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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Wer einschaltete, tat dies nur wegen Gottschalk

Nur, wirklich nur wegen Thomas Gottschalk hat unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil am Samstagabend ZDF geschaut. Und sie hat genau bekommen, was sie wollte: Eine Gottschalk-Show. 
Gottschalk
© Screenshot ZDF

Wann haben Sie das letzte Mal eine Show mit einer so imposanten Bühne gesehen. Das kann nur Unterhaltungsfernsehen für Ü50 oder DSDS. 

Das war nun wirklich ein Abend wie damals. Damals, als ich ein kleines Mädchen war und am Samstagabend noch nicht ausging. Stattdessen sass ich mit meinen Schwestern und unserem Vater vor dem Fernsehen und wir schauten uns diese langatmigen Fernsehshows an, denen wir es zu verdanken hatten, dass wir spät zu Bett gehen durften. So eine Show war «Gottschalks grosse 68er-Show» mit the One and Only Thomas Gottschalk, 68, am Samstag auf ZDF.

In diesen endlosen Sendungen gibt es kein Tempo. Da hat sich bei der Produktion keiner gesagt «Diesen Teil müssen wir kürzer machen, sonst sterben uns die Zuschauer weg». Da lässt man den grossen Showmaster wie ein Gastgeber in seinem eigenen Wohnzimmer seelenruhig schwatzen und sich in Gedanken verlieren. Nein, von Zeitdruck und Stress kann da wirklich nicht die Rede sein.

 

In der Show ging es um Nostalgie und die damit verbundene Musik. Lieder der 68er-Jahre wurden gecovert, von zeitgenössischen Künstlern oder den Originalsängern wiedergegeben. Am Rand dieser übergrossen Bühne stand die obligate Sitzecke, auf der geplaudert und geplaudert und geplaudert wurde. Ich schwöre, ich weiss bis jetzt nicht, mit welchem Inhalt genau diese unfassbaren zweieinhalb Stunden gefüllt wurden, die sich dann doch nur nach zwei Stunden anfühlten.

Gottschalk
© Screenshot ZDF

Wie zu guten, alten «Wetten dass...?»-Zeiten: Da sitzen die Gäste, versammelt um den grossen Showmaster und lassen sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. 

Gut, trug die Show den Namen des Moderators. Denn wer einschaltete, tat dies (wie ich auch) nur wegen dem Gottschalk. Hach, der Gottschalk... Bei kaum einem anderer Showmaster im Deutschen Fernsehen erlebe ich die Freude am Moderieren so sehr, wie bei ihm. Der Gottschalk ist Zuhause, wenn er Gäste empfängt, bestimmt genauso schwatzhaft, charmant, frech, altklug und dennoch alterslos, wie vor der Kamera. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass er so ausserordentlich lustig wäre. Aber der Gottschalk bringts einfach immer. Er ist wie die eine rote Socke in der Wäsche: Egal was er anfässt, es trägt seinen unvergänglichen Abdruck.

Schauspielerin Uschi Glas, 74, war eine der Gäste, die von A bis Z auf diesem Sofa sassen. Mit ihr die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, 63, und «Bauer sucht Frau»-Moderatorin Inka Bause, 48, die sich an die 68er eigentlich gar nicht erinnern konnte, weil sie dann zur Welt kam. Aber das Sofa will gefüllt werden und so wurde es.

Mann kann mit dem Gottschalk ja eigentlich einladen, wen man will: Neben dessen Charme wirkt dann doch jeder wie eine Tonvase. Da geht jeder unter. Dass es bei der Sendung einzig und alleine darum ging, den Gottschalk wieder einmal vor die Kamera zu locken, war klar. Mir solls recht sein.