Ich sehe schwarz

Du siehst schwarz. Sie sieht schwarz. Er sieht schwarz. Alle sehen schwarz. Die Nicht-Farbe ist nicht aus der Mode zu kriegen. Warum?

Soso. So sieht sie also aus, die Mode für den Herbst/Winter 2010 (Ich klappere zur Zeit gerade die Agenturen ab nach Kleidern, die ich im nächsten Herbst bei StyleMe anbieten möchte):

Schwarz. Schwarz. Schwarz. Schwarz. Schwarz. Schwarz. Schwarz. Lederschwarz (Lederleggings, oh ja!). Schwarz. Schwarz. Schwarz. Grau. Pailettenschwarz. Schwarz. Tomatenrot, Electric Blue. Grau. Neonfarben (oh nein).

Wie immer gibt es ein paar Alibi-Farben, die im Herbstgrau besonders gut zur Geltung kommen. Aber schwarz ist nicht wegzukriegen. Und dies ist auch richtig so. Sonst hätten gefühlte 90% der Schweizerinnen und Schweizer nichts mehr anzuziehen.

Was macht die Farbe schwarz zum Evergreen? Um nicht zu sagen: everschwarz.

Schwarz ist klassisch und elegant und kriegt dadurch die Attribute des Teuren gleich mitgeschenkt (ohne, dass man dafür die dicken Scheine aus dem Geldbeutel ziehen muss).

Schwarz ist die Farbe des Modernen, aber nicht des Modischen (wir sind ja keine 15 mehr, wollen gerne auch mal Dame sein).

Schwarz ist die Farbe der Abgrenzung (Seelsorger tragen gerne schwarz und die meisten von uns haben als Teenager in der sympathischen Selbstfindungs-Phase schwarz lieben gelernt).

Schwarz ist geheimnisvoll. Ein Werbespruch des New Yorker Kaufhauses Neiman Marcus lautet: »Frauen, die Schwarz tragen, führen ein farbenfrohes Leben.« Sehr schön. (Wir sind also nicht faul und langweilig, weil wir immer und immer wieder zu schwarz greifen.)

Schwarz ist mysteriös. Funktioniert durch Verweigerung. Das wirkt anziehend (Machen Sie den Selbstversuch: Gleicher Wochentag, gleiche Bar, einmal schwarzes Kleid, einmal blaues Kleid - wann werden Ihnen mehr Visitenkarten zugesteckt?).

Kein Wunder, sucht jede Frau ein Leben lang nach dem perfekten kleinen Schwarzen (rangiert in der weiblichen Search-Engine gleich nach dem richtigen Mann).

Schwarz ist geheimnisvoll, elegant, zeitlos, modern, mysteriös, perfekt.

Man könnte meinen, es gäbe nichts einfacheres zu designen. Papperlapapp. Auch eine Coco Chanel  stöhnte: »Scheherazade ist einfach, ein kleines Schwarzes ist schwer.« Als sie es aber geschneidert hatte, das kleine Schwarze, machte sie daraus eine globale Einheitskluft (die bis heute anhält), in dem sie 1926 in der Mode-Bibel Vogue ein Foto veröffentlichte mit der Fürbitte: "Wird eine Art von Uniform für alle Frauen mit Geschmack werden". Amen:

Ursprünglich als Kleid für die vielen Witwen des Ersten Weltkrieges gedacht, mauserte es sich zum absoluten Klassiker.

Schwarz ist zeitlos. Schwarz passt immer. Schwarz ist ... Liebe.

Dies ist Ihre Antwort, Frau Journalistin (die mich am letzten Donnerstagabend beim "Werber des Jahres" fragte, ob es einen tieferen Sinn hätte, dass ich ein schwarzes Kleid und schwarze Haare tragen würde)!

Für die schwarzen Haare lasse ich mir noch etwas einfallen.

Song: Back  to Black, Amy Winehouse