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Der «Tele»-Streaming-Tipp der Woche

«Mogli: Legende des Dschungels» - Weder Wolf noch Mensch

Sie lieben Filme und Serien, wissen aber nicht, was Sie als Nächstes bei Netflix & Co. schauen sollen? Kein Problem: Die Zeitschrift «Tele» stellt hier jede Woche Sehenswertes vor. Heute «Das Dschungelbuch» für Netflix neu verfilmt.

Dschungelbuch

Freunde: Panther Baghira (Stimme: Christian Bale) und Mogli (Rohan Chand)

Netflix

Probier’s mal mit Gemütlichkeit! Wer kann da nicht mitsingen? Dank Walt Disney kennt jeder das «Dschungelbuch» (1967) mit Mogli, der von einem Wolfsrudel im indischen Dschungel aufgezogen wird. Nachdem Disney vor zwei Jahren eine Realverfilmung nachlegte, feiert nun erneut eine Dschungelbuchversion Premiere: «Mogli – Legende des Dschungels» läuft seit Donnerstag auf Netflix.

Vom Kinderklassiker zum düsteren Drama

Der Film ist düsterer, gewichtiger und nicht für Kinderaugen bestimmt. Baghira, Balu, Shir Khan und die Wölfe haben darin menschliche Gesichtszüge – und das kommt nicht von ungefähr. Regie führte der britische Schauspieler Andy Serkis (54), der den garstigen Gollum in den Tolkien-Verfilmungen sowie den Schimpansen Caesar in den «Planet der Affen»Filmen und King Kong verkörperte. 

Vor allem aber ist Serkis ein Pionier der Performance-Capture-Technik. Dabei werden nicht bloss computeranimierte Szenen von Synchronsprechern vertont, sondern die Schauspieler stecken in grauen Overalls, das Gesicht ist übersät mit Sensoren, die die Regung jedes Muskels speichern und umrechnen. Im Gespräch mit TELE verriet Serkis, warum er ein Fan dieser Technik ist. «Ich wollte vor allem die Gesichter der Tiere zeigen, statt Panoramabilder des Dschungels abzufilmen. Da wir die Tiere von Schauspielern darstellen liessen, haben sie menschliche, aber auch emotionalere Züge.»

Tatsächlich sind siebzig Prozent des Films Nahaufnahmen. Man erkennt Benedict Cumberbatch im Gesicht von Shir Khan und entdeckt Christian Bales Mimik beim Panther Baghira. Serkis wäre nicht Serkis, wenn er nicht auch selber mitspielen würde. «Anfangs sträubte ich mich, wollte mich ganz auf die Regie konzentrieren», grinst er. «Aber als alle Rollen bis auf Balu besetzt waren, fanden die Produzenten, es sei lächerlich, einen Performance-Capture-Film zu drehen, ohne dass ich mitspiele.» Also nahm er sich des Balu an.

Balu ist kein Knuddelbär

Allerdings suchen Disney-Fans im Bären vergebens nach Moglis gemütlichem Knuddelfreund. «Balu ist eher ein strenger Feldweibel», erklärt Serkis, «seine Aufgabe ist es, die jungen Wölfe für die Jagd auszubilden.» Zwar hege Balu eine tiefe Zuneigung zu Mogli, zeigen würde er diese aber nie. Neben all der Technik gilt aber nach wie vor: kein Dschungelbuch ohne Mogli. Den fand Serkis in Rohan Chand (14), der am Film mitdrehte, seit er 10 Jahre alt war. 

Für die Rolle sprach er bei Serkis via Skype vor. «Ich musste eine Szene spielen, bei der ich mich wie ein Wolf auf allen Vieren fortbewege», erklärt Chand gegenüber TELE. «Meine Mutter rannte mir mit dem Laptop hinterher, damit Andy mich sehen konnte.» Dem gefiel, was er sah. Und nicht nur ihm: Mit der Wahl von Chand hat Serkis ein gutes Händchen bewiesen. Ursprünglich war der Film fürs Kino vorgesehen. Dass Warner ihn nun an Netflix verkauft hat, scheint die Beteiligten nicht zu ärgern. Zumindest zeigen sie es nicht.

Eddie Marsan, der Moglis Wolfsvater Vihaan spielt, formuliert es mit einem Augenzwinkern: «Warum sagen Sie, der Film komme nicht auf die grosse Leinwand? Heute haben die Leute zu Hause riesige Fernseher, das fühlt sich an wie Kino.» Wer eine Adaption des Disneyfilms von 1967 erwartet, wird enttäuscht. «Wir haben nicht den Klassiker neu verfilmt, sondern Rudyard Kiplings Buch von 1895», so Serkis. Dort endet die Geschichte nicht mit Moglis Abgang ins Menschendorf – dann geht es erst richtig los. Es ist die aufreibende Reise eines Jungen, der nicht weiss, wohin er gehört. Zu den Menschen oder zu den Wölfen? Oder vielleicht sogar wede

«Mogli: Legende des Dschungels»; Drama; seit dem 7. Dezember bei Netflix

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Von Simone Reich am 12. Dezember 2018