Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Achtung! Ein Kunde droht mit einem Auftrag

Unser Blogger Sacha von der Crone betreibt eine Lodge in Südafrika und muss ab und zu Arbeiten in Auftrag geben. Doch die Handwerker oder Dienstleister scheinen an den Aufträgen gar nicht richtig interessiert zu sein. Denn bis sie mal eine Offerte schicken, verstreichen Tage.
sacha von der crone blog südafrika
© zvg

Ausschlafen und auf der faulen Haut liegen, das macht im Africa Lodge eigentlich nur Hund Fynn.

So ganz südafrikanisch gelassen ist unsere Einstellung wohl doch noch nicht. Drei konkrete Anschaffungen bzw. Aufträge wollten wir in dieser Woche erteilen und ausführen lassen. Wir wollten den Internet-Anbieter wechseln, schliesslich fällt unsere Verbindung ins World Wide Web immer noch mehrheitlich aus. Immer abends. Ich habe dem neuen Provider eine Nachricht geschickt und eine detaillierte Offerte verlangt. Drei Tage Funkstille. Dann kam endlich eine Email mit der Preisangabe und den Anweisungen, was wir alles noch zu tun hätten, bevor er überhaupt etwas für uns tun könne. 

Weiter wollen wir auch den unhygienischen Teppichbelag in einem unserer Gästezimmer rausreissen und durch einen stylischen, modernen Belag ersetzen lassen. Auch hier dauerte es unglaublich lange, bis wir eine Offerte und einen Berater zu Besuch hatten.

Die Holzbestellung für unsere neue Pool-Terrasse war auch nach einem Besuch im entsprechenden Shop nicht so einfach. Am Ende wurde mit einem simplen «siehe Kostenaufstellung in der Beilage» die Offerte und Voraus-Rechnung gemailt. In der Schweiz sind wir uns etwas anderes gewohnt. Tagelanges Warten auf Bestätigungen für Aufträge gibt es nicht. Das kennen wir allerhöchstens bei Reklamationen. Ich empfinde es schon fast als unhöflich. Oder bin ich als Kunde vielleicht gar nicht willkommen? TIA - This is Africa! Am Ende der Woche ist ja alles so wie gewollt geschehen. Der Weg ist halt nicht das Ziel. Das Ziel ist das Ziel.

Ein neuer Gärtner

Seit dieser Woche haben wir einen neuen Gärtner. Der alte wollte eigentlich noch bei uns arbeiten. Aber wir sagten ihm, dass er im Juli nur noch einmal statt zweimal pro Woche arbeiten könne. Deshalb suchte er sich einen Ersatz-Job für den ausgefallenen Tag in diesem Monat. Doch wir wollen nicht zwei verschiedene Gärtner - und jetzt hat er wieder nur an einem Tag Arbeit.

Man bedenke: Wir geben unseren Mitarbeitern das Trinkgeld bewusst erst kurz vor Saisonschluss, damit sie eben die Wochen mit weniger Arbeitstagen gut überbrücken können. Schliesslich gabs zum Saisonende für alle einen kompletten Monatslohn aus der Tipp-Box. Dabei ist etwas aufgefallen: Während unsere Haushälterin mit Mann und Kind hier in Somerset West lebt, ist unser mittlerweile ehemaliger Gärtner ganz alleine hier und hat seine Familie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen. «Ich bin nicht zum Spass hier und möchte jeden Tag arbeiten, was soll ich mit einem freien Tag?», sagte er zu mir. Er will Geld erwirtschaften, um alles, was er nicht unbedingt braucht, nach Hause zu schicken. Als ich ihm erklärte, dass er ja eben für die ausfallenden Tage viel Trinkgeld bekommen habe, meinte er: «Oh ja! Damit konnte meine Familie zu Hause auch viel für das Haus beschaffen.» Er denkt halt kurzfristig und jeder Tag ohne Tageslohn ist ein verlorener Tag. Ein wirklicher Gastarbeiter. Schade, wir mochten ihn.

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© zvg

Die Leere täuscht. Der Golfplatz ist am Wochenende pumpenvoll - inklusive Springböcke.

Wir fanden wiederum Zeit für eine runde Golf, auf einem angesehenen Golfkurs, zwanzig Minuten von uns entfernt. Schon bei der Ankunft schwante uns Böses. Der Parkplatz war komplett voll und so war es dann auch auf dem Golfplatz. Die Warterei ging schon nach dem ersten Schlag los und so verweilten wir fünf Stunden auf dem Platz, ohne überhaupt die letzten vier Löcher noch spielen zu können. Der Einbruch der Dunkelheit hinderte uns daran. Schade, dass gewisse Golfplatz-Betreiber eine solche Überfüllung zulassen und niemanden abweisen - und alles nur um genügend Geld einzuspielen. Den guten Ruf zu ruinieren, spielt scheinbar keine Rolle. Doch wir müssen uns auch selbst an der Nase nehmen. Wir suchten uns ausgerechnet einen Tag am Wochenende aus. Aber wir haben daraus gelernt. Wir spielen jetzt unter der Woche, dann wenn nicht alle Zeit zum Golf spielen haben. Die Arbeiten in der Lodge können wir ja verrichten, wann wir wollen.

Man liest sich!