joelle-weil-blogsymbol.png

Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Dieses GNTM-Määädchen kennt Alessandra Ambrosio nicht

«Germany's Next Topmodel» war diese Woche so unterhaltsam, da hat unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil doch glatt ihr Geschirr im Geschirrspüler vergessen. 

Man muss ja auch mal sagen, wenn gut ist: Diesen Donnerstag war «Germany’s Next Topmodel» so super, dass ich während des Schauens sogar vergessen habe, meinen Geschirrspüler auszuräumen. Mein Geschirr sass im Dunkeln, während ich mich blenden liess. Blenden von der unfassbaren Schönheit dieser Alessandra Ambrosio, 37, die zusammen mit den Määädchen bei einem Shooting mitmachte. Die Määädchen verkleideten sich als Männer, Ambrosio war das Babe an ihrer Seite.

Natürlich waren auch die Kandidatinnen ausser sich, als man ihnen ihren prominenten Shooting-Partner verriet. Dass Kandidatin Jennifer, 23, zunächst nicht wusste, wer Alessandra Ambrosio ist, hat man bei dem Gekreische fast überhört. (Nicht so schlimm, liebe Jennifer. Wer eine Karriere als Schauspieler anstrebt, muss auch Meryl Streep nicht kennen. Und unter den Wiener Symphoniker gibt’s auch bestimmt den einen oder anderen, dem Mozart nicht bekannt ist. Alles gut.)

Vielleicht fand ich die aktuelle Folge auch deshalb so toll, weil sich einfach mal alle zusammengerissen haben und keine irgendeinem Kinder-Diva-Heul-Zicken-Anfall erlag. Sehr entspannend, wenn man den Nachwuchsmodels einfach einmal bei der Arbeit zuschauen kann. Kandidatin Toni, 19, und Christina, 22, haben sich den letzten Modelauftrag der Staffel gekrallt: Eine Social-Media-Kampagne für MCM. Die Kids von heute freuen sich über Instagram-Bilder so fest wie die Kandidatinnen der ersten Staffeln über Shootings für Hochglanzmagazine. Aber wer bin ich, um zu urteilen.

Eine Frage, die ich jedoch in die Runde werfen muss: Kann mir jemand erklären, was der Sinn dieser zwei Teams sind? Team Thomas (Hayo) und Team Michael (Michalsky)? Natürlich verstehe ich, dass dieser Pseudo-Konkurrentenstreit am Ende der Sendung unerlässlich für die Spannung ist (ist er doch). Trotzdem erschliesst es sich mir nicht, warum dieses Konzept so eingeführt wurde. Weder sehe ich die beiden während der Sendung als Coaches, noch sonst wo. Also: Wofür das alles?

Verlieren wir kurz ein Wort über die Ausgeschiedenen: Klaudia mit «K» (21) verabschiedete sich mit einem breiten Lachen zu Beginn der Sendung. Die freut sich jetzt auf ihr Zuhause und ihre Familie. Und unsere Sara Leutenegger (24) tat es den Schweizern des «Eurovision»-Halbfinales gleich und konnte ihre Koffer packen. Auch Sally (17) geht nach Hause. Das war wie Frühlingsputz diese Woche.

Dass zum Schluss die Kandidatinnen mit Drag-Queens auf dem Laufsteg performen mussten, empfand ich als ebenso unnötig als auch amüsant. Nicht, dass ich ein Model-Experte wäre, aber die beiden Aufgaben dieser Woche (oder wie man in der «GNTM»-Welt sagt: die Challenges) waren doch wieder etwas weitgegriffen... Sich zuerst für das Shooting als Mann verkleiden und sich dann für den Catwalk als Mann verkleiden, der sich wiederum als Frau verkleidet... Ich würde das so nicht als klassische Model-Alltagssituationen beschreiben, aber was weiss ich denn schon. Die zusätzliche Stunde Dunkelheit für mein Geschirr bestätigte den gut erfüllten Unterhaltungsauftrag der Sendung.