haus und herd

Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

«Nur für einen Salat gehe ich doch nicht ins ‹Attisholz›!»

Ein Gourmet ist arrogant, überheblich und besserwisserisch? Spitzenkoch und Blogger Jörg Slaschek kämpft gegen dieses Vorurteil. Und er weiss: Für eine gute Mundpropaganda muss man hart arbeiten.
Blog Haus und Herd Juerg Slaschek Gourmet Vorurteile Salat
© Getty Images

Spitzenkoch Jörg Slaschek will seine Gäste verwöhnen - auch gerne mal mit «nur» einem kleinen Salat.

Ein wenig erschreckend, wie «snobby» sich unser Restaurant in den Köpfen der Menschen eingebrannt hat! Natürlich lege ich Wert auf Qualität, sowohl im Service als auch beim Kochen. Ich verwende beste Produkte - und das sowohl im Gourmet-Restaurant als auch in der Gaststube.

Der Unterschied in meinen beiden Restaurants ist doch ganz deutlich: Der vordere Bereich, die Gaststube, verrät schon mit dem Namen seine Bodenständigkeit. Klar, auch hier gibt es ein 3- oder 4-Gang-Menüs, aber wenn es doch «nur» ein Salat sein soll, wird Sie keiner vorwurfsvoll anschauen. Mal ganz abzusehen von unserem beliebten Tagesteller, den man am Mittag für 22 Franken inklusive einer kleinen Vorspeise auch schnell mal in der Mittagspause geniessen kann. Woher kommt also dieses Image: Das «Attisholz» ist anspruchsvoll, da geht man nur bei besonderen Feierlichkeiten dahin?

Ein Punkt ist sicherlich der Ruf vorheriger Zeiten. Der grössere Faktor ist aber unser Gourmetrestaurant «le feu». Und viele Leute assoziieren Gourmet mit Arroganz, Überheblichkeit und Besserwisserei.

Na klar, hier ist meine Spielwiese, hier geht es um Feuer, Leidenschaft, Romantik und Emotionalitäten! Ich lebe hier meine Perfektion und Kreativität aus. Sie als meine Gäste möchte ich auf allerhöchstem Niveau kulinarisch verwöhnen. Natürlich kann ich es mir als Gastgeber dann nicht nehmen lassen, zwischendurch zu schauen, wie es meinen Gästen geht. Und dann gibts auch gerne mal einen lockeren Spruch mit den manchmal angespannten Gästen. Denn hier im Gourmetrestaurant darf man auch mal lachen, und vor allem sollte es doch um eins gehen: ums sich wohlfühlen.

Unsere Gäste sind auch oft erstaunt, dass es ebenso im Gourmetlokal möglich ist, à la carte oder «nur» ein 3- oder 4-Gang-Menü zu bestellen. Es ist schon erstaunlich, wie einfach es ist, Restaurants «abzustempeln». Ihre Freunde sind bei uns zu Gast, erzählen Ihnen von dem Abend, erwähnen vielleicht sogar noch, wie wunderschön es gewesen ist. Aber sagen gleichzeitig auch: «Aber hundert Franken für das Menü pro Person ist schon viel…» Dass sie im Hauptgang ein ordentliches Stück Bisonfilet gehabt haben, verschweigen sie jedoch. Und schon hat sich der Gedanke, dass das Restaurant zu teuer ist, im Kopf festgesetzt - und zwar nicht nur im Gourmet-Bereich, das ganze «Attisholz» wird verurteilt.

Für eine gute Mundpropaganda muss man hart arbeiten. Die schlechte kommt von ganz allein, fast nebenbei und das oft ungerechtfertigt. Letztendlich sollte sich jeder sein eigenes Bild machen, doch wenn einmal Vorurteile da sind, ist es schwierig, diese wieder aus den Gedanken herauszubekommen. Ich bin deshalb sehr glücklich über unsere Stammkundschaft, die uns teilweise schon seit Jahren die Treue halten. Herzlichen Dank, dass diese immer wieder mal ein gutes Wort verbreitet!