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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

An diesem «Tatort» will ich wohnen!

Eigentlich hat unserer TV-Kolumnistin Joëlle Weil der «Tatort: Friss oder stirb» gefallen. Aber eine grosse Frage hat sie bis in den Schlaf begleitet.
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© SRF/Daniel Winkler

Kann man da auch einziehen? Wenn das man kein hinreissendes Häuschen ist... Geiselnahme mit Stil, könnte man es fast nennen. 

Wenn ein «Tatort» jemals schön fürs Auge war, dann dieser hier: Am Sonntagabend entführte mich die aktuelle Folge «Friss oder stirb» in eine Supervilla in Luzern. Fast die ganze Folge spielte sich in der Kulisse ab. Da konnte man zwischen den Dialogen wunderbar Inneneinrichtung studieren, sich schliesslich bei sich Zuhause umsehen und sich selbst um sein bescheidenes Eigenheim bemitleiden.

Tatort
© Screenshot SRF1

Noch ein bisschen Haus zum träumen: Ist das nicht eine reizende Behausung? Später zeige ich Ihnen die Küche. 

Worum ging es beim «Tatort»? Ein hässiger Deutscher macht sich nach seiner Entlassung auf den Weg nach Luzern, um dort von seinem steinreichen Chef Geld zu erpressen. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, nimmt er dessen Frau und Tochter als Geisel.

Dem Geiseldrama geht ein Todesfall voraus (den ich während der Traumkulissen-Geiselnahme schon beinahe vergessen hatte): Frau Meili, Dozentin der Universität Luzern, ist tot aufgefunden worden und der Konzernchef ist einer der Verdächtigen, weil sein Auto am Tatort nachgewiesen werden konnte.

Die beiden Geschichten treffen irgendwann aufeinander und voilà: Unsere Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) werden kurzerhand auch zu Geiseln.

Tatort
© Screenshot SRF1

Geisel und Geiselnehmer stehen in der Küche. Ist das nicht eine tolle Küche?

Koks und High Heels hätten nicht sein müssen

Das war mir eine nette Sonntagabendunterhaltung, auch wenn sich die Produzenten einiger unnötigen Klischees bedient haben: Dass die Millionärstochter im Badezimmer koksen musste, war mehr als unnötig. Dass die als Geisel gehaltene Ehefrau erst gegen Ende der Folge ihre High Heels ablegte, schien mir ebenfalls etwas absurd. Aber gut. Wenn das Volk die Kinder koksen sehen will, soll es die Kinder koksen sehen.

Viele spannende Wendungen haben mich während der Folge an der Stange gehalten, zum Beispiel als die Ehefrau versucht hatte, den Geiselnehmer zu überlisten: Sie lockte ihn unter dem Vorwand, ihm heikle Dokumente zu geben, ins Arbeitszimmer. Dort überlistete sie ihn und schloss ihn bewusstlos im Zimmer ein. Warum sie dann nicht auf Idee gekommen ist, ihm seine Waffe abzunehmen, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

Tatort
© SRF/Daniel Winkler

Einer geht noch: Sehen Sie diesen tollen Parkett-Boden? Gitbs den auch zum Mitnehmen? 

Eigentlich kann ich wirklich nicht maulen: Mir hats gefallen. Die Geschichte war nicht allzu sehr aus der Luft gegriffen. Kulisse stimmte. Tempo hat mir gepasst. Gespielt wurde gut. Bitzeli Schwiizerdüütsch hier, dann wieder Hochdeutsch da... ein charmanter Mix.

Die einzige Frage, die offen bleibt: Wie zum Teufel komme ich an so ein Haus, ohne einen unmoralischen Geschäftsmann heiraten zu müssen?!