Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Die Sackfrage

Kennen Sie die Frage: «Sack wellä?», die einem Kassiererinnen oft und mehr oder weniger höflich stellen? Die kommt direkt nach der strengen Bonuskartenfrage.

Man fühlt sich als schlechter Mensch, wenn man keine Bonuskarte besitzt. Und nicht von all den vermeintlichen Vorteilen profitiert. Aber seit ich mal ganz brav Märkli gesammelt habe und mir mit meiner Sammelei eine Super-Luxus-High-End-Küchenmaschine verdient habe, vermute ich: Alles unnötiger Quatsch. Den Aufpreis von 350 Franken betrachtete ich als Schnäppchen, und nun besass ich eine Küchenmaschine, die aussieht, als könnte sie auch von Daisy Duck bedient werden. Oder zumindest aus Entenhausen stammen.

Die Kitchen Aid kann alles ausser sprechen. Schnitzeln, häckseln, rühren. Nur benutzt hab ich sie noch nie. Mein guter alter Mixer wäre nämlich beleidigt. Jedenfalls antwortet man auf die «Sack wellä»-Frage mit Ja, zahlt 30 Rappen mehr und ist dann Besitzer einer Plastiktüte. Die im Durchschnitt 25 Minuten gebraucht wird, blöderweise aber 500 Jahre benötigt, um zu verrotten. Die, wenn es schlecht läuft, im Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii landet.

Meeresschildkröten verwechseln die umherschwebenden Tüten mit Quallen und fressen sie, ebenso die Fische. Die wir dann wieder essen. Vögel füttern ihre Jungen mit Plastik. Delfine sind keine Fans und suchen sich lieber die nächste Ölpest. Schon klar, dass sich hier der Kreis schliesst. Ursprung der Plastiktüte ist ja Öl. Also: Lieber ein klares «Nein, danke» auf die Sackfrage und stattdessen eine Silky-Pop-Tasche von Hermès anschaffen! Seide statt Plastik.

Alexandra Kruse, 33, ist Stylistin und schreibt wöchentlich eine Kolumne für die «Schweizer Illustrierte».

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