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Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Die Jungen taugen nichts mehr?

Gastronom Jörg Slaschek kann die Diskussion um junge Taugenichtse nicht mehr hören. Der Blogger findet, man muss dem Nachwuchs eine Chance geben, ihn fördern und auch fordern. Darum geht der Gourmetkoch mit bestem Beispiel voran.

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, denn schon mein Lehrmeister hat diesen Satz ständig verlauten lassen. Auch werden die Themen «Wieso gibt es keine motivierten jungen Köche mehr?», «Freizeit ist das Wichtigste für die Jugend» und «Desinteresse» immer wieder diskutiert. Da mich diese Aussagen und Fragen schon damals als junger Spund verfolgt und genervt haben, bin ich ständig auf der Suche nach jungen «Stars».

Deshalb war für mich das Angebot der Zeitschrift «Marmite», als Juror beim Youngster-Anlass teilzunehmen, ein ganz klares Ja! «Marmite», die Zeitschrift für Ess- und Trinkkultur, hat 2011 eine neue Auszeichnung für den Kochnachwuchs in der Schweiz geschaffen. Zum zweiten Mal fahndete «Marmite» 2012 nach dem besten Jungkoch der Schweiz. Die «Marmite Youngster Selection» steht für die Liste mit den 50 grössten Kochtalenten in der Schweiz. Somit war es für mich natürlich eine Ehre, die Nummer 1 zusammen mit Ivo Adam und André Jaeger küren zu dürfen.

Schon die Auswahl der Top 10 war schwierig. Das diesjährige Thema «Wallis» war so ideenreich und kreativ umgesetzt, dass es uns nicht leicht fiel, die zehn Besten herauszupicken. Zwölf Stunden diskutierten wir alleine darüber, und mir ging das Herz auf, als ich sah, wie viele junge motivierte Köche es doch gibt. Ganz klar ist für mich: Die jungen Talente sollten gefördert und gefordert werden! Denn wenn wir dies nicht tun und uns damit zufrieden geben, dass die Jugend ja eh nichts taugt, wird das wohl zwangsläufig auch so passieren.

Also plante ich letztes Jahr einen Event mit den Youngsters Mauro Gianinazzi und Micha Schärer zur «Ménage à trois» in meinem Gourmetrestaurant. Eigentlich war es bis zum Schluss eine «Ménage à quatre», denn zu meiner grossen Freude bekam meine ehemalige Auszubildende Anna Kaiser doch noch frei und übernahm das Dessert. Es war ein wahnsinnig spannendes Projekt. Zu sehen, wie die drei Jungköche diese Sache ernst nahmen, keine Mühen und Zeiten scheuten und am besagten Tag in einer fremden Küche (auch immer eine Herausforderung) Stunde um Stunde ihre Gänge vorbereiteten, kochten und anschliessend meinen anspruchsvollen Gästen präsentierten. Es war ein Abend der Extraklasse! Alle Gäste waren hellauf begeistert. Einige haben schon gleich für den nächsten Youngster-Anlass im Attisholz reservieren wollen. Also wird er auch in diesem Jahr, genau genommen am Sonntag, den 17. März 2013, wieder stattfinden. Für mich schon alleine deshalb, um wieder zu sehen, mit wie viel Ehrgeiz, Motivation und Enthusiasmus die Jungköche bei der Sache sind. Klar fehlt ab und an die Erfahrung - aber diese kommt ja mit den Jahren. Und ich bin mir einmal mehr sicher: Unser Handwerk und seine Zukunft ist gesichert.

Übrigens: «Marmite» und ich planen ein Event im kommenden Jahr mit den 50 besten jungen Servicefachangestellten.

Alle «Haus und Herd»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.