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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

SRF «Generationen-Duell»: Unappetitlicher gehts kaum

Neues hat unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil bei der Sendung «Swissskills - das Generationen-Duell» nicht gelernt. Aber immerhin weiss sie jetzt, wer wohl Sven Epiney für die nächsten dreissig Jahre ablösen wird.
Anja Zeidler Generationenduell SRF
© Screenshot SRF

Anja Zeidler führte das junge Team an. Habs selber nicht geglaubt, dass die erst 25 Jahre alt ist! Die ist doch schon seit gefühlten vier Ewigkeiten in den Medien... 

Im Rahmen der Berufsmesse «Swissskills» hat sich das SRF etwas ganz Besonderes ausgedacht: Ein Generationen-Duell, welches ich mir am Mittwochabend zur Prime-Time reinzog.

Ein älteres Team trat dabei gegen ein jüngeres an. Gegeneinander mussten sie Aufgaben bestreiten. Das Team mit den meisten Punkten gewann die Runde... irgendwie logisch.

Das junge Team wurde dabei vom ehemaligen Fitness-Model und aktuellen Influencerin Anja Zeidler, 25, angeführt, das alte von Extremsportler Ueli Kestenholz, 43. Eins vorneweg: Die Fingernägel habe ich mir vor Spannung nicht bis aufs Fleisch runtergekaut...

Erste Challenge (ich klinge schon wie Heidi Klum) war das Renovieren einer Küche und die zweite Aufgabe bestand darin, in einer Armenküche zu kochen und gleichzeitig Haare zu schneiden. Klingt komisch, war aber so.

Die Idee hinter diesem Wirrwarr war mir schon klar: Da wollte man dem jungen Zuschauer verschiedene Berufe auf spielerische Art und Weise schmackhaft machen. Schönes Vorhaben, schlechte Umsetzung.

Swissskills
© Screenshot SRF1

Ueli Kestenholz zertrümmert die alte Küche, bevor sein «altes» Team eine neue baut. 

Wäre ich ein orientierungsloser Jüngling, hätte ich den Coiffeur-Beruf direkt noch während der Sendung begraben. Da schneidet die gelernte Coiffeuse (heute sagt man glaubs Hair-Stylistin. Oder Hair-Coordination-Managerin?) Anja Zeidler einem Burschen neben dem Tisch, an dem 39 Menschen zeitgleich essen, die Haare. Da hat glatt noch einer gefehlt, der sich auf dem Bartresen die Fussnägel schneidet. Viel unappetitlicher kann man ein Handwerk nicht vermitteln.

Dabei gab man sich bei der Produktion doch so Mühe, jung und lässig zu wirken. In der Vogelperspektive wurde ständig das ganze Set inklusive Kameramann, Kabel usw. gefilmt. Diese Kameraführung ist das das TV-Pendent zu den unverputzten Wänden in Hipster-Kaffees. War nett anzuschauen, dennoch konnte diese hippe Kameraeinstellung die Spannung der Sendung nicht steigern.

Swissskills
© Screenshot SRF1

Habt ihr den Kameramann schon gesehen? Den sieht man aus der hippen Vogelperspektive. 

Erfrischend hingegen waren die beiden Jungmoderatoren, die durch die Sendung geführt haben: Livio Chistell, 24, und Tama Vakeesan, 30. Ich freue mich ja immer höllisch, wenn ich beim SRF ein junges, unverbrauchtes Gesicht sehe und einer neuen Stimme lauschen darf. Das fühlt sich immer so an wie frische Unterwäsche tragen.

Swissskills
© Screenshot SRF1

Ok... vielleicht heisst das im Fachjargon nicht «Vogelperspektive», aber Sie wissen, was ich meine.  

Jetzt muss ich ehrlichgesagt zugeben, dass die beiden Jungmoderatoren so gut waren, dass ich bereits jetzt Angst habe, dass die zwei die einzigen beiden Gesichter sein werden, welche ich die nächsten dreissig Jahre auf dem Bildschirm zu sehen bekommen werde. Man gönne es den beiden, dass es wohl so enden wird.

Nun gut... Ich habe am Mittwochabend weder etwas über Berufe, noch über Berufsausbildungen noch über sonst etwas in der Richtung gelernt. Dafür weiss ich jetzt, dass... eigentlich habe ich nichts gelernt. Ist etwas zu bedauern, denn zum Thema «Berufe» hätte man haufenweise Informatives produzieren können. Diesen erzwungenen Wettkampf-Charakter hätte es überhaupt nicht gebraucht um das Thema attraktiv an den Mann zu bringen.