Kater am Sonntagnachmittag

Von gespitzten Bleistiften, einem filmedrehenden Kater und ein paar unscheinbaren blauen Punkten

Das E-Mail stach mir ins Auge: Da war ein Attachement mit dem witzigen Titel „Die Katze, die einen Film machen wollte“. Wer will das heute nicht, mit all den technischen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen! Aber eine Katze? Das war was Neues…

Ich ging auf die Website: Ein dynamischer Kater meldete sich: "Ich will einen Film drehen". Dann begann er auf und ab zu gehen. Unaufhörlich. In Gedanken verloren, mit festem Schritt. Ein monotoner Beat untermalte das ewige Hin und Her. Ich schaute gebannt auf den Bildschirm. Ziemlich lange. Es passierte nichts. Der Kater ging weiter auf und ab. Ich spitzte einige Buntstifte zu. Immer noch nichts. Putzte das Pult, räumte Papiere auf. Immer noch nichts. Dem armen Kerl scheint die zündende Idee für den Film zu fehlen.

Wozu sind eigentlich diese vielen blauen Punkte am oberen Rand? Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Stimmt, ich befand mich ja mitten in einem interaktiven Animationsfilm. Also, nichts wie los. Ich klickte mich durch die Punkte und nun konnte ich endlich dem Kater bei den Dreharbeiten über die Schulter gucken. Ich schreibe jetzt nicht, wie lange es dauerte, bis ich soweit war. Doch das lange Warten hat sich ausgezahlt: mein Schreibtisch ist sauber, die Bleistifte gespitzt, der amüsante Streifen im Kasten und der Kater (vermutlich) auf dem Weg nach Hollywood.   

Kati Moser

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