Jubel, Trubel, Blätterwald

Sitzleder zum Neuen Jahr!

Ach ja, es ist ja wieder mal dieser Morgen im Jahr: Mittelschwer verschmiert aufgewacht, gegähnt, sich am Kopf gekratzt und wie war das nochmals mit dem Fitnessabo und weniger essen und aufhören zu rauchen? Dabei, das Leben! Doch schon streng genug, ohne sich mit fiesen Vorsätzen zu kasteien! Besser sich was vornehmen, das man auch einhalten kann. Zum Beispiel sich endlich ohne schlechtes Gewissen Abende lang aufs Sofa zu kleben und sich US-Serien reinzupfeifen. Hier eine kleine Auswahl, was 2013 so läuft, was sich lohnt und was nicht:

Zunächst eine Auswahl für Menschen, die Zwerge und Drachen und Untote und sowas mögen und die letztes Jahr plötzlich elektrisiert vor dem Fernseher sassen: Jaja, die erste Staffel von «Game of Thrones» war super. Intrigante Könige, mächtige Liliputaner, ein in Eis erstarrtes Reich, und viel, viel Sex and Crime. Das gleich benamste erste Buch der Serie «A Song Of Ice and Fire»: Genauso super. Trotzdem gilt es an dieser Stelle leider eine Warnung auszusprechen: Die Bücher, und ich hab sie alle gelesen, werden leider fortschreitend mieser, das letzte ist geradezu grottenöd. Dem Autoren, George R.R. Martin, scheinen die Handlungsstränge seiner ersten, starken Charakteren schleierhaft zu bleiben, weshalb er sich darauf verlegt, ständig neue Schauplätze und Personen hinzuzufügen und seitenlang zu beschreiben, wer was wann gegessen hat. Das Resultat: Gähn auf über 1000 Seiten. Sogar die stets widerlicher werdenden sadistischen Sexelemente: Auch Gähn. Hat hier irgendwer mal Marquis de Sade gelesen? Dort ists genauso: Widerliche, lang ausgewalzte Sadoszene nach widerlicher, lang ausgewalzter Sadoszene nach wi… laangweilig! Es ist zu hoffen, dass die Drehbuchschreiber mutig genug sind, die Serie spätestens ab dem zweiten Buch inhaltlich von der Romanvorlage zu entkoppeln. Sonst tuts mir leid für all die lieben, gutmütigen, treuen Zuschauer, mich inklusive, die nie erfahren werden, was eigentlich mit ihren Lieblingscharakteren wie Arya Stark passiert. 

Das mit dem Sex am Fernsehen könnte man ja auch richtig machen, mit einem Element Gefahr und viel Ironie: Bereits einmal in diesem Blog erwähnt, ist «True Blood» die erwachsene Variante des ganzen Twilight-Vampir-Crazes. Alle reden mit tollen Südstaatenakzenten, haben ganz viel Sex und lustig und spannend ists auch. Weniger Sex und weniger lustig, dafür von düsterer Stimmung ist die andere, lebensabschnittlich in der High-School angesiedelte Vampirserie. Es gibt ja im Englischen den schönen Ausdruck «Teenage Angst»; auch tatsächlich «ääängst» ausgesprochen, der das ganze hormonell bedingte Brimborium an Sehnsucht, diffusen Ängsten, Überschwang und bodenloser Zerstörtheit abdeckt. Nun, «Vampire Diaries» ist die Teenage-Angst-Version des ganzen Vampir-Dings. Alle sehen wunderschön aber auch leicht düster aus, rennen dauernd an High-Schools und Small-Town-Bälle und die Hauptfigur steht zwischen zwei Brüdern und kann und kann sich nicht recht entscheiden. Super Bubblegum-Drama für ewige Mädchen zwischen 15 und 45. Erwachsenen Mädchen, die leider oftmals kein Sexualleben mehr wegen kleinen oder mittleren Kindern haben, tröstet: es braucht nicht immer eine grosse Portion Sex! Es gibt auch Familienfernsehen! «Once upon a time» - Es war einmal… ist eine märchenhafte Variante. Die Geschichte um ein verzaubertes Dorf, wo Märchenfiguren unter einem Fluch in der normalen Welt leben müssen; um eine böse Zauberin, ihren Adoptivsohn und seine leibliche Mutter, ist gleichzeitig spannend und herzerwärmend. Bloss dass Schneewittchen derart grosse Ohren unter einem unvorteilhaften Kurzhaarschnitt hat, trübt den Spass ein wenig. 

So. Jetzt reichts auch mit dem ganzen übersinnlichen Kram, schliesslich gibt es ja auch Menschen, welche eine Schwäche für handfestes Verbrechen haben, zumindest vom Sofa aus genossen. Ihnen empfehle ich eine Soft-,  eine Hardcore- und eine Glamour-Variante:  Die Sherlock-Holmes-Geschichte mal anders bespielt: «Elementary». Watson ist eine Frau und zwar die schöne Lucy Liu, Holmes ist wie immer genial, aber ein Wrack, welches gerade erst aus einem Sanatorium für Geistes- und Suchtkranke entlassen wurde. Liu wird von Holmes' Vater angestellt, um für eine bestimmt Zeit mit Holmes zu wohnen und sicherzustellen, dass er nüchtern bleibt. Ich hab die englische Version bereits vorgeguckt: Super Dynamik zwischen den Hauptdarstellern, super Episoden, lohnt sich. 

Als nächstes ein Tipp, der auf Recherche beruht statt auf eigener Sofakleberfahrung: «Homeland», ein Drama um einen Terroristen, der sich unter dem Deckmantel, ein Kriegsheld zu sein, in die CIA einschleust und um seine Kollegin Carrie Mathison, die als einzige den Braten riecht. Das soll Ausnahmefernsehen sein. Also los! 

Ausnahmefernsehen ist auch Folgendes: Wie super ist eigentlich die moderne Fassung des Graf-von-Monte-Christo-Themas, «Revenge»? Und was für einen begnadeten plastischen Chirurgen hat eigentlich Madeleine Stowe? Die Ausnahmeschönheit ist ja nun doch bereits - Moment, googlen - 54 und sieht, abgesehen von einem leicht seltsamen Lippenschwung, besser aus denn je. Egal, es geht ja nicht um Madeleine Stowes Chirurgen, sondern um die abgrundtief verkommenen Charaktere, die sich in den teuren Hamptons tummeln und gegeneinander intrigieren. Emily Thorne, eine Waise, deren Vater ungerechterweise eines terroristischen Akts bezichtigt wurde, schwört Rache an der einflussreichen Familie, die ihn reingelegt hatte. Und verkommt zu einem genauso skrupellosen Monster wie ihre Feinde. Immens superes Fernsehen! Alle sind immens reich, immens durchtrieben und wohnen in immens tollen Häusern. 

Stilnostalgiker können auch nicht immer nur «Mad Men» sehen. «Pan Am» hat genauso tolle Kostüme der frühen Sechziger. Christina Ricci ist Flugbegleiterin, als Fliegen noch glamourös war und die Gäste schön, interessant und reich, also im Gesamten gar nicht mit heutiger Sardinenbüchsigkeit zu vergleichen. Leider ist keine zweite Staffel zu erwarten, obwohl die Serie ein internationaler Erfolg war.

50er-Glamour zum Zweiten, also Nobelhotel, Mafia, Miami, schöne Frauen, spitze BHs, riesige Klunker - I'm there -,  liefert «Magic City».

Zuguterletzt, weil das ganze Vampirdings ja eher ewige Mädchen anspricht, noch eine Bubensache. Ich fand ja Charlie Sheen noch nie weder besonders unterhaltsam noch besonders nett anzukucken. Auch «Two and a half Men» liess mich in seiner Plattheit zumeist recht kalt. Aber Millionen von Fans können ja nicht gänzlich falsch liegen, deshalb hier der Verweis auf Charlie Sheens Comeback nach seinem spektakulären Rauswurf bei Two an a Half Men. Immerhin darf Sheen bei «Anger Management» so richtig austicken und wird sogar bezahlt dafür: es geht um einen Baseball-Profi mit Aggressionsproblem. Charlie! Still Winning! 

2013 kann also nichts schiefgehen. Zurücklehnen und geniessen! 

 

«Game of Thrones», 2. Staffel voraussichtlich auf RTL 2

«True Blood», voraussichtlich auf SF 2

«Vampire Diaries» auf Sixx

«Once Upon A Time», 2. Staffel voraussichtlich auf 3plus

«Elementary», ab 10. Januar, Sat 1, 21.15 Uhr

«Homeland» ab 3. Februar, Sat 1, 22.15 Uhr

«Revenge» ab 21. Januar, 21.35  Uhr auf SRF zwei

«Pan Am» ab Frühling 2013 auf Sixx 

«Magic City», voraussichtlich ab Frühling 2013 auf ZDFneo

«Anger Management», voraussichtlich bei VOX