Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Hello, Happyween

Es geschah an diesem ausgedachten Kürbis-Feiertag und fing wie immer harmlos mit ein bisschen Nebel über der Stadt und dem Fluss an.

Ich trank den wirklich besten Kaffee der Stadt. Mit Genuss. Nachdem ich wochenlang erfolglos versucht hatte, meinen Kaffeekonsum wegen Stimmungsschwankungen einzuschränken, trinke ich nur noch sehr selektiven, dafür guten Kaffee (für Kenner: La-Marzocco-Maschine, Angel-Maria-Piñeros-Bohne) wie eben den im «Grande» am Limmatquai, diesem besonderen Ort, wo gut frisierte Omas ihren Kaffee Creme ebenso geniessen wie Taxifahrer, die lautstark in ihrer Muttersprache parlieren.

Während draussen Horden asiatischer Touristen mit Mundschutz hinter Regenschirmen herlaufen. Wahlweise Menschen in Pandabären-Kostümen, immerhin ist ja Halloween. Ich sass mit Sweetheart Nina vertieft in Gespräche über Jungs, Obama, die Rattenplage im Post-Sandy-New-York und Klamotten, bis ich vollkommen überraschend einen hysterischen Anfall bekam. Die Musik! Meine Nerven! Statt sanfter Töne, die sich diskret im Hintergrund halten, wurde mein Trommelfell von quietschenden Saxofonen strapaziert. Meine Jazz-Allergie war innerhalb von Sekunden reaktiviert. Dem sehr wohlgekleideten Barista entging das nicht.

Während er lautlos ein Stück Schoggikuchen zur Instant-Beruhigung servierte, fragte er: «Gefällt dir die Musik nicht?» Ich: «Nein, ich hasse Jazz!» Er: «Aber du hast doch ein Kind!» Ich: «Ja, aber das spielt kein Saxofon.» Er legte brav eine neue, ruhigere Platte auf. Dann gingen wir ein Haus weiter zu Claire’s und verkleideten uns wie ausgeflippte Teenager als Hexen. Kosmo bekam ein Bienenkostüm. Vielleicht sollte ich in Zukunft doch öfter Tee als Kaffee trinken. Oder mich verkleiden.

Alexandra Kruse, 33, ist Stylistin und schreibt wöchentlich eine Kolumne für die «Schweizer Illustrierte».

Weitere Kolumnen von Alexandra Kruse finden Sie im Dossier von SI online.

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