My awesome Life in Hollywood

My awesome Life in Hollywood

Neustart vor 30! Oder wie eine Rheintalerin nach Los Angeles kommt.

Wie eine Ölsardine ohne Öl: Diese verdammte Holzklasse!

Ab ins Flugzeug und in die Ferne. Sommerferien heisst für die meisten, in den warmen Süden zu fliegen und sich eine Woche lang die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Exil-Schweizer zieht es hingegen in die Heimat. Unsere Bloggerin Jasmin Gruber ist – nach diversen Strapazen – in der Schweiz gelandet.  
Jasmin Gruber Ferien
© Schweizer Illustrierte

Der Moment, wenn das Flugzeug in Zürich landet: Unbezahlbar.

Zum 142. Mal schmachtet mir Dolly Parton ihr «I Will Always Love You» ins Ohr und übertönt so das Geschnarche der Dame links von mir. Seit mehr als sieben Stunden sitze ich nun schon auf diesem unbequemen Sitz. Beton wäre wahrscheinlich noch angenehmer. Wie können die alle hier schlafen? Fühle mich wie eine Ölsardine in einer Konservendose. Ohne Öl, so gar nicht geschmeidig.

Die Nerven liegen blank

Noch knapp drei Stunden habe ich vor mir. Wie soll ich die nur überleben?! Man könnte meinen, ich habe mich mittlerweile an Langstreckenflüge gewöhnt. Nach 1,5 Jahren Fernbeziehung und x Mal Los Angeles - Zürich retour. Aber nichts da. Schlaftabletten wären eine Option. Da ich aber noch nie eine geschluckt habe, habe ich ein bisschen Respekt davor. Wein tuts auch. Oder würde es tun. Bin jedoch der Swiss untreu, fliege ausnahmsweise mit Air Berlin. Hier gibts Alkohol nicht umsonst. Und da meine Kreditkarte im Koffer verstaut ist - wieso auch immer - kann ich mir nicht mal ein Gläschen gönnen.

So Dolly. Genug jetzt. Backgammon zum dreissigsten. Und dann ziehe ich mir halt noch einen dritten Film rein. Mein Rücken fühlt sich an, als ob ich zehn Stunden auf dem Bau gearbeitet habe. Diese verdammte Holzklasse. Tschuldigung der Ausdruck. Aber meine Nerven liegen blank. Nicht mal eine Milisekunde habe ich geschlafen.

Meine Mama empfängt mich mit Sekt

Doch all der Hass ist beim ersten «Grüezi» verflogen. Meine Gefühle kann ich kaum in Worte fassen. Wer im Ausland wohnt, weiss, wovon ich schreibe. Der Moment, wenn man das Flugzeug verlässt und Schweizer Boden betritt. Unbezahlbar. Der Flughafen Zürich fühlt sich plötzlich an wie mein ehemaliges Wohnzimmer.

Sandra, mein Ex-WG-Gspänli, holt mich ab und wir fahren in Richtung Rheintal. Auf der zweispurigen Autobahn. Wie herzig! Und wie grün hier alles ist! Ich kann nicht aufhören, zu strahlen. Nach einer guten Stunde stehen wir vor dem Haus meiner Eltern, wo mich meine Mama bereits mit Sekt empfängt. Wie schön es ist, heim zu kommen. Und plötzlich frage ich mich, wie ich nur ohne meine Familie, meine Freunde, leben kann. Doch das ist der Preis, den man bezahlen muss, wenn man seine sieben Sachen packt und der Schweiz den Rücken kehrt.

Doch jetzt bin ich ja hier. Zwei Wochen Sommerferien in der Schweiz. Wenn ich mich vom Jetlag und den elf Horror-Stunden im Flugzeug erholt habe, kann ich endlich die Zeit hier geniessen. Wenn denn das Wetter auch mitspielen würde. Aber für nächste Woche sieht es ja schon besser aus. Und was wären Ferien in der Schweiz ohne Regen? Sogar den habe ich vermisst.