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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

Wenn Musiker nur schmusen wollen

«Liebe deinen Nächsten doppelt wie dich selbst» muss wohl das inoffizielle Motto von «Sing meinen Song - Das Tauschkonzert» lauten. Anders kann sich unsere TV-Kolumnistin Joëlle Weil die Schmusestimmung der Sendung nicht erklären. Aber es gefiel... 

Ich habe einen Hund. Und mein Hund ist nicht nur mein Alltagsbegleiter, er ist auch mein allerliebstes Hobby. Ich bin dermassen in ihn und generell in Hunde vernarrt, dass ich mindestens zwei Stunden pro Tag aktiv damit verbringe, mich mit den Hundehaltern in meiner Nachbarschaft über unsere Vierbeiner zu unterhalten. Und ich liebe es!

Warum ich das erzähle? Ich habe am Dienstagabend auf VOX «Sing meinen Song – das Tauschkonzert» angeschaut und mir überlegt, wie toll es doch für all diese Musiker sein muss, mit ihrer grössten Leidenschaft zusammen in Südafrika mit anderen Musikern zu sitzen und nichts anderes zu tun, als miteinander Musik zu machen. Diese Woche stand Marian Gold, 63, der einstige Frontmann von Alphaville im Zentrum.

Es galt, grosse Alphaville-Hits wie «Big in Japan» oder «Forever young» zu covern. Und es war ein bisschen wie im Hundepark: Wenn man eine Leidenschaft mit anderen Menschen teilt, dann spielt es keine Rolle, wie alt man ist oder woher man kommt. Man steht sich einfach nah, weil die Sache einen verbindet.

Jeder lobt in dieser Sendung jeden

Um ehrlich zu sein, muss ich Musikbanause beichten, dass ich nicht einmal wusste, dass Alphaville eine Deutsche Band war, geschweige denn, dass die beiden oben genannten Hits aus deren Feder stammen. Da ging es mir fast gleich wie Rea Garvey, 45, der an diesem Abend auch noch das eine oder andere dazugelernt hat. Er war es auch, der den Welthit «Big in Japan» coverte und alle haben es geliebt!

Nun gut: Alle lieben bei «Sing meinen Song - Das Tauschkonzert» ständig die Arbeit der anderen. Es ist wahrlich ein Hippiehaufen, der in Harmonie ertrinkt.

Rea Garvey bei SING MEINEN SONG - DAS TAUSCHKONZERT, MARIAN GOLD (ALPHAVILLE)
© MG RTL D / Markus Hertrich

Rea Garvey hatte einen Auftritt in der gestrigen Ausgabe von «Sing meinen Song - Das Tauschkonzert».

Und es fehlt auch nicht am kommerziellen Musiker-Fachjargon, der Floskeln wie «ehrliche Zeilen» und «mutige Interpretation» beinhaltet. Aber man verzeihe den acht Mitwirkenden. Und dieses sich gegenseitig feiern und toll finden ist irgendwie auch verständlich, wenn man in einer Musiker-Villa in Südafrika aufeinandersitzt und die Musik des jeweils anderen neu interpretiert.

Mark Forster lernte Gitarrespielen

Judith Holofernes, 41, (Ich dachte die sei halb so alt) von der Band «Wir sind Helden» und Sängerin Leslie Clio, 31, (Auch die schaut viel jünger aus) haben ganz wunderbar alternativ neu komponiert. Host der Sendung Mark Forster, 34, lernte für diesen einen Auftritt Gitarre spielen und Johannes Strate, 38, (Der schaut keinen Tag älter aus als 30. Was ist denn los mit all denen?) von der Band «Revolverheld» hat aus «Forever young» eine so süsse Gitarren-Version gemacht, die mindestens so herzig war wie er selbst. Schlagersängerin Mary Roos, 69, gewann den Abend mit einem Song, der mir ebenso unbekannt war wie sie selbst: «I die for you today».

SING MEINEN SONG - DAS TAUSCHKONZERT, MARIAN GOLD (ALPHAVILLE)
© MG RTL D / Markus Hertrich

Schlagersängerin Mary Roos setzte sich durch.

Bei so viel Hippieflair und guter Laune gibt es keinen Platz für Zynismus. Das muss man als Zuschauer einfach geniessen und als Seelenbalsam auf sich wirken lassen. Ganz viel Schmusestimmung, Live-Musik und eine Gummibärchenbande, die mit Konfetti und Umarmungen um sich schmeisst. Da könnte man im Hundejargon sagen: Die wollen nur spielen und schmusen. Da beisst garantiert keiner.