Mein Leben und ich

Mein Leben und ich

Was haben Kinder und It-Bags gemeinsam? Sie gehören zum Leben einer Frau mit Stil.

Raus aus der Komfortzone

Bloggerin Alexandra Kruse tauscht Pyjama gegen Partylook und nimmt Abschied vom legendären Zürcher Club Cabaret.

Es war ein gemütlicher, regnerischer Sonntagabend, und der langweilige «Tatort» war vorbei. Wir lagen schon im Bettchen, die Nase in Büchern über das Paradies. Es gab Tee und Kekse. Bis uns einfiel, dass der legendäre Cabaret Club, ein Ort, an dem das Wilde, Andere und Eigene wohnt, heute Nacht zum letzten Mal seine heiligen rot-goldenen Hallen öffnete.

Kosmo war noch in den Ferien. Wir dachten an legendäre Nächte, erinnerten uns, machten die Augen zu und wieder auf. Nach langem Zögern tauschten wir die Pyjamas gegen Partylooks und machten uns auf in die Nacht. Die Strasse war voller Glitzer, Mädchen in Spitzenkleidchen und mit zerrissenen Strumpfhosen fragten uns nach dem Weg nach Hause. Ein Mann, der aussah, als müsste er in wenigen Stunden wieder einer seriösen Tätigkeit nachgehen, konnte nur noch bellen. Ein Hase mit Louis-Vuitton-Tasche sprang umher. Die Party war bereits drei Tage alt und hatte bei dem einen oder anderen Spuren hinterlassen. Auf der Tanzfläche wimmelte es von dunklen Piraten, Elfenmädchen, Prinzessinnen und einem Schamanen, den eine Weihrauchwolke umgab. Das Barpersonal trug Federn und Diademe zu freien Oberkörpern. Alle hatten eins gemeinsam - das grosse Geheimnis durchtanzter Nächte. Über allem schwebte die goldene Wolke der Vergänglichkeit und der Liebe. Das Wissen, dass es immer irgendwo weitergeht.

Wir gingen im montäglichen Morgengrau nach Hause mit Glitzer und Glück im Haar - und waren froh, dass wir es aus unserer Komfortzone heraus geschafft hatten, diese Nacht zu einer besonderen zu machen. «Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.» Ich glaube, dieser Satz stand auch in meinem Buch.

Weitere Blogs von Alexandra Kruse finden Sie im Dossier von SI online.