Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Ich bin Petra Pan

Es wird Ihnen wohl nicht entgangen sein – aber von den modischen Neuheiten, die kommen und gehen, hat es ein Phänomen tatsächlich geschafft zu bleiben. Der Bubikragen ist der Inbegriff verspielter und mädchenhafter Strenge. Ich mache natürlich mit, auch auf die Gefahr hin, dass ich aussehe wie aus dem «Schulmädchen-Report» ausgeschnitten oder Krankenschwesternfantasien auslösend. Aber ich trage Bubikragen.

Das einzige ernst zu nehmende Kleid, welches ich mir in diesem Winter gekauft habe, ist zart violett, knielang und hat neben weissen Manschetten auch einen blütenweissen Bubikragen (siehe Bild oben). Gemacht hat es Victoria Beckham (leider nicht nur für mich; eine meiner ehemaligen Freundinnen, mit der ich mich über einen Rock hinweg so zerstritt, dass sich unsere Wege trennten, trägt unfassbarerweise dasselbe Kleid).

Was besagt, dass wir uns doch nicht so unähnlich sind. Als würde dies allein noch nicht genug polarisieren – ich trage das Kleid auch noch. Einfach so im Alltag. Mit Riemchenballerinas von Navyboot. Mein Umfeld reagiert erstaunlich. Mit «Oohs» und «Aahs» und merkwürdigen Kommentaren hinter meinem Rücken.

Eine der Lieblingsfragen ist, ob ich mich eventuell weigere, erwachsen zu werden. Oder warum ich sonst immer noch Kleinmädchen-Kleidchen trage? Meine Antwort lautet: «Weil ich es kann.» Weil es mir Riesenspass macht, adrett auszusehen – und weil Mode ja ein Spiel ist. Zudem wäre, so richtig erwachsen zu werden, auch doof – und vor allem entsetzlich langweilig.

Wussten Sie, dass man den Bubikragen auch Peter-Pan-Kragen nennt? Eben. Ausserdem ist der Bubikragen ein universeller Jungbrunnen. Wie sonst sollte ich mir erklären, dass man mich für Kosmos Kindermädchen hielt?

Alexandra Kruse, 33, ist Stylistin und schreibt wöchentlich eine Kolumne für die «Schweizer Illustrierte».

Weitere Kolumnen von Alexandra Kruse finden Sie im Dossier von SI online.

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