Iskenderun - Deir Mar Musa

Endlich in Syrien. Ab ins Kloster!

570 ml (harten) Alkohol darf man pro Person nach Syrien importieren. Wir wollten die Grenze möglichst sang- und klanglos traversieren. Also weg mit dem CB-Funk und allem anderen. Mit aufgeräumten Autos sind wir um etwa zehn Uhr morgens auf alles Mögliche vorbereitet am Übergang Bab al Hawa angekommen. Ein Vorbeiwinken erschien uns wegen der Autos wenig wahrscheinlich. Aber kleine Scheine warteten als Beschleunigungsmittel in der Hosentasche des Organisationsteams. Als grosse Gruppe mit vier Männern über 190 cm waren wir in der kargen Halle mit den Toiletten, die die dort deponierte Flüssigkeit meterweit ausströmten, nicht zu übersehen.

Zack-zack gegen hohles Händchen

Ein dienstfertiger Tourist Officer hat sich unser angenommen und uns von einer zur nächsten Abfertigungsstelle durch das ausgesprochen komplexe Vorgehen begleitet. Am Bankschalter konnten wir keine türkischen Lira in syrische Pfund wechseln. Er ermöglichte natürlich auch das. Für die Carnets de Passage waren aber amerikanische Dollars nötig. Heisst: Wir mussten die syrischen Pfund wieder in Dollar zurückwechseln. Die Bank hat die Dollars entgegengenommen und uns eine Bestätigung ausgestellt – und den Gegenwert der Dollars in syrische Pfund herausgegeben, mit denen wir die Carnets an einem anderen Schalter endlich bekommen haben. Der Tourist Officer, der zwar genau wusste, was zu tun sei, nicht aber, weshalb, fragte dezent nach einem Trinkgeld, falls er die Sache reibungslos und rasch über die Bühne bringen würde.

Vier Stunden lang hat uns der Zoll-Boss per Videoüberwachung beobachtet. Da Syrien ein touristenfreundliches Land sein will, hat er uns schliesslich alle zusammen zum Tee geladen. Infolge seiner marginalen Englischkenntnisse belief sich die Kommunikation primär auf Nicken, freundliches Lächeln und «very nice»-Sagen.
Damit war die witzige Tortour dann wenigstens zu Ende. Wir konnten in die auf Hamamtemperatur aufgeheizten Wagen klettern und durchfahren. Dass «nur» Kleider im Kofferraum sind, hat man uns geglaubt ohne nachzusehen.

You have a beautiful Soul!

Kurz nach der Grenze haben wir uns ein letztes Mal getrennt. Ich bin mit «Vanishing Point» ins Kloster nach Deir Mar Musa, der Rest wollte sich die antiken Reste in Aleppo und Palmyra ansehen.

Über eine Steintreppe gelangt man ins ökumenische Bergkloster in the middle of nowhere, etwa eine Stunde von Damaskus entfernt. Die Schlafräume mit Metallpritschen mit alten Schaumgummimatten sind nach Männlein und Weiblein getrennt. Hier treffen sich Menschen aller Couleur; Amis, Belgier, mit einem Sammel-Love-Mobile angereiste Franzosen, Deutsche und viele Locals. Bis zu 200 Gäste fasst das uralte Kloster, das sich über Spenden finanziert. Nach einer stündigen Meditation (respektive einem Nickerchen) in der Kapelle haben wir die darauffolgende Eucharistie zu Gunsten des Sternenhimmels ausgelassen. Und um halb zehn ein einfaches Dinner mit warmem Bulgur, selbstgemachtem Schafskäse und Fladenbrot. Ich habe mich am Abwasch beteiligt. Mit einem rothaarigen Craig aus Denver. Er ist auf einem spirituellen Trip und hat vor, so lange in Mar Musa zu bleiben, bis sich seine Probleme aufgrund von Zeitüberschreitung von selber gelöst haben. «I love god. God loves us all.» Mit diesen beruhigenden Worten sind wir früh ins Bett. Vorholen für Damaskus – und vor allem den Partytempel Beirut.