Jubel, Trubel, Blätterwald

Unheilige Päpste

Medienbloggerin Silvia Tschui hofft, der neue Papst Franziskus läute Reformen in der katholischen Kirche ein. Sieht man sich nämlich gewisse historische Päpste an - au weia! 

Papst Franziskus wird nach einigen Tagen bereits als grosser Reformer gehandelt - wo Papst Benedikt XVI den Kopf in den Sand steckte und vor Pädophilieskandalen die Augen verschloss, soll der neue, bescheidene Papst aufräumen, so lautet zumindest die Hoffnung. 

Und, meine Güte! Joseph Aloisius Ratzinger war ja nicht der einzige, der einen Augiasstall sondergleichen hinterliess. Im historischen Vergleich ist das Verhalten, lieber nichts mit fehlgeleiteten Priestern und deren minderjährigen Opfern zu tun haben zu wollen, geradezu handzahm zu nennen. 

Ich habe für Sie, liebe User, im Folgenden die zehn saftigsten Brocken aus gut 2000 Jahren Papsttum zusammengetragen, was, ehrlich gesagt, nicht richtig schwierig war - es gibt diverse Artikel und gar Bücher zum Thema. Inzest, Mord, Syphilis, nahezu Unbeschreibliches gar - heiliger Bimbam, werden sich Ihnen die Haare sträuben! Los gehts: 

1. Sergius III (904-11) ist eigentlich noch recht harmlos: Er ermordete lediglich seinen Vorgänger und zeugte mit seiner minderjährigen Mätresse Marozia einen Sohn, der ihm als Papst Johannes XI auf den Thron folgte. 

2. Johannes XII (955-64), übrigens ein Enkel besagter Marozia, und ihretwegen jung auf dem Papstthron gelandet, wurde bereits als Bubi von sechzehn Jahren bezichtigt, mit beiden seiner Schwestern intime Beziehungen zu unterhalten. Ausserdem gab er sich der Spielsucht hin, verschacherte kirchliche Ämter gegen schnödes Geld, liess Feinde rechts und links ermorden und verstümmeln - und fand schliesslich ein gebührendes Ende: In flagranti beim Ehebruch mit einer römischen Aristokratin von deren Ehemann ertappt, schlug ihm dieser mit einem Hammer den Schädel ein. 

3. Benedikt IX (1032-48) soll im Lateranpalast ständig für Kardinäle offen sichtbar junge Knaben sodomisiert haben. Sein Nachfolger Papst Viktor III schrieb über «…seine Vergewaltigungen, Morde und andere unaussprechbare Verhaltensweisen. Sein Leben als Papst war so lasterhaft, so widerlich dass es mich schaudert, daran zu denken.»

4. Boniface VIII (1294-1303) liess nichts anbrennen. Seinem Machtanspruch gegenüber der rivalisierenden römischen Familie Colonna setzte er 1298 ein deutliches Zeichen: Er liess die gesamte Bevölkerung der italienischen Stadt Palestrina, der Heimatstadt der Colonnas, massakrieren und durch die Stadt schleifen. Er hatte zudem ein Händchen für öffentliche Deklarationen: «Junge Knaben zu sodomisieren ist genauso wenig Sünde, wie sich die Hände zu waschen», ist überliefert. Er könnte direkt zum Schutzpatron einiger heutiger Priester ernannt werden. 

5. Der Dichter Petrarch nannte den Avignon-Papst Clement VI (1342-52) «kirchlicher Dionysus» - der Anzahl seiner Mätressen und seiner schwerwiegenden Gonorrhöe wegen. Als er starb, stellten sich fünfzig Priester zur Verfügung, um an der Messe für sein Seelenheil zu beten. Ein geflügeltes Wort entsprang: Fünfzig Priester seien für ein Seelenheil bei weitem nicht genug. 

6. Sixtus IV (1471-84), immerhin für die Erstellung der Sixtinischen Kapelle verantwortlich, zeugte sechs (bekannte) illegitime Söhne - einen davon mit niemand anderem als seiner Schwester. Er besteuerte Prostitution um die Kirchenkassen zu füllen und zog ein Bussgeld von Priestern ein, die sich Mätressen hielten. Kritiker hielten fest, in der Folge sei eine Blütezeit klerikaler Homosexualität angebrochen.  

7. Innozenz (-ha!-) VIII (1484-92) war noch umtriebiger. Er zeugte acht anerkannte illegitime Söhne. Seine diversen Affären hielten ihn nicht davon ab, die Inquisition voranzutreiben und so das Klima für grauenvolle Folterungen und Hexenverbrennungen zu bereiten. Die saftigsten Legenden ranken sich um sein Todesbett: So soll er gemäss einer Quelle nach einer Amme und frischer Brustmilch verlangt haben - ähm, was schreibt man da? Sie wissen schon. Andere Quellen wollen wissen, ihm sei im Koma das Blut von drei zehnjährigen Knaben verabreicht worden, um ihm deren Jugend zu übertragen. 

8. Alexander VI (1492-1503)'s Orgien sind über fünfhundert Jahre später noch legendär. Nicht zu toppen wohl das «Hurenturnier» im Jahre 1501, zu welchem fünfzig Prostituierte eingeladen worden sein sollen, die zu Füssen der päpstlichen Familie Borghia in Kastanien herumschnüffeln mussten wie Schweine. Später seien Preise von Juwelen und kostbare Gewänder dem offeriert worden, der die meisten Damen... ach je. Papst Alexander dem VI wurde jedenfalls nach seinem Tod das Begräbnis in der Basilika von St. Peter verwehrt - er sei einfach zu verdorben gewesen, um in heiligem Boden begraben zu sein, meinte der Klerus. 

9. Julius II (1503-13) wirkt dagegen fast harmlos. Er beauftragte immerhin Michelangelo, die Decke der Sixtinischen Kapelle zu bemalen. Weniger rühmlich ist die Überlieferung seiner Audienzen. Am Karfreitag des Jahres 1508, konnte er seinen Gläubigen nicht erlauben, seine Füsse zu küssen - sie waren derart von Syphilis-Schwären verunstaltet.

10. Zuguterletzt etwas Herzerwärmendes: Julius III (1550-55) verliebte sich derart in einen hübschen Bettlerjungen namens Innocenzo, den er auf der Strasse sah, dass er den 17-jährigen Analphabeten sogleich dauerhaft in seinem Bett parkierte und ihn zunächst von seinem Bruder adoptieren liess, um ihn später zum Kardinal zu erheben.

Sie sehen, lieber User, unser aller neuer Papst Franziskus kann eigentlich nur strahlendes Beispiel (wie mans als Oberhaupt einer Kirche richtig macht) werden. Schlimmer als die schlimmsten vorher kanns nicht werden. Und wünschen wir ihm viel Durchsetzungskraft und Glück bei den nötigen Reformen innerhalb der katholischen Kirche. Auf dass das mit den Knaben... es reicht jetzt dann mal! 

Quelle: Eamon Duffy: «Die Päpste: die grosse illustrierte Geschichte», Droemer Knaur Verlag