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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Mädchen, habt ihr das Konzept der Show nicht verstanden?

Neu schreibt Joëlle Weil auf SI online jede Woche zu TV-Ereignissen. Heute über die neuste Folge «Germany's Next Topmodel». Weder das Shooting, noch der Catwalk, noch das Zicken-Drama hatten genug Schmackes, findet die Bloggerin. Eine «GNTM»-Folge, die so spannend war wie ein Bingo-Abend mit Spielgeld.
GNTM
© Prosieben

Welch unglückliche Episoden-Auswahl für meinen Kolumnen-Einstieg... Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich bei der aktuellen «Germany’s Next Topmodel»-Folge hin und wieder auf die Uhr und dann zur Wand gestarrt habe. Von der Wand zog ich meinen Blick weiter auf meinen Handrücken, verweilte dort ein paar Sekunden und widmete mich erst dann wieder dem Programm. Was war geschehen? Beziehungsweise: Was ist nicht geschehen?

Das Shooting auf dem Dach eines 50 Meter hohen Hauses hätte genug Drama-Potential gehabt. Man hätte die vor Panik aufgelösten Mädchen in Nahaufnahme filmen können. Entsetzte Gesichter. Bockiges Verhalten. Ausstiegs-Drohungen... Da war nix. Ein Tränchen vor Aufregung hier. Ein Tränchen dort. Alle konnten sich zu meiner Langeweile irgendwie schnell zusammenreissen. Nicht einmal das Shoot-Out zwischen Shari und Jennifer konnte mich von meinem Handrücken ablenken. (Shari musste gehen und mir war das so egal wie die Wettervorhersage für Oslo).

Shari GNTM
© Prosieben

Shari ist raus. Aber das ist irgendwie auch egal.

Alle sind fies zu Abigail!

Wie man so schön sagt, folgt nach der Arbeit das Vergnügen. Den anstrengende Modelalltag haben die Mädchen hinter sich gebracht und Zuhause wartete dann endlich das Drama, auf das ich so lange warten musste: Zoe, Victoria und Sally hackten auf der armen Abigail rum bis die heulen musste. Mein Herz! Abigail weinen zu sehen war dann aber doch zu viel für meine Grosse-Schwester-Seele. Und als hätte die arme Abigail diese Woche nicht genug einstecken müssen, flog sie auch noch raus, die arme Maus.

Abigail GNTM
© Prosieben

Die arme Abigail musste getröstet werden.

Deutschstunde für die Juroren

Beim Catwalk am Ende gabs auch noch bitzeli Tränen. Dieses Mal von der brasilianischen Bruna, die sich schämte, nach gerade einmal zwei Jahren in Deutschland nicht perfekt Deutsch zu verstehen. Deshalb rafft sie auch die Anweisungen von Modelmutti Heidi Klum, 44, bei den Shootings nicht. Das arme Ding.

Dies dünkt mich der richtige Zeitpunkt für eine kleine Deutschstunde. Die richtet sich jedoch nicht an Bruna, sondern an die deutschsprachige Jury, bestehend aus Heidi, Michael Michalsky, 51, und Thomas Hayo, 49: Ihr müsst nicht «Face down» sagen, wenn man doch einfach «Kopf voran» sagen kann. Und ihr habt euch weiss Gott was Unnötiges für den Catwalk am Ende ausgedacht! In welchem Modelleben werden die Kandidatinnen je vertikal (bzw. «Face down»), gesichert an Drahtseilen in Alien-Kostümen Container vertikal «herunterlaufen» müssen?

Zum Schluss möchte ich noch etwas klären

Als Abigail ohne Foto zu ihren Mitstreiterinnen zurückkehrt, können die es mal wieder nicht fassen, dass eine gehen musste. Frage an die Leserschaft: Wie oft haben wir folgende Konversation zwischen den Kandidatinnen während all den Staffeln schon gehört? «Ich bin nicht weiter.» - «Nein du verarscht mich!» - «Nein. Wirklich nicht.» - «Komm schon. Verarsch uns nicht! Wo ist das Foto?»

An dieser Stelle möchte ich immer ganz fest den Fernsehen schütteln und rufen: «Das ist eine CASTING-SHOW! Da scheidet IMMER eine AUS! Ihr habt offensichtlich das KONZEPT der SENDUNG nicht VERSTANDEN!»

Immerhin eine weniger, um die ich mich sorgen muss. Nächste Woche brauch ich etwas mehr Action.

GNTM
© Prosieben

Jobs, die es wohl gar nie gibt.