Ich finde dich auch ... nett!

Wann man Boshaftigkeiten einfach weglächeln sollte.

Haben Sie schon mal ausgerechnet, an wievielen Stunden pro Tag Sie gut sind und an wievielen böse?

Sind Sie manchmal so ein richtiger Bünzli und manchmal die Grosszügigkeit in Person?

Nehmen Sie an gewissen Tagen mit dem Morgenkaffee Boshaftigkeit zu sich und manchmal verteilen Sie mit der täglichen Post die beste Laune?

Erstellen Sie ein Freud-/Frust-Protokoll. Ist lustig, nachzulesen! Man vergisst sie doch sonst so schnell, die kleinen Alltags-Ärgernisse.

 

Freitag

Im Auto unterwegs nach Zürich. Der Kofferraum voller Kleider der Herbst/Winter-Kollektion 2010, die ich unserer Fotografin zum Shooting ins StyleMe-Fotostudio gebracht habe. Nun bringe ich Sie zurück in die Agentur.

Wie so oft in Zürich - kein Parkplatz vor dem Haus. Kleider und Taschen mit einem beträchtlichen Gewicht kann ich nicht durchs ganze Quartier schleppen. Deshalb entscheide ich mich, auf einem Kundenparkplatz einer andern Firma mein Auto abzustellen (Und ja: Ich weiss, dass man das nicht macht. Aber ich möchte mein Auto gerade mal eine Minute stehen lassen und entscheide mich, diesen Übertritt vertreten zu können).

Kaum habe ich den Motor abgestellt, wird ein Fenster aufgerissen: "Hier können Sie nicht parkieren!!"

Ich: "Ich weiss, es tut mir leid. Ich möchte nur ganz schnell eine schwere Ladung an Kleidern reinbringen. Bin in einer Minute wieder weg!"

"Nein, das geht nicht! Sie müssen JETZT wegfahren. Das ist die Weisung."

Es gibt noch fünf weitere freie Kundenparkplätze. Ich frage: "Was machen Sie, wenn ich bleibe? Rufen Sie dann die Polizei?"

"Sie fahren jetzt SOFORT weg."

Nun gut. Ich habe gerade eine gute Stunde in meinem Tagesprogramm und zum Glück unsere Praktikantin Ramona mit im Auto. So entleeren wir den Kofferraum und ich muss Ramona mit einem Berg von Designer-Kleidern am Strassenrand stehen lassen (lustiges Bild!), während ich mein Auto parken gehe.

Beide(s) kam/ging nicht weg bis ich wiederkehre und wir bringen die Kleider in die Mode-Agentur. 30 Sekunden (!) später ist alles erledigt und wir stehen wieder auf der Strasse, argwöhnisch beobachtet von der selbsternannten Parkplatz-Wächterin, die eigentlich einen Schreibtischjob erledigt. Kriegt sie für ihr Ämtli eine Provision? (War das jetzt böse? Aber nur ein wenig, oder?)

Ein Lächeln und adieu. Ein Fussmarsch tut uns ja gut und Ärger generiert nur Falten.

 

Samstag

Polizeikontrolle. Herr Polizist winkt mich freundlich raus.

"Führerschein, Fahrzeugausweis!" Ich lächle freundllich zurück (gute Stunde!), krame nach dem Führerschein in meinem Portemonnaie.

"Sie wissen ja, was Sie falsch gemacht haben!"

Ich blicke auf und muss in diesem Moment ausgesehen haben wie ein Schaf: "Äh. Nein. Was denn?"

"Sie haben telefoniert!"

"Nein. Das habe ich nicht." ... Was läuft denn hier?

"Mein Kollege hat mich angefunkt, er hat sie gesehen. Moment!" Der Polizist entfernt sich, spricht leise in den Funk, kehrt zurück.

"Darf ich Ihr Handy sehen!" Keine Frage. Klar.

Der letzte Anruf wurde 20 Minuten früher geführt.

"Darf ich noch die verpassten Anrufe sehen?" Bitte? Klar.

Auch hier wird nichts Verdächtiges gefunden.

"Ok, wenn Sie mir das so beweisen können. Tut mir leid. Mein Kollege war sich eben nicht sicher." Aha.

Gut, böse? Keines von beidem. Etwas erstaunt. Mag mich aber nicht darüber aufregen.

Dies passiert dann doch noch, später:

 

Samstagnachmittag

Ich krieg ein neues Sofa und hab darum mein altes im Internet ausgeschrieben.

Das heisst: Mein Liebster hat dies für mich getan.

Es läutet.

Der Käufer steht da. Überrascht. "Ahhhh, Anna Maiiiiieeeeer." ... Äh. Ja. Die Freude ist ganz meinerseits.

"Darf ich fragen, wer ist denn der Herr, mit dem ich telefoniert habe?!!!??? Wie stehen Sie zu ihm?" ... Äh. Warum?

"Mein Mann."

"Echt jetzt? Wie lange denn schon?" ... Pardon?

Ich: "Mein Freund, aber das Wort Mann gefällt mir besser." ... Die zweite Frage ignoriere ich.

"Sie haben doch so Pech mit Männern!" ... Ah ja? Jetzt wird's spannend.

"Den Fernsehen nehme ich auch noch mit! Was kostet eigentlich Ihre Wohnung? Und können Sie mir das Sofa noch unterschreiben?"

Langsam formen sich die bösen Worte auf meiner Zunge, warten nur darauf, ausgespuckt zu werden.

(Und irgendwie finde ich die Vorstellung, dass dieser Typ ab jetzt auf meinem Sofa flegelt, gerade richtig unangenehm. Die 100 Franken hätte ich wohl doch lieber für die Entsorgung investiert.)

Aber ... ich lasse es bleiben. Und geh mit dem Sofa-Geld genüsslich gut essen und zwar zu einem richtig bösen Preis.