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Joëlle schaut fern

Bitzeli Augenpipi bei «Happy Day»

Unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil hat zwar während «Happy Day» Wäsche gewaschen und ihre Küche geputzt. Ans Herz ging ihr die Sendung dennoch. Sogar ein Tränli ist geflossen, aber dazu will sie nicht stehen. 

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Röbi und Kiki pläuderlen unter dem Weihnachtsbaum. Die schöne, gute Kiki... Ich bekenne mich zu ihrer Fan-Base. 

Screenshot SRF1

Ich setze mich ja mittlerweile nur noch mit einem starken Kaffee und Zucker vor den Fernsehen, wenn ich «Happy Day» schaue. Nur selten schaffe ich es, bei der dreistündigen Sendung bis zum Schluss wach zu bleiben. Doch schauts her: «Happy Day» zwei Tage vor Weihnachten bot am Samstagabend so viel «Awwww» und «Ohhhh», dass ich bis zum Ende durchhielt. Ein Familiendrama jagte das nächste, zwischendurch gabs immer mal wieder Musik und irgendjemand gewann irgendwann viel Geld. 

Schnell wurde klar, dass hier etwas schief ging. Die Ziehung wurde im Anschluss an die Sendung wiederholt und er richtige Gewinner gekürt. Der in der Sendung genannte Gewinner bekommt seine Million leider nicht. Für die Ziehung verantwortlich ist Swisslos.

Aber diese Familiendramen... Mama mia. Da war die reizende Hedi, die ihren Vater nie kennenlernen durfte. Sie wuchs bei ihren Grosseltern auf, in der Annahme, sie seien ihre Eltern. Die vermeintliche Tante, war hingegen ihre leibliche Mutter. Ihre richtigen Eltern trafen sich während des zweiten Weltkrieges, als ihr polnischer Vater als Internierter in die Schweiz kam. Deren Beziehung und vor allem ihr gemeinsames Kind Hedi musste geheim gehalten werden. Der gute Röbi Koller, 60, überraschte die Rentnerin: Er spürte ihren Halbbruder in Frankreich auf und vereinte die beiden. Welch tränenreiche Zusammenkunft... Ich klammerte mich an meine warme Tasse und wartete, bis sich meine Augen mit Wasser füllten...

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Hedi drückt und sieht ihren Halbbruder zum ersten Mal! Er kann sich an eine Kindheit mit Vater erinnern. Hedi nicht. Da wurde beim Zuschauen ein Tränli verdrückt...

Screenshot SRF1

Für (m)ein heiteres Herz zeigte sich Kiki Maeder, 36, im Studio. Diese Kiki hat einfach den Charme einer Disney-Prinzessin. Würde mir jemand erzählen, dass Kiki morgens mit den Spatzen auf dem Balkon singt, während sie ihre Katze streichelt und die Schmetterlinge ihr die Haare flechten, wäre ich nicht erstaunt. Warum Röbi meine Kiki unverschämterweise auf ihre weitere Familienplanung ansprechen musste, erschliesst sich mir nicht. Dennoch wissen wir jetzt: Familienplanung ist für Disney-Kiki derzeit abgeschlossen.

Disney-Kiki hat mit ihren kleinen Helferlein später in der Sendung noch das Haus einer Mutter mit Sohn, dessen Vater verschwand, renoviert und neu eingerichtet. Die Kamera zeigte nur die menschlichen Handwerker. Würde mich nicht wundern, hätte Kiki noch ihre Freunde aus dem Wald zur Mithilfe eingebunden. Herr Hirsch und Frau Hase haben bestimmt abseits der Kamera mitangepackt.

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Kiki drückt die überwältigte Mutter, nachdem diese ihr neu renoviertes Haus gesehen hat. Pudding-Herz-Alarm!

Screenshot SRF1

Ganz ehrlich: Während ich mir die Sendung gedanklich nochmals durchlaufen lasse, erschliesst sich mir nicht mehr ganz, warum das fast drei Stunden dauert. Baschi, 32, sang noch. Eros Ramazzotti, 55, und Herbert Grönemeyer, 62, auch. Ich kratze mich am Hinterkopf... Superspielfilmlänge. Mal wieder. Ich sollte mich daran gewöhnen, bin aber dennoch immer wieder aufs Neue platt.

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Diese 17-Jährige durfte mit ihrem grossen Idol Baschi auf der Bühne singen. Auch hier: Pudding-Herz-Alarm.

Screenshot SRF1

Röbi hat dann noch einer Altersrollstuhlgruppe Schlafsäcke für warme Beine während des Winters organisiert. Und eine Privatvorstellung von Eiskunstläuferin Sarah van Berkel, 34. Die Senioren hats gefreut, deren Pfleger umso mehr und zum krönenden Schluss glitten alle, samt Rollstühle, über das Eis. Das war einer der TV-Bilder, bei denen man zufrieden ausatmet. 

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Röbi und Rentnerin auf dem Eis. Da weiss man nicht genau, wer mehr Spass hatte von den beiden. 

Screenshot SRF1

Alles in allem war das doch eine ganz schöne Einstimmung für die Festtage. Drei Stunden lang Freudetränen, drei Stunden lang Wünsche erfüllen. Und ich hatte zwischen «Awww» und «Ohhh» prima Zeit, die Küche zu putzen und Wäsche aufzuhängen (Ich gebs zu: Ich schwänze bei allen TV-Shows immer die Musik-Acts. Immer). Alle gingen sie mit einem Lächeln schlafen, an diesem Samstagabend, so auch ich. Awww...

Von Joëlle Weil am 23.12.2018
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