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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Wie «Nr. 47» mich zum SRF-Groupie für einen Abend machte

Allzu oft passiert es nicht, dass unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil bei SRF-Produktionen aus dem Schwärmen nicht rausfindet. Dieses Mal jedoch mutiert sie zum Groupie. 
SRF/Naomi Salome
© SRF/Naomi Salome

Dominic (links, gespielt von Gabriel Noah Maurer) trifft sich heimlich mit einem Mann auf ein Date. 

Das ging mir jetzt aber wirklich ans Herzelein. Ich hab mir am Freitag die neue Staffel der fünfteiligen SRF-Serie angeschaut. «Nr. 47» heisst die und wurde zunächst auf Youtube «ausgestrahlt». Welch junges, witziges Konzept, dachte ich mir wie eine 60-Jährige. 

In der Geschichte gehts um Dominic, der als Rapper in Bern gerade durchstartet und heimlich schwul ist. «Wann steht er endlich zu seiner Homosexualität? Wann sagt ers seinen Eltern? Wie lange schweigt er noch?» Mitgefiebert habe ich allemal und das kommt abseits von «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» seltener vor als ein Regenbogen.

Es war nicht «auf jung gemacht»

Mir gefiel diese Geschichte. Auf den ersten Blick klingt sie schrecklich ausgelutscht, dabei ist es ein Thema von konstanter Aktualität und Emotionalität. Ich fand die Schauspieler gut, vielseitig und meinem Urteil zufolge talentiert. Vor allem aber habe ich diese Schauspieler noch nie in meinem Leben gesehen und wenn Sie meine Kolumne regelmässig lesen, dann wissen Sie, dass ich nichts öder finde, als immer dieselben Menschen beim SRF zu sehen. Dann fand ich die Kulissen glaubhaft und gut ausgesucht. Vor allem aber gefiel mir Folgendes: Es war keine «Lass mal einen auf jung machen»-Serie, sondern sie war wirklich jung, ohne doof zu sein.

SRF/Naomi Salome
© SRF/Naomi Salome

Verstehen Sie, was ich meine? Der Cast sieht nicht «auf junge gemacht» aus. So sehen junge Menschen heute wirklich aus. 

Sie verstehen, was ich meine? Diese «jungen Formate» sind so oft so offensichtlich von nichtjungen Menschen produziert, dass sich ein Klischee ans andere reiht. Irgendein Pullover ist immer zu grell, der Slang immer etwas zu slanging... War hier jetzt aber überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil. Stellenweise hatte die Serie gar Doku-Charakter.

Binge-Watching light

Jede der fünf Folgen dauert 20 Minuten, was eine schrecklich gnädige Youtube-Zeit ist. Ich verpflichte mich ungern für einen Ein- oder Zweistünder und schätze es sehr, dass ich hierbei die Möglichkeit hatte, nach 20 Minuten eine Pause einzulegen. Dennoch habe ich mir alle Folgen am Stück reingezogen. War bitzeli wie «Nur eine Reihe von der Schoggi... Oke, dann eben noch eine...», und ehe man sich versieht, hat am nächsten Morgen ein Pickel auf der Stirn Wurzeln geschlagen.

Nach diesem Youtube-Erlebnis geht mein TV-Liebhaber-Herz mit einem Lächeln zu Bett. Fand ich jetzt wirklich toll, was unser SRF da produziert hat. Würde ich mir vermehrt wünschen und dann auch tatsächlich anschauen. Wirklich imfall. Möge dieser einzige Sender, den wir haben, allen talentierten jungen Fernsehmenschen in unserem Land eine Bühne bieten.

Ich mutiere hier gleich noch zum Groupie. Aber man muss auch mal sagen, wenns einfach gut war. Und das wars dieses Mal tatsächlich.