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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

«Mission ImBüssible» - Informationsarm und sympa im Balkan

Unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil fand das Moderations-Duo zum Glück sympa. Trotzdem hätte sie sich bei der Sendung «Mission ImBüssible» etwas mehr Informationen gewünscht. Dann könnte sie beim WM-Achtelfinal noch mehr angeben. 

Zum Glück war das ein sympathischer TV-Abend. Es hätte mich persönlich angegurkt, etwas Gemeines über Stefan Büsser, 32, schreiben zu müssen. In der neuen SRF1-Serie «Mission ImBüssible – Am Ball im Balkan» machen sich der Moderator und Komödiant zusammen mit Moderationskollege Manu Rothmund auf in den Balkan, um die Wurzeln unserer Nati-Helden zu ergründen. Auf ging es in der ersten Folge mit dem Auto von Zürich nach Kroatien zu Mario Gavranović, 28.

Stefan Büsser Manu Rothmund
© Screenshot SRF1

Die beiden Moderatoren Stefan Büsser (r) und Manu Rothmund auf dem Weg in den Balkan. Warum fährt Büssi eigentlich nie? 

Gavranović spielt fernab der Weltmeisterschaft nämlich bei Dinamo Zagreb. Wusste ich nicht, weiss ich jetzt. Da hängt ein Schweizer-Fähnli in seiner Umkleidekabine und der Kroate, der im Tessin geboren wurde und aufwuchs, schwärmt, wie verbunden er sich der Schweiz fühle und wie schweizerisch er sich selbst sei.

Stefan Büsser Manu Rothmund und Mario Gavranović

Die Moderatoren auf ein Schwatz mit Nati-Star Mario Gavranović in seiner aktuellen Heimat Zagreb. 

Schliesslich noch etwas Sightseeing in Zagreb und schon ging es weiter nach Bosnien-Herzegowina in die zweite Heimat von Haris Seferović. Der Fussballer selbst ist leider nicht da, dafür die komplett heruntergekommene Schule, der er einst angeblich Fussbälle spendete.

Weiter fanden Büssi und Manu den Bürgermeister des kleinen Städtchens, der ihnen unerlaubten bzw. halberlaubten Eintritt in Haris Haus verschaffen wollte. Da hat jeder die Schlüssel von jedem. Dann noch etwas bosnische Hochzeitstanzkultur in Hinblick auf Büssis baldige Hochzeit und Tee hier und Kafi da mit den netten Nachbarn.

Stefan Büsser Manu Rothmund
© Screenshot SRF1

Die beiden Moderatoren etwas schockiert vor der komplett heruntergekommenen Schule. Kulturschock im Balkan. 

Nun waren nicht beide Besuche gleich aufschlussreich: Während man mit Mario Gavranović etwas über Identität, GC und FCZ geredet hat, erhielt man bei Haris Seferović einen interessanteren Einblick in die Zustände seiner zweiten Heimat. Ich hätte mir ehrlich gesagt mehr Background-Infos zum kroatischen Leben gewünscht. Mehr «Hier wuchs ich auf», «Hier kickte ich meinen ersten Ball» oder «Hier habe ich meinen Schulschatz zum ersten Mal geküsst». Das ist ein fairer Anspruch, wenn man die Sendung als «Suche nach den Wurzeln» verkauft.

Dasselbe gilt für Haris Seferović, wobei man hier schon mehr sah und sich eher vorstellen konnte, wie ein Leben in der bosnischen Provinz aussieht.

Am Moderationsduo kann ich nicht viel aussetzen. Die beiden Jungs waren witzig, nett, liebenswürdig, herzlich, (pardon, Adjektivdurchfall) und haben mit einer angenehmen Leichtigkeit durch die Sendung geführt.

Stefan Büsser Hund
© Screenshot SRF1

Büssi füttert einen Strassenhund. Das Bild ist weder wichtig, noch aussagekräftig, aber es ist ein herziger Hund und wir alle mögen herzige Hunde. Und eigentlich sind auch alle Hunde herzig. 

Nach knapp 40 Minuten jedoch war meine Geduld am Ende. Und fast genau zum selben Zeitpunkt war es die Sendung auch. Hätte ich etwas mehr Infos erhalten, sowohl historische zu den jeweiligen Orten als auch persönliche zu den Fussball-Stars, hätte ich nach 35 Minuten nicht ungeduldig auf die Uhr geschaut.

Immerhin hab ich an dem Abend etwas gelernt, denn wenn immer mich jemand nach der Herkunft einer unserer ić-Spieler fragt, lautet meine Antwort «Maze... nä Koso... oder Bosni... Bin mer grad nöd eso sicher». Beim Achtelfinal brilliere ich dann mit meinem Wissen.