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Joëlle schaut fern

Joëlle Weil bloggt über die TV-Sendung der Woche.

«Lifelines»: Zu schön, um Arzt zu sein

«Malen nach Zahlen» würde Dr. House die Sendung nennen, die sich unsere TV-Kolumnistin angeschaut hat: «Lifelines» auf RTL ist die Ärzte-Soap ohne alles. 
Der schöne Dr. Alex während einer scharfsinnigen Diagnose.
© MG RTL D / Frank Dicks

Der schöne Dr. Alex während einer scharfsinnigen Diagnose. 

Ärzte-Serien sind meins. Vielleicht, weil ich bereits als kleines Mädchen mit «Emergency Room» gefüttert wurde. Damals war ich so jung, dass ich nicht einmal den Titel der Sendung verstanden habe. Später bereicherten dann «Grey’s Anatomy» und danach «Dr. House» mein Leben.

Nicht, dass ich während all den Stunden jemals tatsächlich etwas über Medizin gelernt hätte: Bis heute kann ich Paracetamol kaum von Imodium unterscheiden. Aber ich bin mir sicher, dass ich im Schlaf einen Luftröhrenschnitt vornehmen könnte und währenddessen meine Beziehungsprobleme lösen kann. 

Nun hat RTL eine neue Ärzte-Serie, welche diese Woche auch schon wieder zu Ende ging. «Lifelines» heisst, bzw. hiess die. Am Dienstagabend konnte man da Dr. Alex Rode (gespielt von Jan Hartmann, 37) und seinem schönen Gesicht zuschauen, wie er Leben rettet, Herzen bricht und sich komplett ungestresst den ganzen Tag lang einem einzigen Patienten hingibt. Zwischen Patient A und dem Lösen der persönlichen Dramen bleibt immer noch etwas Zeit für einen netten Schwatz und einen flotten Spruch mit dem gutgelaunten Pflegepersonal, das sich in Schleichtempo durch die Gänge bewegt.

Jetzt. Genau JETZT sollte man über persönliche Differenzen sprechen. Dr. Rode und Dr. Seifert machens vor.
© MG RTL D / Frank Dicks

Jetzt. Genau JETZT sollte man über persönliche Differenzen sprechen. Dr. Rode und Dr. Seifert machens vor. 

Ich habe so einige Freude, die in der Gesundheitsbranche arbeiten. Und wenn ich eines mit Bestimmtheit zu wissen glaube, dann das: Während man einen Komapatienten notfallmässig im nicht sterilen Zimmer operieren muss, bleibt keine Zeit, um mit der Verflossenen (Sie ist natüüürlich auch Ärztin.) über persönliche Probleme zu reden.

Aber Dr. Rode kann eben alles.

Dr. Rode ist auch gerade zu den Zeitpunkt im Strip-Club, als der Tänzer auf der Bühne zusammenbricht.

Wie praktisch, wenn während des Strippens ein Arzt im Publikum steht.
© MG RTL D / Frank Dicks

Wie praktisch, wenn während des Strippens ein Arzt im Publikum steht. 

Und Dr. Rode steht natürlich immer genau dann im Aufzug, wenn der Neue seiner Verflossenen, die Verflossene selbst, oder sonst jemand, mit dem man etwas unheimlich Wichtiges besprechen muss, auch tut. Aufzüge sind verflixte kleine Dinger. Sie sind der Dreh- und Wendepunkt eines jeden guten Drehbuchs. Zwei Stockwerke reichen immer für eine scharfsinnige Bemerkung aus, die das Leben nachhaltig beeinflusst.

Kurz zur Geschichte: Dr. Rode und seine Ex, Dr. Laura Seifert (gespielt von Susan Hoecke, 36) hatten Sex. Dabei ist Seifert eigentlich mit Richard zusammen. Seifert und Richard wollen aber dennoch heiraten. Doch es knistert natürlich noch ordentlich zwischen den ehemaligen Liebenden. Irgendwann während der letzten 20 Minuten hat der Doktor dann auch noch ein Kind aus einem brennenden Haus gerettet (kein Witz).

Dr. Rodes rettet ein Kind aus dem brennenden Haus. Because... why not.

Dr. Rodes rettet ein Kind aus einem brennenden Haus. Because... why not. 

Das wars schon. Zwischendurch passiert medizinisch praktisch gar nichts. Die Pedicure, die ich mir während des Fernsehens gegönnt habe, hat an diesem Abend die umfangreichste medizinische Expertise erfordert.