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Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Kennen Sie Fugu?

Blogger und Spitzengastronom Dario Cadonau vom Hotel In Lain in Brail fragt sich, wer schon mal den giftigen Kugelfisch Fugu probiert hat. Und wünscht denjenigen einen guten Appetit, die es demnächst einmal vorhaben.

Sie lieben Nervenkitzel und haben keinerlei Ängste? Dann ist dieser Blog genau das Richtige für Sie! Bereits seit mehreren Jahrzehnten suchen die Menschen immer wieder nach dem besonderen Adrenalin-Kick! Manche bevorzugen Tandemsprünge aus Flugzeugen, andere stürzen sich von hohen Brücken mit einem Bungee-Seil. Ich möchte Ihnen heute einen ganz anderen Nervenkitzel vorstellen.

Fugu - in der Schweiz auch bekannt als Kugelfisch. Mit einer Körperlänge von zwei (Zwergkugelfisch) bis maximal 120 Zentimetern (Riesenkugelfisch) wirkt er rein optisch nicht wirklich erschreckend. Im Gegenteil, die meisten Leute fragen sich, ob dieser Kugelfisch überhaupt schwimmen kann. Durch die fehlende Bauchflosse kann er sich zwar nur sehr langsam fortbewegen, dafür ist er aber äusserst wendig. Kugelfische können sowohl vorwärts als auch rückwärts schwimmen, aufwärts und abwärts steigen.

Aber zur eigentlichen Frage: Warum sind Kugelfische gefährlich? In Japan gilt er als Delikatesse. Allerdings befindet sich in seinem Muskelfleisch der Giftstoff Tetrodotoxin. Eines der stärksten Gifte, das in der Natur vorkommt. Wird der Fisch falsch filetiert, kann das tödlich enden. Zu Ihrer Beruhigung: Laut einer Statistik sind es nur fünf Menschen pro Jahr, die den Genuss des Fugu nicht überleben. In den Jahren von 1956 bis 1958 gab es allerdings 420 Todesfälle. Mittlerweile hat die Regierung gehandelt. Jeder Japaner, der mit Fang, Handel oder der Zubereitung der Kugelfische zu tun hat, muss eine spezielle Lizenz erwerben. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurden die Regeln erneut verschärft. An den Küsten Japans wurden spezielle Fanggebiete festgelegt. Um zu verhindern, dass Ware aus verseuchtem Gewässer den Weg in den Handel findet.

Trotz der grossen Gefahr lieben die Japaner ihren Fugu. Der kaiserlichen Familie wird Kugelfisch aus Sicherheitsgründen allerdings nicht aufgetischt. Kugelfisch ist in der Schweiz und vielen anderen Ländern verboten. So müssen Probierlustige den weiten Weg nach Japan auf sich nehmen. Besonders beliebt ist das Fugu Sashimi. Liebhaber berichten von einem unvergesslichen Geschmackserlebnis. Das Sashimi sei zart und fest, sahnig und würzig zugleich. Um den Geschmack intensiver wahrzunehmen, wird der Fisch meist roh in hauchdünne Scheiben zerlegt und gegessen. Zwei bis drei Scheiben werden dann übereinander gelegt und gegessen oder als Suppe zubereitet. Auf den Teller kommt natürlich nur das ungiftige Filet. Um den Fisch zu filetieren und das Gift zu entfernen, werden spezielle Messer verwendet. Fugu Hiki nennen die Japaner ihr sogenanntes Abzieh-Messer, dass sich regional in der Klingenform unterscheidet.

Im Meer findet man die Fugus meist in warmen und tropischen Küstenregionen über Korallenbänken oder Seegraswiesen. Tauchern gehen die schüchternen Fische meist aus dem Weg. Bei Gefahr pumpen sie sich auf, um ihre Angreifer abzuschrecken. Stacheln, die sonst eng am Körper anliegen, stehen nun nach aussen und fungieren als Widerhaken. Durch die Volumenvergrösserung ist es für Raubtiere fast unmöglich, den Kugelfisch zu verschlingen.

Übrigens: Spätestens nach 15 Minuten setzt im Falle einer Fugu-Vergiftung die Körperlähmung ein. Nach ungefähr drei Stunden die erfolgt dann die komplette Lähmung mit Atemstillstand.

Haben Sie bereits einmal einen Kugelfisch probiert? Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück dabei!

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