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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Friede, Freude, «Happy Day»

Unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil hatte während der «Happy Day»-Sendung so gute Laune, dass sie sich fast schon auf den darauf folgenden Stimmungskiller «Tagesschau» freute.
happy day
© Screenshot SRF1

«Ihr dürft gratis mit uns mit in die Ferien nach Mallorca», verkündet Kiki der Familie, deren Mutter nach einem schweren Unfall noch immer angeschlagen ist. Tränen der Freude... auch bei mir.

Man sollte dieses «Happy Day» auf SRF eigentlich nach anstatt vor den Nachrichten zeigen. Dann ginge jeder mit Heile-Welt-Gedanken zu Bett. Am Samstagabend endete die Sommerpause der Sendung und Röbi Koller, 60, erfüllte zusammen mit Kiki Maeder, 37, wieder die Wünsche von Herr und Frau Schweizer.

100 Zuschauer durften während der Sommerpause mit dem «Happy Day»-Ferienflieger gratis auf Mallorca (da fehlts ja an deutschsprachigen Touristen). War das schön: Die einen waren Bauern, die noch nie am Meer waren, die andere Zuschauerin wurde auf Mallorca mit ihren Halbgeschwistern überrascht, welche sie in ihrem Leben noch nie getroffen hatte und einem weiteren Rentnerpaar wurde vom Göttimeitli für ihre Liebe und ihren Beistand während eines harten Schicksalsschlags gedankt.

Happy Day
© Screenshot SRF1

Cornelia (vorne im Bild) wurde adoptiert und hatte ihre Halbgeschwister noch nie gesehen. Im Hintergrund pirschen sich die beiden fürs erste Treffen und Kennenlernen an. 

Oh Happy Day... Heiterer kann ein Samstagabend kaum werden. All die lieben Leute, die ihren Mitmenschen nur Liebes und Gutes wollen. So viele liebe Worte und Gesten... Da verdrückte gar ich die eine oder andere Träne der Rührung.

Im Studio selbst sass die dankende Mutter, die Kinderbetreuerin, die mit ihrer Chefin so zufrieden ist, dass sie diese gleich im Live-TV überraschen wollte und auch der 101-jährige Theodor, der sich mit unserem Schwingerkönig Matthias Sempach, 32, im Armdrücken mass.

All diese netten Menschen, die so oft so ganz bescheidene Wünsche als Lebensträume hegen. Ein Bauernmädchen wurde von ihrem Idol, Sängerin Beatrice Egli, 30, überrascht und durfte mit ihr auf der SRF-Bühne singen. Der Tag ihres Lebens. Und diese Madame Egli mag ich sowieso, wenn sie Schweizerdeutsch spricht. Die ist ja auch so ein kleines, pinkes Pony, das auf Regenbögen Sterne furzt und Zuckerwatte isst. Ich schwör, ich hab die noch nie nicht lachen sehen.

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© Screenshot SRF1

Marina (rechts) war als Bauernmädchen noch nie in den Sommerferien und liebt Sängerin Beatrice Egli. Auf dem Bild erfüllt sich gerade ihr Lebenstraum. Ach... 

Ich habe noch nie Drogen konsumiert, aber ich bin mir sicher, so manch eine fühlt sich wie die zweistündige «Happy Day»-Sendung an: Farben hier, Lichter da, Tränen hier, Applaus dort. Lachen, klatschen, heulen, schreien, Geld gewinnen, Superstars treffen... Das war so viel gute Laune, dass ich in der Halbzeit der Sendung langsam aber sicher mal eine Pause gebraucht hätte. So viele glückliche Menschen und so viele erfüllte Wünsche.

Oh Happy Day... Wohl die einzige Sendung, bei der ich wirklich daran glaube, dass auch all die Menschen hinter der Kulisse die ganze Zeit lachen, sich drücken und wahnsinnig happy und ausgeglichen sind. Bestimmt eine der Redaktionen, in der immer eine Schale Schöggeli bereitsteht und wo man die Geburtstage der Mitarbeiter feiert. Mit selbstgemachtem Kuchen und der richtigen Anzahl Kerzen. Oh Happy Day... So viel gute Laune kann nur durch die darauf folgende «Tagesschau»-Sendung kompensiert werden.