My awesome Life in Hollywood

My awesome Life in Hollywood

Neustart vor 30! Oder wie eine Rheintalerin nach Los Angeles kommt.

Coachella: Affenhitze, Drogen und Schmerzen

Es ist das wohl heisseste Hipster-Festival der Welt. Für Prominente, It-Girls und Mode-Bloggerinnen ist das Coachella eine Instagram-Parade, nebenbei gibt es natürlich auch noch Musik. Bloggerin Jasmin Gruber verbrachte das Wochenende in der Wüste. 

40 Kilometer in drei Tagen bei knapp 40 Grad - im Schatten! Ich fühle mich wie von einem Lastwagen überfahren, kann kaum mehr gehen und wenn ich noch einmal Marihuana rieche, laufe ich schreiend davon. Aber der Reihe nach.

Affenhitze
Ich liebe den Sommer. Je heisser, desto besser. Doch bei 40 Grad mache auch ich schlapp. Wie schaffen es all die Hipster-Chicks, bei dieser Affenhitze so gut auszusehen? Nach nur zehn Minuten auf dem Festival-Gelände läuft mir bereits der Schweiss von der Stirn, meine Haare sehen aus wie die von Cruella. Unser Lebensretter? Ein kleiner Ventilator, den man mit Wasser auffüllen kann. Ohne den hätte ich die drei Tage nicht überlebt.

Alkohol
Kalifornien und Hochprotzentiges ist so eine Sache für sich. Alkohol kann man am Coachella nur in den sogenannten Biergärten trinken. Am Anfang habe ich noch lautstark darüber gemotzt. Für mich als Festival-Fan (in der Schweiz war ich jedes Jahr an mindestens drei Openairs) unvorstellbar. Was gibt es schöneres, als mit einem Drink in der Hand vor der Bühne im Gras zu chillen und die Musik zu geniessen? Das Coachella ist mein erstes Festival ohne Kater. Den hätte ich in dieser Affenhitze aber sowieso nicht überlebt. Und noch was gutes hat das strikte Alk-Reglement. Besoffene Teenager, die sich die Seele aus dem Leib kotzen, gibts hier nicht. Um Punkt ein Uhr nachts wird man übrigens «rausgeschmissen». Hätte nicht gedacht, dass es noch schlimmer geht als in L.A. Die Nacht zum Tage machen? Nichts da. Aber ich war - Hitze sei Dank - sowieso nicht in der Lage dazu.

Drogen
Was machen all die unter 21-Jährigen, die hier keinen Alkohol kriegen? Genau. Das Coachella könnte man auch gut in Weedchella umtaufen. An jeder Ecke steigt einem Marihuana in die Nase. Ich war so gut wie Dauer-Passivbekifft. Das eigentliche Problem sind jedoch die härteren Drogen hier. Am Samstag ist eine 18-Jährige an einer Überdosis gestorben.

Musik
Lady Gaga, Bon Iver, Radiohead, Tove Lo, Bastille, Justice, Lorde, BANKS, the xx, Kendrick Lamar - das Line-up am Coachella kann sich wirklich sehen lassen. Über 150 Künstlerinnen und Künstler standen während den drei Tagen auf den insgesamt sechs Bühnen. Das Problem? Wenn drei Bands zur gleichen Zeit spielen, und du findest alle super. Kill your darlings.

Distanz
Wir haben in den drei Tagen fast 40 Kilometer zurückgelegt. 57'000 Schritte. In Sandalen. Man läuft hier gut 40 Minuten, bis man erst einmal auf dem Gelände steht. Dort sieht es dann nicht besser aus. Die Distanz von einer Bühne zur anderen ist teils enorm. Chillen ist hier ein Fremdwort. Marathon trifft es besser.

Camping vs. Hotel
650 Dollar für zwei Nächte im Motel 6. Was mir am Anfang viel zu teuer schien, war am Ende unbezahlbar. Noch nie habe ich mich so auf ein Bett gefreut wie nach zwölf Stunden Schweiss und Wüstenstaub. Meine Beine konnten mich am Ende des Tages kaum noch tragen, ich roch wie ein nasser Pudel und wollte nur noch duschen und kaputt ins Bett fallen. Wie kann man in dieser Hitze hier zelten? Das bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Essen
Eigentlich esse ich nicht viel, wenn es mir zu heiss ist. Bei diesen Food-Ständen hier kann man jedoch nicht anders. Lobster Rolls, Pad Thai, Enchiladas, Sliders, Pizza, Paella - hier können sich die Festivals in der Schweiz noch eine Scheibe abschneiden. Was es an Drinks zu wenig gab, wurde mit kulinarischen Köstlichkeiten wiedergutgemacht.

Hipster
Hotpants, bauchfreie Tops, perfektes Make-up. Je grösser die Hüte, desto besser. So wie die Girls hier rumlaufen, so style ich mich nicht mal für den Ausgang. Das Coachella ist für viele hier nur ein Laufsteg. Selfie hier, Selfie da. Aber man muss sich mit diesen Fashionistas ja nicht abgeben, wenn man nicht will.

Fazit
Auch wenn noch so vieles über das Coachella geschrieben wird, ein Bild davon machen kann man sich erst, wenn man mal dort war. Trotz schmerzender Füsse, Sonnenbrand und dehydriertem Körper: das Coachella ist einzigartig und eines der besten Festivals, das ich je besucht habe. Next year? For sure!

Im Dossier: Alle L.A.-Blogs von Jasmin Gruber