Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Couchsurfing

Um mehr Geld in Kleider investieren zu können, entscheidet sich Alexandra Kruse in München für Couchsurfing. Die Stylistin ist überrascht, dass die Couch ein Bett ist und sie vor lauter Gastfreundschaft das Shoppen vergisst.

Also, da gibt es eine Sache. Ich habe festgestellt, ich halte mich für wahnsinnig offen, tolerant, weitsichtig, nächstenliebend, flexibel - all diese guten Eigenschaften, die man nur zu gerne von sich behauptet. Nur wenn es dann darum geht, seine angeblich positiven Seiten unter Beweis zu stellen - ich sag Ihnen, dann kommen die Vorurteile. Als es darum ging, ein Hotel in München zu finden, schlug Herzkumpel vor, wir sollten es mit «Couchsurfing» probieren (man sucht man sich an einem Ort seiner Wahl nette Menschen, die einem auf der Basis des gegenseitigen Vertrauens ihre Couch zur Verfügung stellen). Sie können sich vorstellen, was dann geschah.

Einer meiner emotional gefärbten Ausraster. «Ich? Auf einer fremden Couch? Bei wildfremden Leuten? Mit Sicherheit nicht, bin ja kein Student mehr, und mein Rücken!» Alles war in Gefahr, das ganze System Alexandra Kruse wackelte. Dazu kamen Herzkumpels illustre Geschichten von französischen Studentinnen und deren Bettcouch. Nein danke. Doch der Gedanke an ein grösseres Shopping-Budget liess mich nicht mehr los. Und dann der Sale! Also gut, versuchen wirs.

Zu meiner grossen Überraschung landeten wir bei einem sehr netten Paar, deren Ansichten und Gewohnheiten perfekt zu unsern passten. Und ihre Couch war ein Bett in einem eigenen kleinen Apartment. Sie hatten auch noch nie vorher Couchsurfer beherbergt. Mit grosser Liebe und Sorgfalt machten sie uns Frühstück, zeigten uns ihr Wohnviertel, nahmen uns mit zum Yoga. Vor lauter Aufregung und Sympathie habe ich dann das Shoppen ganz vergessen. Doch das Allerbeste daran: Ich habe mich selber damit total überrascht.