Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Der Zauberstab

Manchmal ist Weihnachten schon früher als erwartet. In meinem Fall fand das Fest schon Mitte Januar statt. Der Storch hatte einen guten Tag und schenkte uns an einem eiskalten, klaren und sonnigen Tag das herrlichste Baby, das man sich wünschen kann. Aus einem Mini-Knäulchen wurde in kurzer Zeit ein richtiges Menschlein, das fröhlich seine gute Laune kundtut, uns mit seinen Gesängen und kleinen Fortschritten erfreut und vor Energie nur so sprudelt.

Das alles ist so schnell gegangen, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht. Die Tage fliegen nur so dahin, plötzlich ist wieder Dezember.Glücklicherweise ist allen Unkenrufen zum Trotz die Welt nicht untergegangen. Die Sterne scheinen gut zu stehen. Apropos Sterne. Mitten im Hochsommer ereignete sich meine neue Lieblingsweihnachtsgeschichte. Mein Fast-Christkind und ich spazierten über den Bürkliplatz-Flohmarkt in Zürich. Der unter Kennern ja für seine zauberhaften Ereignisse bekannt ist. Wir hielten an einem Mini-Stand und bewunderten die Auslagen wie aus 1001 Nacht.

«Wissen Sie», sagte die sehr, sehr alte und sehr, sehr feine Dame mit müden Augen, «mein Mann und ich waren viel auf der Welt unterwegs, und unsere Kinder interessieren die Sachen nicht.» Und sie erzählte von Reisen nach Persien, Indien, China, Afrika. Da lagen ihre Souvenirs aus aller Herren Länder, die sie ein Leben lang begleitet haben. Und die sie nun verkaufte, um andern eine Freude zu machen. Puderdosen aus Lapislazuli, Grillenkäfige aus Kürbis und eine handbestickte Hochzeitsjacke aus rosa Spitze.

Mein Blick blieb an einem Kupferstab hängen, der über und über mit Halbedelsteinen besetzt war. «Das ist ein Meditationsstab, den ich in einem indischen Aschram für 700 Dollar von einem Guru gekauft habe», sagte die 90-Jährige. Der Stab zog mich magisch an. Kosmo machte vor Aufregung Delphin-Geräusche. In meinem Kopf fing die Rechnung an, wo genau ich sparen konnte, um den Stab zu kaufen. Aber es war einfach zu viel. «Schauen Sie, zum Stab gehört das Samtetui. Ich schenk ihn Ihnen», sagte die Dame. Die ich später nie wiedergesehen habe, um mich noch mal zu bedanken.

Schenken ist manchmal eine hohe Kunst. Lassen Sie sich überraschen, berühren und verzaubern!

Alexandra Kruse, 33, ist Stylistin und schreibt wöchentlich eine Kolumne für die «Schweizer Illustrierte».

Weitere Kolumnen von Alexandra Kruse finden Sie im Dossier von SI online.

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