haus und herd

Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Kurztrip nach Athen

Spitzenkoch Beat Stofer gönnte sich eine Auszeit. Er hat den Kochlöffel zu Hause gelassen und Freunde in Griechenland besucht. In seinem Blog schildert er seine Eindrücke.
Kochblog Beat Stofer, Kurztrip nach Athen
© Getty Images

Koch Beat Stofer hat neue Seiten an Griechenland entdeckt.

Letzte Woche bin ich für vier Tage nach Athen gereist, um meinen Studienfreund Nico zu besuchen. Vor elf Jahren haben wir zusammen die Hotelfachschule in Luzern abgeschlossen, und danach den Kontakt und die Freundschaft aufrechterhalten. Seit dem Abschluss war ich vier Mal für einige Tage auf Besuch bei Nicos Familie. Jedes Mal war ich total begeistert von der Leichtigkeit, wie die Griechen das Leben bestreiten. Ich fand es toll, wie aus einem geordneten Chaos heraus, am Schluss alles funktionierte.

Manchmal habe ich mir insgeheim für die Schweiz auch eine Tranche Griechenland gewünscht. Etwas mehr Leichtigkeit, Lebensfreude etc. Der letzte Besuch jedoch hat mich sehr bedrückt. Die politischen und finanziellen Probleme scheinen ein ganzes Volk zu lähmen. Es herrschte eine leicht melancholische, nachdenkliche Stimmung. Das südländische Temperament habe ich bei diesem Besuch von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Irgendwie scheinen die Menschen zu resignieren.

Ich hatte das Gefühl, dass irgendwie die Luft draussen ist. Eine Baustelle, die nie endet. Ich glaube, die Griechen wünschen sich heute, dass sie sich eine Tranche von der Schweiz abschneiden könnten. Diese Kurzreise hat mir wieder einmal die Augen geöffnet. Ich halte es für ausserordentlich wichtig, von Zeit zu Zeit mal über die Grenzen hinaus zu schauen. Denn so merkt man, dass es uns in der Schweiz doch ziemlich gut geht.

Es war toll, meine griechischen Freunde wieder einmal zu sehen und sich auszutauschen. Ich habe mich gut erholt und bin sehr zufrieden, wie unser Leben in der Schweiz funktioniert. Auch wenn es mir von Zeit zu Zeit sehr engstirnig vorkommt. Für Griechenland wünsche ich mir, dass es sich in Zukunft in eine positive Richtung entwickelt. Und dass ich beim nächsten Besuch das südländische Temperament wieder von seiner gewohnten Seite kennenlerne.