich mache tagtäglich die Erfahrung, wie sich unsere jugendlichen Mitarbeiter ins Zeug legen, um die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Die heutigen Jugendlichen sind nicht besser oder schlechter als wir es früher waren. Aber sie sind sicherlich anders - denn sie leben in einer Welt, die viel komplexer geworden ist. Die Anforderungen, die sie erfüllen müssen, sind viel höher als vor 20 Jahren.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, wieso sich Betriebe vermehrt vor der Lehrlingsausbildung drücken? Ist es die zunehmende Bürokratie, die wir auf uns nehmen müssen? Wissen viele Köche den Umgang mit Frischprodukten nicht mehr zu lehren, weil leider vielerorts oft Fertigprodukte verwendet werden? Ist es Bequemlichkeit? Hat der Hotelier Angst, weil mit Auszubildenden der eine oder andere Fehler mehr passieren kann? Sind es Konflikte mit Eltern? Es gibt da so viele offene Fragen, die man sich stellen kann. Ich denke, jeder sollte sich diese Fragen selber stellen und hoffentlich die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Für die bevorstehenden Lehrabschlussprüfungen wünsche ich unseren beiden Servicelehrlingen Stefanie und Franziska alles Gute und natürlich viel Glück. Auf dass Ihr Eure Nerven im Griff habt.

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