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Haus und Herd

Vier Spitzenköche tauschen Küchenschürze gegen Tastatur.

Lozärner Fasnacht - die 5. Jahreszeit

Jedes Jahr wieder tauscht Blogger Beat Stofer die Kochschürze gegen ein Fasnachtskostüm. Der Spitzenkoch vom Hotel Balm in Meggen erholt sich während der 5. Jahreszeit vom Alltagsstress und kann so endlich mal wieder den Kopf lüften.

Kurz nach Silvester beginnt bei uns in Luzern sowie in der ganzen Zentralschweiz die sogenannte 5. Jahreszeit. Ich weiss, dass sich viele Menschen mit der Fasnacht gar nicht anfreunden können. Oft hört man auch, die Fasnacht sei ein grosses Saufgelage und so vieles mehr! Diese Ansichten kann ich ganz und gar nicht teilen. Für mich ist diese Zeit sehr wertvoll im zwischenmenschlichen sowie im kreativen Bereich. Ich schildere Ihnen in den nächsten Zeilen, wie ich diese Zeit erlebe.

Seit zehn Jahren bin ich Mitglied der Maskenliebhabergesellschaft der Stadt Luzern. Wir existieren seit beinahe 200 Jahren und sind mittragend in der Organisation der Luzerner Fasnacht, dem sogenannten LFK (Luzerner Fasnachtkomitee). Im September starten wir mit der Suche nach einem Sujet. Das benötigt meistens zwei bis drei Abende unter Gleichgesinnten. Ebenfalls machen wir uns Gedanken, wie wir das Motto umsetzen können. In diesem Jahr wählten wir das Sujet «Ueli der Gripen-Knecht». Da wir schon im September mit Basteln beginnen, ist es uns wichtig, dass wir ein Sujet haben, das im Februar noch aktuell ist. Wir legen uns meistens auf ein politisches Thema fest. Dies kommt daher, weil die Maskenliebhabergesellschaft ihren Ursprung im liberalen Gedankengut hat.

Nach der Sujetwahl treffen wir uns zirka 15 Abende im Fliegerschuppen auf der Luzerner Allmend, um den Wagen, die Kleider sowie die «Grende» zu basteln. Es ist selbstverständlich, dass jedes Jahr alles von Grund auf neu entsteht. Diese gemeinsame Zeit unter Gleichgesinnten geniesse ich ausserordentlich. Es ist für mich ein Ausgleich zum Geschäftsleben. Ich kann so mit Freunden zusammen sein, die kreativ sind und für eine gewisse Zeit die Alltagssorgen beiseitelegen.

Nach der ganzen Vorbereitungszeit freue ich mich dann auf die schönsten Tage des Jahres. Diese beginnen am Schmutzigen Donnerstag und enden für Hartgesottene am Aschermittwoch. Donnerstag frühmorgens die Fritschi Tagwache, danach der Umzug durch die Stadt und am Abend das Geniessen der vielen Masken und Verkleidungen, welche man in der ganzen Stadt sieht. Ich staune jedes Jahr von Neuem, mit wie viel Kreativität sich die Fasnächtler präsentieren.

Da ich zurzeit in der Königsböögen-Gruppe (Narrengruppe) der Maskenliebhabergesellschaft aktiv bin, habe ich noch einige andere Termine wahrzunehmen. Wir begleiten unseren Präsidenten bei offiziellen Anlässen. Ebenfalls nehmen wir als Tänzer an der Altersfasnacht am rüüdigen Samstag im Casino teil. An diesem Anlass sind etwa 500 Rentner anwesend. Es ist faszinierend, wie die älteren Leute sich freuen, wenn die Delegationen der Zünfte und Gesellschaften sie besuchen kommen.

Am Güdismontag beginnt der Tag mit der Tagwache der Weyzunft. Danach gibts nochmals den Umzug durch die ganze Stadt. Am Abend organisieren wir den «Goldigen Grend» (Oscar der Lozärner Fasnacht). Dies ist die Prämierung der besten Masken. Wir organisieren diesen Anlass jeweils im Hotel Schweizerhof. Den Dienstag lassen wir ruhig angehen. Wir waren mit den Kindern am Kinderumzug. Danach besuchten wir die Prämierung des Umzugssujets. Wir konnten uns über einen tollen 3. Rang für unser Sujet «Ueli der Gripen-Knecht» freuen. Leider hat an diesem Dienstagabend das Wetter nicht mitgemacht. Wir mussten mit unseren frierenden und durchnässten Kindern schon früh den Weg nach Hause einschlagen.

Ich blicke zurück auf eine Zeit, die viel Lebensfreude und Bekanntschaften brachte. Ich konnte so richtig den Kopf lüften und kehre nun wieder zu den anderen vier Jahreszeiten zurück. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr und wünsche allen Baslern «e schöni Fasnacht».

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