My awesome Life in Hollywood

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Neustart vor 30! Oder wie eine Rheintalerin nach Los Angeles kommt.

So läufts bei «The Voice» wirklich ab

In Amerika ist alles erstens grösser und zweitens glamouröser. Oder trügt der Schein? Unsere Bloggerin Jasmin Gruber ging diese Woche an eine Aufzeichnung von der zwölften US-Staffel von «The Voice» mit Gwen Stefani, Adam Levine, Alicia Keys und Blake Shelton.
The Voice USA stream Jury Gwen Stefani Blog Jasmin Gruber Blick
© ZVG.

Die Jury von «The Voice»: Blake Shelton, Gwen Stefani, Alicia Keys und Adam Levine (v.l.).

«Sorry, no phones allowed!» Ich stehe in einer grossen Tiefgarage in den Universal Studios und fühle mich zurück in die Steinzeit katapultiert. Als erstes schickt man uns gleich wieder zurück zum Auto, um unsere Handys zu verstauen. Stundenlang nicht erreichbar sein? Mir grauts!

Mit einem Bleistift (!) müssen wir eine Unterlassungserklärung unterschreiben und dann gehts durch den Security-Check. Puh, das hätten wir geschafft. Draussen steht ein grosses Zelt mit weissen Stühlen und zwei Foodtrucks. Zu essen gibts - natürlich - fettige Burger und Pommes mit Käse und noch mehr Käse obendrauf.

«Was meinsch, wie lang müend mer jetzt do warte?», frage ich meine Schweizer Freundin Murièle, die ich gezwungen äh gebeten habe, mitzukommen. «Lange!», sagt sie seufzend. Nach einer halben Stunde - und unzähligen Versuchen, auf mein nicht vorhandenes Handy zu schauen - wird mir langsam langweilig. Und kalt! Eine weitere halbe Stunde vergeht, und noch immer passiert nichts. Vor uns stehen ein paar Universal-Studio-Wägeli, mit denen wir - wenn es dann endlich soweit ist - zum Studio gefahren werden.

«Are you ready for Gwen Stefani?», schreit uns plötzlich ein Möchtegern-Komiker an. Ausser Murièle und mir - wir sind damit beschäftigt, nicht zu erfrieren - gröhlen und jubeln alle anderen um uns herum. Und wieder heisst es warten. Und warten. Eine gute Stunde später dürfen wir dann endlich in die Trolleys einsteigen. Im Wägeli läuft «Happy» von Pharrell Williams, alle um uns klatschen und singen mit. Wie können die - nach stundenlangem Bibbern in dieser Kälte - so euphorisch sein?

Knapp drei Stunden, nachdem wir parkiert haben, sitzen wir endlich im Studio. Läck ist das klein hier! Habe mir alles viel, viel grösser vorgestellt. In der Mitte steht die Bühne, links davon die vier Jury-Stühle und mit uns sitzen nur gut 350 Zuschauer auf ihren Plätzen.

«Sorry, hüt gaht alles chli länger, mer sind chli hinedri», tönt es plötzlich - auf Schwiizerdütsch - neben mir. Murièle springt auf, Küsschen, Küsschen, Umarmung. Die Welt ist also auch in Los Angeles klein, denke ich mir. Manou Oeschger arbeitet bei «The Voice» als Zuschauerkoordinatorin und dürfte dem einen oder anderen bekannt vorkommen. Vor genau zehn Jahren war sie Mitglied der deutschen Castingband beFour, tourte durch Europa und räumte gar Platin ab. Das Singen habe sie mittlerweile ad acta gelegt, sagt sie lächelnd.

«Welcome to Theeeee Vooooiiiiceeee», schreit nun ein noch fröhlicherer Möchtegern-Komiker ins Mikrofon. Yes, endlich gehts los! Denkste. Minutenlang müssen wir klatschen, aufstehen, absitzen, wieder klatschen, aufstehen, klatschen. Was für ein Warm-up! Bin jetzt schon ausser Puste.

Dann - finally - kommen die vier Juroren aus ihrem Versteck. Adam Levine legere im T-Shirt, Gwen Stefani könnte mit ihrem sexy Outfit glatt als Zirkusdompteurin durchgehen, Alicia Keys - wie immer - ungeschminkt und mit sehr viel Stoff (was bei Gwen gespart wurde, wurde bei ihr angenäht) und Blake Shelton lässig in Jeans und Jacket. Kaum sitzen die vier auf ihren roten Stühlen, kommen auch schon die Stylisten dahergerannt und pudern drauflos.

Die erste Sängerin betritt die Bühne und haut mich gleich aus den Socken. Wir sind hier in den Knockouts, noch vor den Live-Shows, und diese zierliche Brünette auf der Bühne würde «The Voice of Switzerland» glatt gewinnen. Dieses Niveau hier - einfach unglaublich. Eine schönere Stimme nach der anderen, Gänsehaut, offene Münder. Klatschen kann ich nicht mehr wirklich, das Warm-up war bereits Hochleistungssport. Aber ich gebe mir Mühe.

Während der kurzen Pausen tippt Gwen immer auf ihrem Handy rum, Adam gähnt in die Leere, Alicia knuddelt mit ihren Kids und Blake macht den Pausenclown. Dass er und Gwen ein Pärchen sind, merkt man übrigens nicht wirklich. Nicht mal ein Küssli haben sich die beiden gegeben!

«Jetzt hend mir öppe Halbziit», flüstert uns Manou ins Ohr. Wie bitte?! Nochmals so lange hier ausharren? Murièle und ich schauen uns müde an. «Meinsch nöd, du könntsch üs usebringe?», fragen wir sie leise. Kann sie! Und so schleichen wir zu dritt aus dem Studio raus. Manou fährt uns mit einem Golfwägeli durch die dunklen, verlassenen Universal Studios. Definitiv mein Highlight des Tages! Und wieder habe ich gelernt, es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Im Dossier: Alle Beiträge von L.A.-Bloggerin Jasmin Gruber