Jubel, Trubel, Blätterwald

A royal f***-up

Eine tote Krankenschwester, zwei fast schon böswillig gedankenlose Radiomoderatoren, ekelhafte Royals, hinterbliebene Kinder und ein gefundenes Fressen für jeden People-Journalisten - mich inklusive: Weshalb die Medientragödie um Kate Middleton einen mehrfach schalen Nachgeschmack hinterlässt.

Man kann es kaum guten Gewissens schreiben, nachdem sich dieser gedankenlose Prank Call in Kate Middletons Spital zu einer Tragödie ausgewachsen hat. Es ist den zwei australischen Radio-DJs auch zweifellos vorzuwerfen, in ihrer Gedankenlosigkeit an der, respektive weit unter der, Grenze zur kompletten Verblödung zu operieren: Dass jegliche Neuigkeit betreffend Kate Middletons Schwangerschaft internationale Headlines generieren wird und dass man mit einer Telefonaktion eine reale Person auf globaler Ebene öffentlich vorgeführt und lächerlich macht, sollte auch im grösstenteils einigermassen hinterwäldlerischen Sydney (ich darf das sagen, ich hab mal dort gelebt!) jedem klar sein. Ich gebe jedoch zu - und hier meldet sich nun eben mein schlechtes Gewissen: Als die ersten Schlagzeilen auftauchten, habe ich gekichert. Sich als Queen auszugeben und damit durchzukommen! Die Chuzpe! Schon der Spass beim Recherchieren des richtigen Akzents! Schützenhilfe könnte dieser sympathische Mann gegeben haben, welcher einem erklärt, was die Wörter «Luft», «Hase» und «Fuchsbau» (Air, Hair und Lair) mit poshen Begrüssungsritualen zu tun haben. Mehr als man denkt! Aber sehen Sie selbst, nach 1 Minute 24 gehts zur Sache:

Der tatsächliche Prank Call hat, nüchtern betrachtet, seine eingermassen lustigen Momente, allerdings auch dumme Flüchtigkeitsfehler, wie Kate als die «Granddaughter» der Queen zu bezeichnen. Charles solle endlich mal mit den bellenden Corgies raus und so ein Spitalbett sei natürlich «nothing like a palace», darum sei es kein Wunder, habe Kate nicht so gut geschlafen, meint die falsche Königin. Doch hören Sie selbst, falls Sie es über sich bringen, sich diese wegen genau dieses Anrufs nun verstummte Stimme anzuhören: 

Natürlich waren Sprecher des Palastes nach der Selbstmord-Tragöde sehr schnell darin, zu versichern, es sei keinerlei Druck von den Royals auf die gutgläubige Krankenschwester ausgeübt worden und sie hätte auch ihre Stelle nicht verloren, yadda, yadda, yadda. Jedoch genauso wie die australischen Dumpfbacken hätten wissen müssen, dass sie jemand komplett Unbescholtenes für ein paar billige Lacher ins globale Rampenlicht zerren, hätten Palastsprecher oder die PR-Nasen der Royals oder wer auch immer für das öffentliche Bild dieser anachronistischen Tourismusgeldmachereiposse zuständig ist, wissen müssen, dass eine plötzliche ungewollte Öffentlichkeit nicht jedermanns Sache ist. Die Krankenschwester hätte sich bestimmt nicht umgebracht, hätte ein folgendes oder ähnliches Telefonat stattgefunden:

- Nurse: Hello?
- Kate: AirHairLair! It's Kate Middl-, erm, Catherine, the Duchess of Cambridge speaking. Die richtige! No Prank!
-Nurse: Um, yes?
- Kate: Hör mal, about that call. Wir wissen schon, dass du nicht schuld warst. Ist ok. Wär jeder drauf reingefallen. Können dir unsere PR-Nasen irgendwie helfen?
- Nurse: Ja, ich würd recht gern nicht mit Namen und Bild in der Presse featuren, bitte, ich schäme mich derart. Meine Kinder werden sonst in der Schule fertig gemacht, und ich trau mich nicht mehr auf die Strasse.
- Kate: Ok, wir lassen die Redaktionen von «The Sun» und der ekelhaften «Daily Mail» wissen, dass wir the hell ouf them prozessieren, falls sie irgendwas drucken. I'll get my peeps on the case!
- Nurse: Thank you. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
- Kate: You know what? Do be a sport and get out of the country for a while! Der Palast bucht dir einen Monat Ferien mitsamt Familie, wir sprechen mit den Arbeitgebern, kein Problem, wenn du zurück bist, ist die Geschichte längst gegessen, there's a good lass. Und thanks for the great care, ich musste seither nie mehr würgen. Tally Ho! Pip! Pip!

Aber Kompassion gehört wohl lediglich im Rahmen geplanter «repräsentativer Pflichten» zum Aufgabenheft der Royals. Da kann man dann wieder medienwirksam krebskranke oder auch bloss «common» Kinder umarmen.

Um inmitten solch allseitig ekliger Gedankenlosigkeit auf einer positiven Note zu enden, hier ein Prank Call der harmlosen und dennoch lustigen Sorte, vom immer wunderbaren Helge Schneider: