haus und herd

Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Markenklamotten gegen Gourmet-Tempel

Spitzenkoch Jörg Slaschek vom Restaurant Attisholz tut sich schwer mit dem «jungen Gemüse». Der «CigarMan of the Year» kann nicht verstehen, wieso die Jugend nicht bereit ist, für gutes Essen Geld auszugeben. Schliesslich können Handy und Kleider doch auch nicht teuer genug sein.
Junge Leute mit Shoppingtüte
© Getty Images

Für die neusten Modetrends oder technischen Spielereien sitzt bei jungen Leuten das Geld locker. Wenn es aber ums Essen geht, wird gespart.

Wenn ich gut essen gehen möchte, dann auch richtig. Mit allem Drum und Dran. Ich möchte sehen, erleben und geniessen, was so um mich herum in der gehobenen Gastronomie los ist und achte natürlich auf jedes kleine Detail. Nur nicht auf den Franken. Ich finde einfach «wenn schon, denn schon» - und würde mich niemals auf etwas Anderes einlassen. Vielleicht liegt das bei mir ja an der «Berufskrankheit». Aber wie sieht das sonst so mit den Schweizern aus?

Ich hatte neulich ein interessantes Gespräch mit einem (wirklich!) jungen Fotografen, der sein Herz an gutes Essen verloren hatte. Er erzählte mir, dass er pro Monat viel Geld in Gourmet-Tempeln ausgibt. Ganz zum Unverständnis seiner Freunde. Der Fotograf reklamierte: «Ich verstehe nicht, warum man mir einen Vorwurf daraus macht, dass ich geniesse. Meine Kollegen geben das gleiche Geld im Monat in Diskotheken und Billig-Restaurants aus. Ich gehe dafür eben fantastisch essen und freue mich nicht über den XXL-Burger zum halben Preis. DAS finde ich viel verwerflicher.»

Ich finde er hat recht! Es ist wunderbar, dass es so junge Leute wie ihn noch gibt. Denn: Was gibt es schöneres, als wirklich geniessen zu können? Genuss ist Leben, Fühlen und Lieben. Doch woher kommt diese «Geiz ist geil»- und «Wenig will viel»-Einstellung? Das ist falsch formuliert. Denn das teuerste Handy und die Markenklamotten müssen es ja schon sein. Also: Warum wird an gutem Essen gespart?

Ich kann es mir einfach nicht erklären und für mich ist es absurd, sich mit Fertigprodukten zufriedenzustellen. Mir fällt persönlich auf, dass die 20- bis 30-Jährigen selten zu uns ins Restaurant kommen. Ich glaube, es liegt an der Milch-Mädchen-Rechnung der jungen Leute. Teilt man 175 Franken durch neun Gänge, kostet ein Gericht 19 Franken 50. Darin inbegriffen ist natürlich hausgemachtes Brot, beste Produkte, neue Eindrücke und ein pures Erlebnis. Der Abend mit solch einem Menü ist wie ein Musical oder ein Theater: Man muss nur seine Sinne schärfen und ihnen freien Lauf lassen. Und natürlich muss es ja nicht gleich das grosse Menü sein. Auch die kleinen erweitern schon den Horizont.

Erschreckt habe ich mich neulich im Gespräch mit einer jungen Dame: Sie sagte doch tatsächlich, dass meine Bouillon, keine echte Bouillon sei. Ihre «Quicklunch»-Brühe sei viel intensiver und auch noch viel günstiger! Das ist eben Industrie und ein Beweis für mich, dass unbedingt etwas getan werden sollte. Denn viele Produkte werden von den jungen Persönlichkeiten gar nicht mehr in ihren ursprünglichen Geschmäckern wahrgenommen.

Deshalb bitte ich Euch: Fangt an zu geniessen, zu entdecken und richtig zu essen!

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