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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Der Ikea-Brainwash auf Sat.1

Unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil hat bei ihrem Fernsehabend viel über das schwedische Möbelhaus erfahren. Aber vor allem hat sie so einiges über sich selbst gelernt und musste feststellen: Sie ist eine Süchtige.

Nicht, dass ich es nicht schon geahnt hätte: Ich bin ein Opfer. Nachdem ich mir «15 Dinge, die Sie über IKEA wissen müssen» angeschaut habe, fühlte ich mich aber schon sehr vorgeführt. Vor allem die Erkenntnis, dass ich nur eine von vielen bin, tut bitzeli im Herzen weh. Aber der Reihe nach:

Ich lernte an diesem Abend viel über den Ort, der schon viel von meinem hart erarbeiteten Geld geschluckt hat. Hätte ich eine Ikea-Cumulus-Karte, könnte ich mir mit den Punkten ganz Zypern kaufen und Beyoncé jeweils zu Silvester auftreten lassen. Aber natürlich dankt es mir keiner, denn angeblich bin ich nur eine von jeweils 800 Millionen Besuchern jährlich.

Joelle TV Kolumne
© Screenshot Sat 1

Auch Sky und Mirja Du Mont sind bekennende Ikea-Fans. I feel them. 

Die Tatsache, dass ich noch nie eine «Danke, dass Sie ständig neue WC-Bürsten bei uns kaufen»-Karte von Ikea erhalten habe, hängt aber auch damit zusammen, dass ich zur Ikea-Sekte gehöre und zum Kauf quasi gezwungen werde. Ein bitteres Erwachen für mich an einem einfachen Mittwochabend. Da manipulieren die Schweden doch tatsächlich schon Kinder und binden diese in jungen Jahren an sich, sodass sie später bei ihnen einkaufen. Brainwash! Oder auf Schwedisch: «hjärntvätt»!

Ich war eines dieser Kinder, das damals ins Bälleparadies geschmissen wurde und diesen Tauchgang heute mit Duftkerzen verarbeitet. Unterbewusst erweckt jeder rote Ball in mir das Bedürfnis nach einem «SINNLIG». Oder zwei. (Die klassische Lüge einer Süchtigen: Es sind immer fünf. Ok... sieben.)

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© Screenshot Sat 1

Ulrich Meyer war einer der Promis, der die Sendung mitkommentierte. Auch er kennt das Bälleparadies.

Irgendwann führten dann Ikea-Mitarbeiter vor laufender Kamera vor, wie sie Kunden während ihrer Einkaufstour bespitzeln, um deren Einkaufsverhalten zu studieren. Wer kriegt das in seinem Wahn schon mit?! Sobald ich die Drehtür beim Eingang betreten hab, bewege ich mich wie eine Motte zum Licht.

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© Screenshot Sat 1

Ikea-Mitarbeiter bespitzeln Kunden in Ikea-Uniform.

Sogar wenn die Kunden-Spione Leuchtwesten tragen würden und mit Posaunen hinter mir hergehen würden, fiele es mir nicht auf. Und trotzdem frage ich mich: Wurde ich bereits beobachtet? Gibt es eine geheime «Joëlle bei Ikea»-Akte? Mit den Kapitel «Joëlle stellt sich ihr Landhaus vor», «Joëlle überlegt, auf welchem Sofa man am besten schläft» oder «Joëlle verurteilt Kunstpflanzen-Käufer»? Ikea weiss alles über uns.

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© Screenshot Sat 1

Das sind die Inkognito-Spione. Vielleicht wurden auch Sie bereits beobachtet.

Was mich dann aber gefreut hat, war zu sehen, wie irgendeine deutsche Provinzfeuerwehr wohl Zeit hatte, die blauen Ikea-Taschen auf ihre Robustheit zu testen. Wie schön für die deutsche Provinz, dass es dort nicht brennt oder sich keine Katzen auf Bäume verirren.

Was glauben Sie, wie viele Kilos eine Ikea-Tasche aushält?
 

Ich habe auf 50 Kilo getippt. Ich sags wies ist: Ich hab diesem Plastikbeutel beide Daumen gedrückt, als er mit Wasser gefüllt wurde. Wie beim Glücksrad. Auf alle Fälle hält er über 70 Kilo aus! Wenn Sie diese Antwort kalt lässt, sind Sie einer der Menschen abseits des Ikea-Wahns. Ich gratuliere Ihnen.

Joelle TV Kolumne
© Screenshot Sat 1

Die Feuerwehr prüft die Belastbarkeit der Ikea-Tasche.

Natürlich musste in der Sendung noch das Thema «Beziehungsdramen bei Ikea» abgehandelt werden. Wie man sich an diesem wunderbaren Ort zwischen «MÖRBYLÅNGA» und «HEKTAR» streiten kann, wird für mich immer ein Rätsel bleiben. Das ist doch so, als würde man sich vor den Kindern zanken: Das hat der «PAX» einfach nicht verdient.

Nach knapp zwei Stunden Ikea-«hjärntvätt» war ich high. High und bereits gierig nach dem nächsten Schuss. Schliesst mir den «BEKVÄM» an die Wehen an! Ich komm nicht los, auch wenn Sat.1 mir vor Augen geführt hat, dass ich nichts anderes bin als ein elender Konsum-Mitläufer. Ich kapituliere. 

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© Screenshot Sat 1

Olivia Jones nutzt die Ikea-Tasche für ihre Perücken, wie sie erzählte.